Empfehlen | Drucken | Kontakt25.01.2010 - 18:23 Uhr

Mercedes-Präsentation: Azubis rollten neu lackierten Renner rein


Foto: ddp
Stuttgart –  

Um 11.14 Uhr war es soweit. Mercedes lüftete das Geheimnis um die neue Lackierung des Silberpfeils. Azubis aus den Werken in Untertürkheim und Sindelfingen rollten den Vorjahresrenner mit Lack-Outfit für die Formel-1-Saison 2010 auf die Bühne im Mercedes-Museum in Stuttgart.

Mit Rekord-Champion Michael Schumacher als fahrerischem Fixstern will Mercedes Grand Prix im farbig dezenten neuen Silberpfeil an die glorreiche Ära der 50er Jahre anknüpfen. „Es ist unser Ziel und unsere Mission, Weltmeister zu werden“, sagte der 91-malige Grand-Prix-Gewinner bei der stilvollen Präsentation der neuen Farben am alten Auto. Der Daimler-Vorstandsvorsitzende Dieter Zetsche bestätigte vor über 600 Gästen am Montag im Mercedes-Benz Museum den hohen Anspruch des deutschen Formel-1-Teams: „Wir haben ein denkbar einfaches Ziel: Wir wollen Weltmeister werden. Aber es muss nicht im ersten Jahr klappen.“

In silbern glänzenden Rennanzügen schritten Schumacher, der zudem eine silberne Kappe trug, und sein Teamkollege Nico Rosberg hinterher. Für den 41 Jahre alten Rückkehrer aus dem rheinischen Kerpen schließt sich nach drei Jahren Formel-1-Pause der Kreis. Der einstige Mercedes-Junior, der auch dank finanzieller Unterstützung des Stuttgarter Konzerns 1991 in der Königsklasse bei Jordan debütieren konnte, kehrt zu den Schwaben zurück.

Beim Rundgang durchs Museum hatte Schumacher auch den Silberpfeil-Sportwagen gesehen, in dem er vor rund 20 Jahren selbst schon gesiegt hatte. Jetzt richtet der siebenmalige Titelträger aber den Blick nach vorn: „Ich bin heiß aufs Fahren auf hohem Niveau.“ Mercedes habe alle Zutaten, um Weltmeister zu werden. Aber wie beim Kochen sei es noch mal etwas anderes, ein gutes Menü daraus zu machen. Bezüglich seines Comebacks mit 41 versicherte Schumacher, er müsse „niemand etwas wegen meines Alters beweisen“.

Die edle Mercedes-Präsentation
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Rosberg sprach von einem „großen Schritt“ in seiner Karriere. „Es ist eine tolle Chance, Michael als Teamkollegen zu haben.“ Sorgen, dass er im übergroßen Schatten Schumachers nur eine Nebenrolle spielen könnte, hat der 24 Jahre alte Sohn von Ex-Weltmeister Keke Rosberg nach intensiven Gesprächen mit Teamchef Ross Brawn nicht mehr. „Es gab leichte Zweifel, da Michael eine gute Beziehung zu Ross hat“, sagte er. „Ich bin aber zuversichtlich, dass wir beide gleiche Autos und die gleichen Chancen bekommen.“

Mit Stolz erfüllt Rosberg die Tatsache, dass er als erster Deutsche seit 55 Jahren, als sich Mercedes nach dem Unglück in Le Mans vom Motorsport zurückgezogen hatte, einen Silberpfeil steuern darf: „Ein absoluter Traum ist wahr geworden.“ Der ehemalige Williams-Pilot darf bei den Testfahrten in Valencia vom 1. bis 3. Februar die Jungfernfahrt absolvieren. Brawn gab bekannt, dass aber auch Schumacher schon am ersten Tag ein paar Runden drehen soll.

Zetsche bezeichnete an diesem nicht nur für Mercedes historischen Montag „ein bisschen Nationalstolz“ als berechtigt. „Wir machen die deutsche Nationalmannschaft der Formel 1 perfekt. Nie zuvor gab es zwei Deutsche im Silberpfeil.“ Der Daimler-Chef schwelgte sogar von schwarz-rot-silber als neuen Nationalfarben sowie Schumacher und Mercedes als deutsche Weltstars, sprach dann aber mit Blick auf die Internationalität dieses Projektes und des Konzerns von „eher einer Weltauswahl“. Und trotz aller Titelträume bat Zetsche um Geduld: „Wir sind ein neues Team - geben Sie uns ein bisschen Zeit.“

Eher bedeckt bei den WM-Wünschen hielt sich Norbert Haug. „Wir arbeiten sehr hart, um gute Ergebnisse zu erzielen. Das wird eine spannende, hartumkämpfte Saison“, sagte der Mercedes-Motorsportchef, der von diesem „besonderen Tag überwältigt“ war. „Mit der heutigen Teamvorstellung beginnt ein neues und sicher das wichtigste Kapitel in unserer über 100-jährigen Motorsport-Geschichte.“ Brawn genießt es, „Teil der Wiedergeburt der Silberpfeile“ zu sein.

Für die am 14. März mit dem Großen Preis von Bahrain beginnende Saison rechnet Brawn mit Ferrari, McLaren-Mercedes und Red Bull als stärksten Konkurrenten. Schließlich fahren dort der zweifache Champion Fernando Alonso (Ferrari), die beiden Titelträger Lewis Hamilton und Jenson Button (McLaren) sowie Vize-Weltmeister Sebastian Vettel (Heppenheim). „Aber noch wissen wir nicht, wo sie stehen“, wies der britische Teamchef darauf hin, dass erst in Valencia aussagekräftige Schlüsse über die Stärke der Konkurrenz möglich seien. Mercedes Grand Prix testet dort den Silberpfeil, aber bis Bahrain wird es noch etliche Weiterentwicklungen geben.

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