Mit zwei „Oscar-Gewinnern“ an Bord, fünf Pokal-Millionen im Gepäck und dem ersten Halbfinal-Einzug seit 2004 kehrte der Borussia-Tross am Donnerstag um 12 Uhr aus Berlin zurück.
Tunnel-Oscar Wendt nimmt nach seinem Beinschuss gegen Herthas Thomas Kraft zum 2:0 Glückwünsche zu seinem ersten Tor für Gladbach entgegen. Igor de Camargo wird im Internet als „Oscar-Gewinner“ verspottet, weil er in der 100. Minute Roman Hubnik die Stirn bietet und nach dessen Nasenstüber den „sterbenden Schwan“ spielt.
Igor fällt - wie von Klitschkos Faust getroffen. Und Schiedsrichter Felix Brych darauf herein. Platzverweis für Hubnik, der wegen unsportlichen Verhaltens mit der Mindestsperre von einem Pokalspiel davon kommt. Berlins Andreas Ottl ätzt: „Roman hat ihn kaum berührt. Ich wünsche de Camargo auf diesem Weg gute Besserung.“ Igors Nasen-Schwalbe: Klug oder Betrug?
„Er kam auf mich zugerannt, hat mich angerempelt und mich auch im Gesicht berührt. Die Aktion ging von ihm aus, nicht von mir“, wehrt sich de Camargo. Vor einem Jahr beim 1:3 in St. Pauli sah er selbst nach einem ähnlichen Nahkampf mit Matthias Lehmann Rot. Igor: „Damals kam auch der Gegenspieler auf mich zu, ich bin stehen geblieben, er ist gefallen und ich bin vom Platz geflogen. Nachher hat man mir das als Dummheit vorgeworfen.“
In Berlin bekommt er einen Elfmeter, den Filip Daems eiskalt verwandelt und Hertha ins Herz trifft. Trainer Michael Skibbe geht auf den Schiri los und lenkt von seiner vierten Schlappe ab. Brych sei „einigermaßen entsetzt über seine Entscheidung“ gewesen“, behauptet Berlins Manager Preetz: „Er hat zu mir gesagt, dass er jetzt wohl eine Woche schlecht schlafen kann. Aber uns fehlen die Chance auf das Finale und eine Millionen-Einnahme, da ist wohl unser Schaden größer. Ich bin immer noch kotzsauer!“
Schiri-Chef Herbert Fandel nimmt Brych in Schutz und schiebt de Camargo die Schuld zu: „Trotz aller Kritik an der Schiedsrichterentscheidung darf nicht vergessen werden, dass hier ein Spieler durch seine Theatralik den Fairplay-Gedanken mit Füßen getreten hat. Das ist die Ursache.“
Der Ausgang der Pokal-Halbfinalspiele könnte die Verteilung der internationalen Startplätze für die Saison 2012/13 neu regeln. Stehen am 12. Mai zwei Clubs im Finale, die sich die Champions-League-Teilnahme gesichert haben, darf auch der Bundesliga-Siebte in der Europa League ran. Zweitligist Greuther Fürth würde nach derzeitigem Stand bereits der Einzug ins Endspiel für einen Start in der Europa League reichen. Denn die möglichen Finalgegner Dortmund (1.), Bayern (2.) und Mönchengladbach (4.) verdienen sich bereits mit diesen Platzierungen das internationale Geschäft. Das Halbfinale wird am Samstag (ab 23 Uhr) im „ZDF-Sportstudio“ ausgelost.
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