„Oh, wie ist das schön. Deutscher Meister wird nur der VfL und Europapokal, Europapokal!“ Die 8000 Borussia-Anhänger verzückt vom Vollgas-Fußball beim 3:0 in Köln. Podolskis Ecke fängt Brouwers ab. Reus spielt mit Arango Doppelpass. Den blitzschnellen Konter über Nordtveit und Herrmann schließt Hanke eiskalt ab.
19 Stunden Tabellenführer. Punktgleich mit Titelverteidiger Dortmund. Einen Zähler vor Rekordmeister München. „Hennes“ Favre: Die Fohlen-Fans träumen nach vier Siegen mit 12:2 Toren von der Schale.
„Ja. Es ist unglaublich“, sagt der Schweizer über die rasante Entwicklung von der Schießbude zur Torfabrik. „Wir sind sehr, sehr kompakt. Wir verteidigen sehr, sehr gut. Wir lassen nicht viele Lücken“, zählt Favre die Stärken auf. „Wir sind im Aufbau gut und bei Ballbesitz besser geworden. Wir machen unsere Fortschritte, können extrem zufrieden sein.“
Sensationelle 2,07 Punkte im Schnitt holen die neuen Fohlen - macht hochgerechnet Champions-League-reife 70 auf 34 Spieltage. 61 reichten zu den beiden letzten Borussia-Meisterschaften 1977 und 1976. „Hennes“ Favre: Die Fans träumen von der Schale.
Nicht nur Bayern-Boss Uli Hoeneß traut den Fohlen den Titel 2012 zu, sondern auch Abwehr-Riese Daniel van Buyten: „Sie stehen nicht umsonst da, haben eine sehr gute Lösung für die Abwehr gefunden und spielen erfolgreichen Fußball. Diese Mannschaft wird bis zum Ende oben bleiben, es gibt nicht nur Dortmund.“
Laut Favre galoppieren die Fohlen auch noch nicht am Limit: „Wir spielen einfach. Wir haben Spaß zusammen. Die Mannschaft ist eine Einheit. Die Spielintelligenz ist bei allen da. Das ist sehr, sehr wichtig für einen Trainer. Du kannst Fehler machen. Aber das Spiel lesen und antizipieren macht immer Spaß.“ Deshalb träumen die Fohlen-Fans von der Schale, „Hennes“ Favre!
Mini-Titan Marc-André ter Stegen – das Eigengewächs ist der neue Wolfgang „Otto“ Kleff (433 Erstliga-Einsätze) im Borussen-Kasten. Der 19-Jährige klefft in der Kiste wie der Kult-Keeper in den glorreichen Fohlenzeiten mit fünf Meister-Titeln: Als lautstarker Rückhalt sorgt er dafür, dass seine Vorderleute unbekümmert munter drauf losstürmen können.
Und was auf seine Bude kommt, fischt „Tigger“ ter Stegen gekonnt weg, hat in dieser Saison bereits 6 Mal zu null gespielt. Meister Kleff schwärmt: „Er spielt das, was mich auch ausgezeichnet hat. Er erkennt Fußball. Er ahnt, was der Stürmer vor hat. Er spielt immer mit – ich erkenne mich ein wenig in ihm wieder. Seine Körpersprache ist grandios – so muss ein Torwart auftreten.“
Klein, schmächtig - aber einmal am Ball, nicht mehr zu stoppen. Rakete Marco Reus zündet wie früher Allan Simonsen. Der Däne hatte zu Karriere-Beginn auch leichte Startschwierigkeiten, zählte dann nach einer wahren Leistungsexplosion aber zum Herzstück einer Fohlen-Elf, die die Meisterschaften 1975, 1976, 1977 und den Uefa-Cup 1975 und 1979 gewinnen konnte.
Als einziger Borusse wurde Simonsen 1977 Europas Fußballer des Jahres. Allan wurde von den Top-Klubs aus ganz Europa umworben und wechselte schließlich zu Barcelona. Macht Reus so weiter, kann er eine ähnliche Karriere starten.
Er schlägt Traum-Pässe aus der Tiefe des Raumes, brandgefährliche Ecken und netzert die Freistöße rein wie Ronaldo. Sein linker Hammer ist eine unberechenbare Waffe. Nicht nur wegen der extravaganten und mitreißenden Spielweise erinnert Venezuelas Kapitän Juan Arango an Günter Netzer, den King vom Bökelberg.
Beide teilen neben eines vom Fußballgott verliehenen Zauber-Fußes auch die große Vorliebe für schnelle Autos. Netzer düste früher mit seinem Ferrari durch die Mönchengladbacher Altstadt, der Hurrikan der Karibik Arango mit Ferrari oder Porsche durch den Borussia-Park.
Rekordtorschütze bei Borussia wie Jupp Heynckes (195 Treffer) wird VfL-Stürmer Mike Hanke nicht mehr – dennoch ist „Hanker“ im Moment genauso wertvoll wie Gladbachs legendäre Torkanone in den 70ern. Seit Wochen sorgt Mike durch seine Spielweise dafür, dass vorne immer was geht. Wo Hanke ist, wird es gefährlich. Dass die Favre-Elf jede Mannschaft besiegen kann, ist auch sein Verdienst. Er reißt viele Lücken, legt super für die Mitspieler auf – und knipst im Derby gegen Köln genauso eiskalt wie früher Heynckes…
Er rennt und rennt und rennt – Roman Neustädter ist das Laufwunder in Borussias Mittelfeld, der 23-Jährige spult noch mehr Kilometer ab wie früher Hacki Wimmer als Geleitschutz für Borussen-King Netzer.
Weil Roman so fleißig ist und viele Bälle zurückerobert, können Reus & Co. in der Offensive auch mal was riskieren. Neustädter: „Wir haben wirklich einen Lauf, weil wir genau das umsetzen, was der Trainer von uns verlangt. Wir haben einen klaren Plan, jeder weiß, was er zu tun hat.“ Das wussten die Meister-Fohlen auch…
Borussias Brasilianer Dante stabilisiert die Hintermannschaft so grandios wie weiland Klaus-Dieter Sieloff. Der stopfte zu Beginn der 70er gemeinsam mit Luggi Müller die Löcher in Gladbachs Abwehr – prompt wurden die Fohlen 1970 erstmals Meister. Sieloff wurde dadurch zum Nationalspieler – ein Traum, den Dante nun auch verwirklichen will.
Kapitän Filip Daems (33) - er grätscht und kämpft so aufopferungsvoll wie Fohlen-Legende Berti Vogts. Der war der Borussia als Spieler immer treu geblieben (419 Einsätze), gab alles für den Klub, als Kapitän ein unvergessenes Vorbild.
Auch Daems ist aus Gladbach nicht mehr wegzudenken, kein Profi ist so lange im Kader wie Filip (seit Januar 2005). Logisch, dass der Belgier wie Vogts die Binde trägt. Vielleicht reckt Daems, der seine beste Saison spielt, den Fans schon bald wie einst Vogts eine Trophäe entgegen.
Raffael: Neapel statt Gladbach
Borussen-Coach Lucien Favre würde seinen ehemaligen Musterschüler Raffael nur zu gerne zu den Fohlen lotsen, aber daraus wird wohl nichts.
Gladbach holt Stürmer Mlapa aus Hoffenheim
Sportdirektor Max Eberl hat den deutschen U21-Nationalspieler Peniel Mlapa (21) von 1899 Hoffenheim verpflichtet. Der Stürmer erhält einen Vierjahresvertrag bis 2016.
Xhaka: „Borussia wichtiger als Olympia“
„Das ist Xhaka? Der ist ja supersüß!“ Als Rekord-Einkauf Granit Xhaka zur offiziellen Vorstellung im Borussia-Park vorfährt, geraten einige weibliche Fohlen-Fans gleich ins Schwärmen.