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Shell macht's vor: Kassieren bald alle Tankstellen für Luft?

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Wer bei Shell seine Reifen aufpumpen will, muss künftig dafür bezahlen.
Wer bei Shell seine Reifen aufpumpen will, muss künftig dafür bezahlen.
 Foto: Shell/ Oliver Reck
Köln –  

Beim Geldverdienen sind die Manager der Energiebranche erfinderisch. Der Shell-Konzern testet bereits seit 2011 den Verkauf von Luft für Autoreifen, Kölns Fahrer sind empört. Jetzt weitet das Unternehmen den Versuch aus – zieht die Konkurrenz mit?

Im Laufe des ersten Quartals 2013 werden 120 Shell-Tankstellen einen Euro für die „Korrekturen des Luftdrucks“ verlangen. Um welche Tankstellen es sich dabei handeln wird, steht bislang nicht fest. „Die Gespräche laufen noch“, erklärt Shell-Pressesprecherin Cornelia Wolber. Betroffen sind Nordrhein-Westfalen, Baden-Württemberg und Bayern.

Als Grund für die Ausweitung des Pilotprojekts von 2011 nennt Cornelia Wolber dessen Erfolg: „Viele sind bereit, für die Druckluft zu zahlen, wenn es dann funktionsfähige und saubere Druckluftgeräte gibt.“

Das Prüfen des Luftdrucks bleibt nach wie vor kostenfrei - das Entgelt wird erst fällig, wenn der Reifen befüllt wird. Für einen Euro gibt es fünf Minuten Luft. Zum Einsatz kommen festinstallierte Digitalgeräte.

Alternativen zu Shell

Die Shell-Konkurrenz steht solchen Plänen ablehnend gegenüber. Bei Aral bleiben die Luftdruckpumpen auch weiterhin umsonst. Pressesprecher Detlef Brandenburg sagt: „Wir sehen das als kostenlosen Service an, weil es für unsere Kunden einen sicherheitsrelevanten Aspekt gibt.“

Auch bei Esso gibt es keine Pläne für einen flächendeckenden Einsatz von Bezahlgeräten. Allerdings testet man an vier Tankstellen eine kombinierte Einheit aus Luftdruckpumpe und Staubsauger, wie Sprecher Karl-Heinz Schult-Bornemann erklärt: „Wir mussten uns dort Gedanken machen, weil die herkömmlichen Geräte entweder wiederholt gestohlen wurden oder aufgrund von Vandalismus defekt waren.“

ADAC-Sprecherin Jacqueline Grünewald rät gegenüber EXPRESS: „Wer nicht auf auf den Shell-Service angewiesen ist, kann sich Alternativen suchen.“ Es gebe noch immer ausreichend Möglichkeiten, umsonst an Reifenluft zu kommen. Und: „Nach unseren Erfahrungen sind die herkommlichen Geräte genauso gut wie die digitalen.“

Ohne Druck läufts nicht rund

Hauptsache, Autofahrer prüfen überhaupt: „Der Druck im Reifen ist eine elementare Sache. Wir raten den Autofahrern, ihn regelmäßig alle vierzehn Tage zu kontrollieren.“ Denn: „Ein niedriger Reifendruck ist verkehrsgefährdend. Der Fahrer kann die Kontrolle über sein Fahrzeug verlieren.“ Der richtige Druck verlängere die Haltbarkeit des Reifens, im Extremfall könne der Reifen bei zu wenig Luft platzen.

Einer Umfrage des Reifenherstellers Bridgestone zufolge checken nur 37 Prozent der Autofahrer in Europa regelmäßig den Reifendruck - fast 20 Prozent der Reifen, die auf der Straße fahren, sind so stark verschlissen, dass sie weniger als das von der EU vorgesehene gesetzliche Mindestprofil von 1,6 Millimeter aufweisen.

Wer regelmäßig prüft, spart außerdem Geld: Jacqueline Grünewald weist darauf hin, dass der Wagen bei der richtigen Reifenbefüllung weniger Sprit verbraucht. Schon wer mit 0,2 Bar zu wenig Druck unterwegs ist, muss im Stadtverkehr nach Angaben des TÜV Süd mit einem um bis zu fünf Prozent erhöhten Kraftstoffverbrauch rechnen.

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