Fünf Titel in einer Dekade. Die 70er waren die „goldenen Jahre“ von Borussia Mönchengladbach. Sie begannen mit dem ersten Titel 1970.
Wie brachte damals Trainer Hennes Weisweiler nach zwei dritten Plätzen in Serie die Fohlen endlich auf Trab? Der große Günter Netzer, damals Spielmacher und bis heute die Borussia-Ikone, erklärt es im Interview!
Herr Netzer, welche Erinnerungen haben Sie an dieses erste Meisterjahr?
Seit Beginn der Bundesliga hatten wir den Ruf, die schönstspielende Mannschaft zu sein. Es war großartig anzusehen, wie wir spielten. Nur: wir holten keine Titel. Bis zu dieser Saison.
Was brachte die Wende?
Die Diskussionen mit Hennes Weisweiler. Denn es war klar: Wir mussten unseren Stil ändern. Wir konnten nicht immer weiter neunzig Minuten rauf und runter stürmen. Wir mussten die Abwehr verstärken! „Holen wir doch die Leute, vor denen unsere Stürmer Angst haben“, sagten wir Spieler.
Und der Verein kaufte vor Saisonstart mit dem Stuttgarter Sieloff und Luggi Müller aus Nürnberg dann die Abwehrspieler, die unserer Mannschaft das nötige Gleichgewicht brachten. Das waren die entscheidenden Transfers für den Titel!
Und wie war Ihr Verhältnis zum „Alten“?
Streitpunkt war immer, wenn er sagte: „Ich lasse mir meinen Namen nicht von Ihnen kaputt machen!“ Denn ich wollte einen anderen Rhythmus in unserem Spiel, Weisweiler wiederum wollte nur stürmen.
Aber damit keine Missverständnisse aufkommen: Dass wir den Stil änderten und die beiden Neuen holten, war kein persönlicher Sieg von mir über Weisweiler. Weisweiler hat die größten Verdienste um mich.
Ein Stürmer wie Herbert Laumen, der 19 Tore beim ersten Titelgewinn erzielte, ist heute eher unbekannt. Warum?
Klar ist: Ohne meine Mitspieler hätte ich mein Spiel gar nicht entwickeln können. Gerade Laumen hatte großen Anteil am Titelgewinn.
Sie sagten, bis 1970 hätte die Borussia nur schön gespielt, aber keine Titel gewonnen. Erinnert Sie das ein bisschen an die heutige Nationalmannschaft unter Joachim Löw?
Das ist zu weit gedacht. Bei einem Turnier musst du fünf, sechs Spiele gewinnen. Eine Saison hat aber 34 Spiele. Das kann man nicht vergleichen.
Trainer - eine besondere Gattung Mensch: Wir zeigen weitere Beispiele
Hennes Weisweiler: Trainer-Ikone der Bundesliga. Er sammelte Titel am Fließband, führte Borussia Mönchengladbach und den 1.FC Köln zu triumphalen Meisterschaften.
Doch der streitbare Grantler schied dann 1980 im Unfrieden vom 1. FC Köln. Er hoffte auf eine Vertragsverlängerung, doch als Zweifel an seiner Arbeit aufkamen, nahm er frühzeitig eine Offerte des US-Klubs Cosmos New York an.
Auch dort sollte Weisweiler eine Meisterschaft feiern, und er hinterließ den FC gut aufgestellt: die Youngster Pierre Littbarski und Bernd Schuster hatte er zu Jung-Juwelen geformt. Am Geißbockheim starteten die beiden ihre späteren Weltkarrieren.
Trainer-Ikone stirbt an Herzversagen
Am 5. Juli 1983 unterbricht eine traurige Nachricht das Kölner Sommertheater: Hennes Weisweiler erliegt in Zürich im Alter von 63 Jahren einem Herzversagen.
Der interne Krach tritt in den Hintergrund, Köln trauert um den den größten Trainer seiner Geschichte.
Nach der Vereinsgründung 1948 erarbeitet sich Weisweiler schnell als Spieler und Trainer erste Verdienste - und hält als Namensgeber her, als Zirkusdirektorin Carola Williams dem Verein einen Ziegenbock als Maskottchen schenkt.
Er führt Köln zum Double
1976 kehrt er zum FC zurück, nachdem er in Barcelona im Machtkampf mit Spielerlegende Johan Cruyff gescheitert ist. Er führt Köln zum Pokalsieg 1977 und zum Double 1978.
Der in Lechenich geborene Weisweiler steht für den größten Erfolg der FC-Historie. Wegen seiner ländlichen Herkunft und polternden Art bekommt er schon in seiner ersten FC-Zeit den Spitznamen "Dä Buur".
In Gladbach, wo er mit Borussia Anfang der 70er drei Meister-Titel feiert, fetzt er sich am liebsten mit Günter Netzer. Legendär sein Spruch: "Abseits ist, wenn das blonde Arschloch den Ball wieder zu spät abspielt."
Zur Trauerfeier im Kölner Dom kommen 10.000 Kölner Trauergäste, darunter Weltstars wie Pelé und Beckenbauer.
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