Empfehlen | Drucken | Kontakt19.05.2011 - 17:39 Uhr

1986 traf es Fortuna Köln: Hoffentlich bleibt Gladbach so ein Relegations-Drama erspart

Mai 1986: Die EXPRESS-Titelseite nach dem Entscheidungsspiel
Mai 1986: Die EXPRESS-Titelseite nach dem Entscheidungsspiel
Mönchengladbach –  

Relegationsspiele sind nichts für schwache Nerven - das wissen wir spätestens seit dem Krimi aus dem Jahr 1986. Bleibt zu hoffen, dass Borussia Mönchengladbach das Drama erspart bleibt, das Fortuna Köln damals erlebte.

Wir blicken zurück - und BVB-Kultstürmer Jürgen Wegmann (Spitzname: „die Kobra“) plaudert über den Relegations-Krimi:

So berichtete der Sport nach dem Fortuna-Drama.
So berichtete der Sport nach dem Fortuna-Drama.

Es war Pfingstmontag, der 19. Mai 1986, als Jürgen Wegmann für Fußball-Geschichte sorgte. Nach einer katastrophalen Saison musste Borussia Dortmund als Tabellen-16. in die Relegation, Gegner war Fortuna Köln.

„Die hatten damals eine richtig gute Mannschaft“, urteilt Wegmann über den heutigen Fünftligisten, der seinerzeit dank der Unterstützung des Mäzens Jean Löring von der Bundesliga träumen durfte.

Nachdem die Domstädter das Hinspiel mit 2:0 gewonnen hatten und beim Rückspiel in Dortmund durch ein Tor von Bernd Grabosch zur Halbzeit mit 1:0 führten, schien der Abstieg des BVB bereits besiegelt.

„Wir kamen überhaupt nicht ins Spiel. Es war tierisch heiß, unser Schicksal hing am seidenen Faden. In der Kabine hätte man eine Stecknadel fallen hören können, so still war es da“, erinnert sich Wegmann. Doch nach dem Seitenwechsel spielten die Schwarz-Gelben wie verwandelt.

Michael Zorc schaffte in der 54. Minute durch einen verwandelten Foulelfmeter den Ausgleich zum 1:1, Marcel Raducanu brachte die Borussia eine knappe Viertelstunde später mit einem seiner seltenen Kopfballtore in Führung. Noch ein Tor musste der Favorit aufholen, dann war zumindest das dritte Entscheidungsspiel erreicht.

„Wir sind ständig angerannt und hatten jede Menge Chancen, doch der Ball wollte nicht ins Tor. Die letzte Spielminute war angebrochen, als Bernd Storck über links durchgeht und die Flanke flach in die Mitte bringt. Kölns Torwart Jacek Jarecki kann das Leder nur nach vorne abklatschen. Ich stehe da, wo ein Torjäger stehen muss, und staube zum 3:1 ab“ - Wegmann hat den Spielfilm auch nach 25 Jahren noch genau vor Augen.

Ein drittes Duell zwischen den beiden Klubs musste die Entscheidung bringen. Elf Tage nach der Nervenschlacht von Dortmund war die Partie auf neutralem Grund in Düsseldorf eine klare Angelegenheit. Dortmund überfuhr die Fortuna mit 8:0, der Widerstand des Underdogs aus Köln brach allerdings erst im zweiten Spielabschnitt.

„Zur Pause stand es erst 1:0 für uns, da sah es wirklich nicht nach einem Kantersieg aus“, berichtet Wegmann. Weil der Klassenerhalt erst nach dreimaligem Nachsitzen geschafft war, fiel die Party der BVB-Profis entsprechend klein aus. „Wir sind abends zusammen rausgegangen, aber nach einer richtigen Feier war uns nicht zumute, denn wir hatten ja nur den schlimmsten Fall abgewendet“, sagt Wegmann.

Für ihn selbst war es immerhin ein versöhnlicher Abschied aus Dortmund. Lange bevor die Borussia in die Relegation musste, hatte er ausgerechnet beim Reviernachbarn Schalke unterschrieben. In Gelsenkirchen blieb Wegmann nicht lange, ein Jahr später folgte er dem Ruf des FC Bayern.

Zum BVB kehrte er zwei Jahre später noch einmal für vier weitere Spielzeiten zurück, doch München ist dem gebürtigen Essener heute irgendwie näher als Dortmund.

Übrigens: Bei der Meisterfeier der Borussen am vergangenen Wochenende hat sich der 203-malige Bundesligaspieler (69 Tore) jedenfalls nicht blicken lassen. Schließlich musste Wegmann am Montag wieder früh raus - als Mitarbeiter eines Sicherheitsdienstes für den Bayern-Fanshop im Centro Oberhausen.

Alle Relegationsspiele im Überblick:


Bundesliga - 2. BundesligaErgebnisse
1982 Leverkusen - Kickers Offenbach 1:0/2:1
1983 Schalke - Bayer Uerdingen 1:3/1:1
1984 Eintracht Frankfurt - MSV Duisburg 5:0/1:1
1985 Arminia Bielefeld - 1. FC Saarbrücken 0:2/1:1
1986 Dortmund - Fortuna Köln 0:2/3:1/8:0
1987 Homburg - St. Pauli 3:1/1:2
1988 Waldhof Mannheim - Darmstadt 98 2:3/2:1/5:4 i.E.
1989 Eintracht Frankfurt - 1. FC Saarbrücken 2:0/1:2
1990 VfL Bochum - 1. FC Saarbrücken 1:0/1:1
1991 St. Pauli - Stuttgarter Kickers 1:1/1:1/1:3
2009 Energie Cottbus - 1. FC Nürnberg 0:3/0:2
2010 1. FC Nürnberg - FC Augsburg 1:0/2:0
Stand: Bundesliga - 2. Bundesliga 8:4
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