Wild schwenkte NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft ihren Borussia-Schal, Torschütze Mike Hanke und Trainer-Fuchs Lucien Favre ballten die Siegerfaust, der Borussia-Park war nach dem Schlusspfiff völlig aus dem Häuschen.
Unglaublich, aber wahr: Nach nur zehn Punkten in der Hinrunde haben es die Fohlen am letzten Spieltag nach der irren Aufholjagd nun wieder selbst in der Hand, den Klassenerhalt zu packen – Borussias Kraft-Protzen Mike und Marco sei Dank.
Als Lucien Favre sich am Sonntag auf den Weg in die Kabine machte, brandete tosender Applaus auf. Die VfL-Fans lieben ihn, weil er aus den Schießbuden-Fohlen wieder Sieger-Typen gemacht hat.
Bleibt Gladbach drin, bauen sie ihm ein Denkmal. 19 Punkte in 11 Spielen, nur 8 Gegentore, dreimal in Folge zu null gewonnen. Dazu den historischen Heimfluch vertrieben und den Borussia-Park in eine uneinnehmbare Festung verwandelt.
Mit Fohlen-Flüsterer Favre fluppt es bei Borussia jetzt so richtig. Typisch, dass der Schweizer Fußball-Professor seine Spieler jedoch gleich wieder auf den Boden holte: „Es gibt gar keinen Grund, euphorisch zu sein. Wir kennen die Situation. Wir müssen in Hamburg drei Punkte erreichen. Es wird sehr schwer. Wir haben diese Woche sehr viel zu tun im Training.“
„Wir müssen die drei Punkte in Hamburg machen, dann kann uns egal sein, wie Frankfurt spielt. Vielleicht schaffen wir sogar noch das Wunder und ziehen an Wolfsburg vorbei“, erklärt Rakete Marco Reus Gladbachs Rettungsfahrplan.
Borussias Lebensversicherung schlug auch gegen Freiburg beim 2:0 eiskalt zu. „Es gehört Glück in solchen Szenen dazu, ich habe den Torhüter ausgeguckt und dann eingeschoben“, sagt Reus zu seinem Super-Sprint-Tor nach Traumpass Hanke. Der lädierte Knöchel war kein Problem.
„Während des Spiels habe ich nichts gemerkt, der Tape-Verband hat gehalten“, so Reus. Vom Rausch im Borussia-Park war der 21-Jährige völlig begeistert: „ Das ist einfach unbeschreiblich. Irre, was im Stadion passiert ist. Die Fans waren fantastisch. Wir sind verdammt froh, dass wir das Spiel gewonnen haben.“
In Hamburg heißt es allerdings aufpassen für Marco: Kassiert er dort nämlich die Gelbe Karte, wäre er für das erste Relegationsspiel gesperrt – wie auch Mo Idrissou.
Mike Hanke hatte es am Sonntag nach dem Auslaufen eilig. Der 27-Jährige wollte so schnell wie möglich mit Frau Jenny und seinen Kindern zum Muttertag seine Mama Gabriele in Hamm besuchen.
Der hatte er nach dem 2:0-Jubelsturm gegen Freiburg seine erste Bude für Borussia gewidmet. Gladbach rutscht dank Hanke auf Relegationsplatz 16 und hat das Wunder Klassenerhalt jetzt selbst in der Hand. Mit einem Dreier am letzten Spieltag beim HSV ist die Relegation gegen den Zweitliga-Dritten sicher.
Patzen die punktgleichen „Wölfe“ (35) in Hoffenheim, ist sogar noch die Last-Minute-Rettung drin! Der ganze Borussia-Park lag Führungstorschütze Mike zu Füßen.
Vor dem Fernseher in Hamm flossen bei Mutter Hanke die Tränen. „Sie hatte Pipi in den Augen“, verrät Mike. „Ich wusste, dass irgendwann mein Tor kommt. Ich stecke schon das vierte Mal im Abstiegskampf, bin noch nie runtergegangen.“ Klappt es auch diesmal, will der Retter seine Qualitäten als „Feierbiest“ zeigen: „Dann werden wir es so richtig krachenlassen.“
Raffael: Neapel statt Gladbach
Borussen-Coach Lucien Favre würde seinen ehemaligen Musterschüler Raffael nur zu gerne zu den Fohlen lotsen, aber daraus wird wohl nichts.
Gladbach holt Stürmer Mlapa aus Hoffenheim
Sportdirektor Max Eberl hat den deutschen U21-Nationalspieler Peniel Mlapa (21) von 1899 Hoffenheim verpflichtet. Der Stürmer erhält einen Vierjahresvertrag bis 2016.
Xhaka: „Borussia wichtiger als Olympia“
„Das ist Xhaka? Der ist ja supersüß!“ Als Rekord-Einkauf Granit Xhaka zur offiziellen Vorstellung im Borussia-Park vorfährt, geraten einige weibliche Fohlen-Fans gleich ins Schwärmen.