Empfehlen | Drucken | Kontakt13.01.2012 - 15:23 Uhr

Fohlen-Sportdirektor: Max Eberl: „Ich halte das alles für Hysterie“

Borussias Sportdirektor Max Eberl äußert sich zur Zukunft Gladbachs.
Borussias Sportdirektor Max Eberl äußert sich zur Zukunft Gladbachs.
Foto: Getty
Belek/Mönchengladbach –  

Max Eberl ist seit 2008 Sportdirektor von Borussia Mönchengladbach, aber ein derart anstrengendes Trainingslager wie in Belek hat er nur selten erlebt.

Erst wurde der baldige Weggang von Marco Reus bekannt, dann kamen die Gerüchte über einen völligen Ausverkauf auf. Im Interview nimmt der 38-Jährige dazu Stellung.

Max Eberl im Interview

Drei Spiele, drei Siege: Das ist die Bilanz Ihrer Mannschaft im Trainingslager von Belek. Ist das auch ein Zeichen dafür, dass sie den Wirbel um Marco Reus und Roman Neustädter gut verkraftet hat?

Max Eberl: „Die Mannschaft hat auf jeden Fall gezeigt, dass sie will, dass sie charakterstark ist und dass sie ihren Lauf aus der Hinrunde fortsetzen möchte. Das ist das Wesentliche. Was darum herum passiert, können wir nicht beeinflussen. Bei uns wird seit der Entscheidung von Marco aber eine negative Stimmung von außen hereingetragen, die ich überhaupt nicht nachvollziehen kann. Wir sind immer noch in einer Situation, um die uns viele Vereine beneiden: Wir sind Tabellenvierter, stehen im Pokal-Viertelfinale, haben eine junge Mannschaft und alle wichtigen Spieler langfristig an uns gebunden.“

Trotzdem ist in den vergangenen Tagen der Eindruck entstanden, dass die Gladbacher Aufbauarbeit der vergangenen Monate im Sommer kaputtgehen könnte. Müssen Sie ernsthaft befürchten, dass auch Ihr Trainer Lucien Favre den Verein am Ende der Saison verlassen wird?

Eberl: „Wir haben Lucien Favre im Februar 2011 einen Vertrag über zweieinhalb Jahre gegeben. Damals hat es noch geheißen: Wie könnt ihr das mitten im Abstiegskampf tun? Aber Lucien ist genau unter der Maßgabe zu uns gekommen, etwas Langfristiges aufzubauen. Er hat in seinem Interview in der Schweiz ja nicht umsonst kritisiert, dass in der Bundesliga bei vielen Clubs die Kontinuität in der Trainerfrage fehlt. Er will langfristig etwas aufbauen - das wollen wir auch.“

Wie sieht es mit Spielern wie Arango und Dante aus? Haben die Abgänge von Neustädter und Reus vielleicht eine Sogwirkung auf sie?

Eberl: „Ich halte das alles für Hysterie. Die Situation erinnert mich an 2009. Damals haben uns Marko Marin und Alexander Baumjohann verlassen und auch damals hieß es: „Davon wird sich der Verein nicht erholen.“ Wir haben dann von dem Geld unter anderem Juan Arango, Roman Neustädter und Marco Reus geholt und als Verein den nächsten Schritt gemacht. Genau das wollen wir auch jetzt tun.“

Wie sieht dieser nächste Schritt aus? Haben Sie jeweils schon einen Nachfolger für Reus und Neustädter im Blick?

Eberl: „Wir werden in dieser Situation nicht unser Geld nehmen und alles auf einen einzigen Spieler setzen. Wir wollen das Geld lieber nutzen, um die Spieler dazuzuholen, die wir brauchen, um uns dauerhaft und nachhaltig weiterzuentwickeln. Wir haben noch nie so um einen Spieler gekämpft wie um Marco Reus. Aber der Verein Borussia Mönchengladbach hat auch noch nie so viel Geld für einen Spieler eingenommen wie für ihn. Damit können wir jetzt vielleicht auch an Spieler herangehen, die für uns bislang nicht zu bezahlen waren.“

Sie selbst haben bei solchen Entscheidungen fast immer eine gute Hand gehabt. Sie waren es, der Lucien Favre und Marco Reus nach Gladbach geholt hat, und trotzdem dreht sich in der Öffentlichkeit alles um die beiden. Fühlen Sie Ihren Anteil am Erfolg ausreichend gewürdigt?

Eberl: „Ich bin keiner, der sich da herausstellt. Ich habe schon früher auf dem Platz im Team gespielt und stehe jetzt auch neben dem Platz für Teamarbeit. Wenn die Mannschaft so spielt, wie sie jetzt spielt, dann ist das für mich die größte Auszeichnung. Dann zeigt das nämlich, dass man viele Entscheidungen richtig gefällt hat. Und dann komme ich hier auch nicht zu kurz.“

Trotzdem wurden gerade Sie im vergangenen Jahr besonders angegangen, als es sportlich nicht lief. Erst von einer Vereinslegende wie Berti Vogts, dann von einer Oppositionsgruppe um Stefan Effenberg. Verspüren Sie denen gegenüber so etwas wie eine Genugtuung? Und hatten Sie danach jemals wieder Kontakt zu einem der beiden?

Eberl: „Genugtuung wäre das falsche Wort. Ich sehe unsere Entwicklung eher als Bestätigung. Sie müssen eines wissen: Der Verein Borussia Mönchengladbach ist im vergangenen Jahr unheimlich eng zusammengewachsen und gestärkt aus dem Abstiegskampf hervorgegangen. Alle sind stolz auf unseren Weg. Und was Ihre zweite Frage angeht: Ich habe zu keinem der beiden Kontakt - weder damals noch jetzt.“

Was ist für die Borussia noch möglich in dieser Saison?

Eberl: „Wir wollen weiterhin nur von Spiel zu Spiel denken. Das ist zwar eine abgedroschene Floskel, aber sie ist für uns besonders wichtig. Wir haben in der vergangenen Saison von den letzten sechs regulären Spielen vier gewonnen. Das hätten wir nie geschafft, wenn wir sie als Paket betrachtet und gesagt hätten: Wir brauchen daraus 15 Punkte. So gesehen hilft uns eine Erfahrung aus dem Abstiegskampf jetzt vielleicht auch in der oberen Tabellenhälfte weiter.“

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