Ausgepumpt und verschwitzt kam Igor de Camargo vom Trainingsplatz.
Borussias Tor-Joker übte am Tag nach seinem achten Saisontreffer in der letzten Sekunde gegen Bochum intensiv mit den Fohlen-Reservisten.
Danach gab der belgische Nationalstürmer (28) uns ein ausführliches Exklusiv-Interview.
Haben Sie schon mal solch ein verrücktes Tor gemacht?
Nein, das war das erste Mal. Solange der Ball drin ist, ist alles gut.
Es sah so aus, als hätten Sie den Ball halb mit der Hacke und dem Fußaußenrand getroffen?
Ja, das stimmt. Genau so!
Wie haben Sie den entscheidenden Moment wahrgenommen?
Es war ein großer Kampf, wir wollten unbedingt das Tor machen. Wir haben Druck bis zur letzten Minute gemacht. Das war ein komisches Tor, aber der Ball ist irgendwie reingegangen – nur das ist wichtig.
Es folgte ein unglaublicher Jubel-Orkan, Sie sind fast erdrückt worden…
Jeder hat gefühlt, dass wir zusammen stehen bis zur letzten Minute. Einfach super, wir haben alle füreinander gekämpft, das war ein tolles Gefühl.
Der wichtigste Treffer ihrer Karriere?
Alle Tore sind wichtig. Natürlich hilft das dem Verein, um in der Klasse zu bleiben. Es ist aber erst die erste Hälfte der Relegation vorbei! Wir müssen die zweite Hälfte in Bochum noch spielen und vielleicht sogar noch in die Verlängerung gehen.
Schon mal in ihrer Karriere als Joker so spektakulär zugeschlagen?
Ich kann mich nicht daran erinnern. Für uns ist es aber noch nicht vorbei. Wir liegen vorerst in Führung.
War das vorab abgesprochen, dass Sie noch mal reinkommen?
Das hängt von der Situation ab, der Trainer entscheidet das. Wenn wir 3:0 geführt hätten, hätte ich kein Problem damit gehabt, draußen zu bleiben.
Sie haben nach dem Schlusspfiff gen Himmel gezeigt?
Es war der Dank an Gott, dass ich nach meiner Verletzung dabei sein konnte. Das hat mir viel bedeutet. Der Glaube kann vielen Menschen helfen. Ich tanke so immer Kraft. Ich bin dankbar, wenn ich gesund bin und spielen kann.
Haben Sie auch gebetet?
Ja, natürlich. Ich bete jeden Tag. Wer mich kennt, weiß, dass ich mich immer bekreuzige, wenn ich auf den Platz komme. Ich bedanke mich jeden Tag.
Ihre Frau hat vor dem Fernseher mitgefiebert und -gezittert?
Ja, sie hat zu Hause geschaut und auf unser Kind aufgepasst. Sie hat sich wahnsinnig gefreut und gejubelt. Auch in Brasilien hat meine Familie zugeschaut, das Spiel wurde dort live übertragen. Ich habe nach dem Spiel viele Anrufe und SMS bekommen.
Die haben also auch gehörig gefeiert?
Ja, ja (lacht).
Haben Sie überhaupt schlafen können?
Weniger, aber es ging schon.
Ihre Frau hat ihnen geholfen, die schweren Wochen mit ihren Verletzungen zu überstehen?
Oh, ja. Sie hat mir sehr geholfen, ist immer für mich da, kümmert sich um unser Kind. Das ist ungemein wichtig, das hilft mir sehr. Ich liebe sie.
Drückt Sie Ihnen am Mittwoch beim Rückspiel im Stadion die Daumen?
Nein, das wird noch schwieriger mit Kind. Ich denke, sie schaut sich das wieder im TV an.
Sie klagten nach dem 1:0 über Probleme mit dem Sprunggelenk?
Ich habe es mir ein wenig verdreht, merke das noch ein wenig. Aber es ist nichts Schlimmes.
Stehen Sie beim Rückspiel am Mittwoch in der Startelf?
Das müssen Sie den Trainer fragen.
Trauen Sie sich das von der Kraft her schon zu, es kann ja auch in die Verlängerung gehen?
Ja, das kann sein. Ich werde alles dafür tun, um fit zu sein.
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