Empfehlen | Drucken | Kontakt16.04.2011 - 21:41 Uhr

Tomaten-Schiri Aytekin: Schmiert Borussia wegen dieser „Wurst“ ab?

Von AXEL STRÖTKER und MANUEL DIAZ
Schiri  Deniz Aytekin.
Schiri Deniz Aytekin.
Foto: Getty Images
Mainz/Mönchengladbach –  

Wutentbrannt stürmte Marco Reus nach dem 0:1 beim FSV Mainz in die Schiedsrichter-Kabine, schimpfend verließ er das Stadion am Bruchweg.

Grund für seinen Ärger: Eugen Polanskis nicht geahndetes Foul gegen ihn in der 70. Minute. „Hat doch jeder gesehen, dass es ein klarer Elfer war“, reklamierte Reus. Referee Deniz Aytekin nicht. „Auf dem Spielfeld sagte er, es wäre keiner“, bebte Borussias bester Torschütze. „Ich wusste aber genau, dass er hätte Elfmeter pfeifen müssen und habe das mit ihm geklärt.“

Marco Reus schreit nach Eugen Polanskis Tritt vor Schmerzen - die Pfeife von Schiedsrichter Deniz Aytekin bleibt stumm.
Marco Reus schreit nach Eugen Polanskis Tritt vor Schmerzen - die Pfeife von Schiedsrichter Deniz Aytekin bleibt stumm.
Foto: wiechmann

Der Tomaten-Schiri redete sich zunächst heraus: „Beide Spieler gingen mit hoher Geschwindigkeit zum Ball. Aus meiner Perspektive war nicht klar zu erkennen, ob Reus getroffen wurde.“ Er gab dann aber zu: „Wenn man die Wiederholung im Fernsehen sieht, ist es ein Strafstoß.“

Aytekin vernahm auf „Sky“ auch Max Eberls Wut-Attacke. „Wer da keinen Elfmeter pfeift, weiß nicht, wie Fußball geht. Er gibt zuvor Gelb-Rot gegen Hanke wegen einer Farce. Dann kommt Polanski einen Schritt zu spät gegen Reus. Das muss Strafstoß sein“, ging Gladbachs Sportdirektor auf Tomaten-Aytekin los. „Er kann nicht auf der einen Seite konsequent pfeifen und auf der anderen wie eine Wurst.“

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Eberl fühlte sich um die Führung in Unterzahl betrogen: „Es wäre zumindest Elfmeter für uns gewesen und wir hätten die Möglichkeit gehabt, das 1:0 zu machen.“ Kapitän Filip Daems verwandelte in dieser Saison schon vier Strafstöße sicher.
„Klarer Penalty“, kommentierte Borussias Trainer Lucien Favre und sein Mainzer Kollege gab ihm Recht. „Wir hätten uns über einen Elfmeter nicht beschweren können und ob wir dann noch mal zurück gekommen wären, halte ich für fraglich“, gestand der FSV-Coach. „Da hatten wir Glück und in der 87. Minute hat Schürrles Sonntagsschuss dieses Spiel entschieden.“

Mainz mit neuem Punkte-Vereinsrekord als Tabellenfünfter im Anflug auf Europa. Gladbach klebt seit 149 Tagen am Tabellenende fest – statt Wolfsburg und St. Pauli wenigstens für eine Nacht zu überholen. Schmiert Borussia wegen Wurst-Schiri Aytekin ab? Der hatte schon beim 1:2 gegen St. Pauli Mo Idrissou mit Gelb-Rot vom Platz gestellt, Gladbach gegen diese ebenfalls umstrittene Ampelkarte vergeblich Protest eingelegt.

„Wir haben null Punkte aus Mainz mitgebracht. Es bringt nichts mehr, sich darüber aufzuregen“, resignierte Reus am Tag danach. „Die Entscheidungen des Schiedsrichters sind sehr schwer zu akzeptieren. Aber die Fehler gehören nun mal dazu. Wir können nichts dagegen tun, müssen die Klappe halten und fertig“, bremste Favre Eberl. Denn dem Sportdirektor, der mit dem Wurst-Vorwurf gegen Aytekin auch von seiner Verantwortung für Borussias Absturz ablenkt, droht deshalb eine Strafe vom DFB.

Aytekins Einsicht plus Entschuldigung – für Favre kein Trost. „Ich will nicht mehr darüber sprechen. Wir können es nicht ändern. Wir müssen uns auf das Training und die nächsten vier Spiele konzentrieren“, erklärte er Samstag nach dem Auslaufen und fordert „neun von zwölf Punkten“, um sich in die Relegation zu retten. „Das wird extrem schwer, aber wir müssen daran glauben.“

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