Autogramme schreiben, hier ein Interview, da freundlich lächeln für das Erinnerungsfoto.
Auf den ersten Blick ließ sich Havard Nordtveit am Sonntag bei der großen Saisoneröffnungs-Party im Borussia-Park nichts anmerken. Ein Profi zum Anfassen.
Doch tief in seinem Herzen verspürt der 21-Jährige einen großen Schmerz, die Trauer über den furchtbaren Terror-Doppelanschlag in seiner norwegischen Heimat mit annähernd 100 Toten bewegt Borussias Mittelfeldspieler ungemein.
Schon bei der Nullnummer im Test gegen Sunderland war Havard mit Trauerflor aufgelaufen. „Es fällt mir schwer, mich auf die Dinge hier und Fußball zu konzentrieren. Meine Gedanken, mein Mitgefühl ist bei den Angehörigen. All diese Opfer – und das nur, weil ein Mensch das so wollte“, sagt Nordtveit tief bewegt. Dann verrät er: „Ein guter Freund von mir ist ebenfalls verletzt worden.“ Havards Horror.
Beim Massaker auf der Insel Utøya wurde der gemeinsame Freund von Nordtveit und seiner Lebensgefährtin Anna vom Kugelhagel erwischt. Havard: „Ich habe vor dem Sunderland-Spiel per Handy davon erfahren. Wir standen mit einer Gruppe von Leuten dort in Kontakt. Der Amok-Schütze hat ihn von hinten angeschossen und an der Schulter erwischt. Unser Freund hat sich dann in ein Waldstück gerettet und versteckt. Gegen ein Uhr nachts ist er schwer verletzt gefunden worden.“
Er wurde laut Havard inzwischen operiert und schwebt nicht in Lebensgefahr. „Die schlimmste Verletzung ist nun das, was in seinem Kopf zurückbleibt. Die Erinnerung an all das.“ Wenn es der Trainingsplan bei Borussia zulässt, will Nordtveit diese Woche zu einem Kurzbesuch in seine Heimat fliegen. Zumal ein weiterer Bekannter von ihm immer noch vermisst wird.
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