Der Tag nach dem 3:1-Triumph im Borussia-Park: Dauerregen hält hunderte Fans nicht davon ab, die Fohlen für die atemberaubende Gala gegen Herbstmeister München zu feiern.
Plötzlich springen drei Kanten in Bomberjacken - Borussia-Anhänger aus dem Schwarzwald - aus einem alten Auto raus: „Wo sind die Bayern-Besieger?“ Und zücken stolz „ne volle Budel Sekt.“
Als ihnen Lucien Favre in die Arme rennt, umarmen sie den Super-Coach. Einer ruft überglücklich: „Darf ich vorstellen: Der beste Trainer der Bundesliga!“ Auch Marco Reus (22) und Patrick Herrmann (21) werden gefeiert. „Klasse Jungs, eure Tore waren der Wahnsinn.“ Die Frech-Knipser sprechen bei uns im Interview.
Doppelpack, Bayern besiegt, Zweiter, geht es noch besser?
Patrick Herrmann: Wir haben immer noch Luft nach oben. Das war ein gutes Spiel von uns, wir haben wenig zugelassen, unsere Chancen eiskalt genutzt und das hat den Unterschied ausgemacht.
Woher nehmen Sie die Kälte, zweimal so vor Manuel Neuer einzuschieben?
Was heißt Kälte? Man muss hochkonzentriert sein. Denn der Torwart gibt ja auch alles, damit man die Bälle nicht rein macht.
Wie hat sich der Doppelpack gegen den Nationaltorwart angefühlt?
Man gibt sein Bestes und will Tore machen. Das hat geklappt und fühlt sich gut an.
Eigentlich waren es ja 2 1/2 Tore.
Warum?
Weil Sie vor dem 1:0 Manuel Neuer angreifen und der unter Druck Torschütze Reus auflegt?
Das kann man sehen, wie man will. Für mich waren es 2 Tore, das ist mein Job.
Steilpass von Hanke vorm 2:0, Steilpass von Reus vorm 3:0 - Sie treffen wie einstudiert.
Es waren Super-Pässe von Mike und Marco, die ich nur noch rein machen muss.
Wohin führt das am Saisonende?
Wir versuchen jedes Spiel zu gewinnen, auch nächste Woche in Stuttgart. Wie viele Punkte am Ende rauskommen, wird man sehen.
Ihre größten Stärken?
Das Spiel miteinander und der Kampfgeist, den wir im Moment haben. Wir spielen guten Fussball, stehen gut und sind vorne immer für ein Tor gut.
Macht es den Gegnern Spaß, so gegen Gladbach zu spielen?
Eher weniger, glaube ich. Wir sind Bayern, wie erwartet, zwar auch etwas hinterhergelaufen. Aber wir haben unsere Chancen genutzt. Die Bayern hatten wenig Chancen.
Haben Sie vielleicht auch etwas für Reus und Neustädter gespielt?
Nein, das würde ich nicht sagen. Wir haben für Borussia gespielt. Marco und Mike haben wieder einen Superjob gemacht, und das werden sie auch bis zum Ende der Saison machen.
Glückwunsch zum 3:1! Wie groß ist Ihre Erleichterung?
Marco Reus: Es haben alle nur über Bayern geredet, dass sie einen Hammerstart hinlegen und den andern zeigen wollen, wo der Hammer hängt. Wir wussten, dass wir über Konter kommen müssen. Das haben wir dreimal überragend gemacht.
Sie haben der Liga gezeigt, wo der Hammer hängt.
Wir wollten unbedingt gewinnen und nicht auf Unentschieden spielen. Wir wollten auch mehr nach vorne spielen, aber Bayern hat zu viel Druck gemacht. Ich bin froh, dass wir das 3:1 über die Zeit gebracht haben.
Wie sagen Sie zu Manuel Neuers Vorlage zu ihrem Führungstor?
Ich dachte, Manuel schießt den Ball direkt nach vorne. Patrick Herrmann läuft ihn an, dann nimmt Manuel den Ball an und trifft ihn nicht richtig. Ich musste natürlich sofort schießen. Da gehörte auch ein bisschen Glück dazu, aber mir soll es egal sein.
Treffen Sie im Moment alles?
Nein, das ist harte Arbeit im Training, nicht nur von mir, sondern vom ganzen Team. Deshalb freut es mich umso mehr.
Es war das erste Spiel nach der Bekanntgabe Ihres Wechsel am 1. Juli zum BVB.
Ich war darauf konzentriert und fokussiert wie immer. Alle wissen, dass du den Verein verlässt. Ich konzentriere mich auf die Rückrunde mit Borussia Mönchengladbach.
Sie wurden mit dem Plakat empfangen „Dich lassen wir nur mit dem Double gehen!“ Ihr Traum?
Die Antwort kennst ihr: Lasst uns einfach von Spiel zu Spiel schauen.
Wer Bayern zweimal schlägt, der kann auch Meister werden, oder?
Ich sage es, wie jeder Andere von uns auch, wir schauen von Spiel zu Spiel, haben jetzt drei Auswärtsspiele. Es wird extrem hart, wie unser Trainer immer sagt.
Lucien Favre hat erst die Schießbude dicht gemacht, jetzt werdet Ihr auch offensiv immer besser.
Fußballerisch waren wir nicht so gut. Der Platz war eine Katastrophe. Da konnte man keinen gescheiten Pass spielen. Wir haben das Optimale rausgeholt.
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