Es ist kalt draußen. Minus 10 Grad. Auf dem Platz hat er in Thermo-Unterhose trainiert, Mütze und Handschuhe natürlich inklusive.
Sein Gesichtsausdruck bei diesen Temperaturen sieht aus wie nach einem Biss in eine Zitrone.
Doch drinnen blüht Dante Bonfim Costa Santos wieder auf. Kurzes T-Shirt, ein Kaffee und das strahlende Lächeln eines Brasilianers ist wieder da. Beim EXPRESS-Termin öffnet der 27-jährige Borussia-Brasilianer seine Samba-Seele.
Wie sind Sie eigentlich aufgewachsen?
Dante: In einer großen Familie mit zwei Brüdern und einer Schwester. Unser Vater hat uns leider früh verlassen, das war hart. Wir hatten nie viel Geld, aber wir helfen uns gegenseitig in unserer Kultur. Meine Mama hat alles für uns gegeben.
Ab wann kam der Fußball in Ihr Leben?
Ich habe immer gespielt, war jeden Tag am Strand, als ich neun Jahre alt war. Mit 15 bin ich dann erstmals in einen Verein gegangen. Bei uns träumt jedes Kind davon ein großer Fußballer zu werden.
Wurde Ihr großes Talent gleich erkannt?
Nein, ich war nicht übermäßig talentiert, aber ich habe immer hart gearbeitet. Vielleicht ist es auch die Arbeit, die mich zum Profi gemacht hat.
Wie oft kehren Sie heim?
Ich muss alle sechs Monate dahin, länger halte ich es nicht aus.
Sind Sie ein Star an Ihrem Strand?
Meine Freunde von früher verfolgen die Karriere schon so gut es geht. Sie freuen sich sehr und sind stolz, dass es einer von ihnen gepackt hat.
Kannten Sie als Kind Handschuhe und Mützen?
Dante lacht: Nein. Das gibt es da nicht. Erst mit 16 habe ich so was kennengelernt. Da haben wir im Süden von Brasilien gespielt, und da ist es im Winter auch mal kalt. Aber in Salvador ist es auch im Winter über 20 Grad warm. Hier habe ich mich mittlerweile an das Wetter gewöhnt. Es macht mir nichts mehr aus.
Wie kommen Sie mit der Mentalität hier klar?
Alles okay. Deutsche Frauen können auch gut tanzen und die Menschen sind freundlich. Aber bei uns ist alles ein bisschen lockerer. Wir leben Musik, wir tanzen immer. Bei jeder kleinsten Gelegenheit gibt es direkt eine große Feier.
Was halten Sie vom Karneval?
Oh ja, ich mag das. Es reden zwar alle immer vom Karneval in Rio, aber in meiner Stadt ist es viel besser. In Rio feiern sie zwei Tage, in Salvador da Bahia sieben Tage. Jeden Tag von zwölf Uhr bis vier in der Nacht.
Wie verkleiden Sie sich?
Oje, schwieriges Thema. Meine Kumpels lieben es, sich als Frauen zu verkleiden. Ich mag das aber nicht. Ich gehe bunt kostümiert.
Das Rheinland ist auch eine Karnevalshochburg.
Ich weiß, ich finde das gut. Hier wird toll gefeiert. Aber in Brasilien ist es doch schöner, da spielt sich fast alles draußen ab. Das ist hier wegen der Temperaturen schwer, aber trotzdem wird gut gefeiert.
Mögen Sie auch deutsche Küche?
Klar, ich habe alles probiert. Kartoffeln und Rotkohl liebe ich.
Sie kochen also auch selber?
Nein, nein! Das kann ich gar nicht. Ich mache hier bei Borussia meine Arbeit und meine Frau Jocelina muss daheim ja auch noch was machen. Also sie kocht für mich und die Kinder Sophia und Diogo. Sie macht das sehr gut.
Sie können in dieser Saison zwei Titel holen. Welcher wird es?
Der DFB-Pokal ist das realistischeres Ziel - da fehlen nur drei Siege. Die Schale wird schon schwieriger, aber wer hätte vor der Saison gedacht, dass wir da stehen, wo wir jetzt stehen?
Sind Sie gläubig?
Ja, mein zweiter Vorname Bonfim ist der Name einer Kirche in meiner Heimatstadt. Ich bete regelmäßig auch vor den Spielen – alle sollen gesund bleiben.
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