Maria Eva Duarte de Perón nahm die Herzen der Argentinier im Sturm. Als Evita wurde die Frau des Präsidenten Juan Perón bejubelt. Doch mit nur 33 Jahren starb sie – an Gebärmutterhalskrebs. Das war 1952. Das Schicksal der Politikergattin, das im Musical „Evita“ Millionen zum Schluchzen brachte, berührt noch heute. Doch inzwischen sind die Aussichten junger Frauen weitaus besser, diesem Krebs zu entrinnen. Denn eine Impfung eröffnet ganz neue Möglichkeiten der Vorsorge. Und auch für Frauen, die bereits erkrankt sind, haben sich die Heilungschancen dank Früherkennung und hoch, wirksamer Therapiemethoden entscheidend verbessert.
In Zusammenarbeit mit Professor Rolf Kreienberg von der Universitätsfrauenklinik Ulm, Präsident der Deutschen Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (DGGG), sagen wir Ihnen, was Sie über diesen Krebs der weiblichen Fortpflanzungsorgane wissen müssen, welche Frühwarnzeichen es gibt und was der Arzt für Sie tun kann. Die Entstehung von Gebärmutterhalskrebs, der Frauen meist zwischen dem 35. und 55. Lebensjahr trifft, steht in engem Zusammenhang mit Humanen Papillomviren (HPV). Prof. Kreienberg: „In über 90 Prozent geht der Krebserkrankung eine Infektion mit diesen Viren voraus. Sie werden überwiegend durch sexuellen Kontakt übertragen.“ Etwa 50 bis 80 Prozent aller Frauen infizieren sich mindestens einmal im Laufe ihres Lebens mit HPV. „Das geschieht am häufigsten im Teenageralter nach den ersten sexuellen Kontakten“, so Prof. Kreienberg. Doch nur wenige Infizierte entwickeln Zellveränderungen oder Gebärmutterhalskrebs. Denn das Immunsystem setzt die Viren in den meisten Fällen schachmatt. Hat sich die Frau jedoch mit den Hochrisikotypen des HPV-Virus, z. B.HPV 16 und 18, angesteckt und wird das Immunsystem nicht mit diesen Eindringlingen fertig, bleiben sie dauerhaft in der Schleimhaut des Gebärmutterhalses. Dort verändern sie nach und nach das Erbgut der Zellen. Daraus können Krebsvorstufen entstehen.
In einem Prozent der Fälle entwickeln sich diese Vorstufen im Lauf der Jahre zu Gebärmutterhalskrebs. Achtung: „Bei Raucherinnen ist das Immunsystem oft gestört. Bei ihnen kann es häufiger als bei Nichtraucherinnen zu Zellveränderungen am Gebärmutterhals und zu Gebärmutterhalskrebs kommen“, warnt Prof. Kreienberg. Neuerdings gibt es eine Impfung gegen die HPV-Infektion. Und damit eine Möglichkeit, Gebärmutterhalskrebs zu vermeiden. Die Infektion selbst bleibt meist völlig unbemerkt. Auch ein Tumor verursacht im Anfangsstadium zunächst einmal keine Beschwerden. Treten später Symptome auf, dann solche, wie sie auch für andere Erkrankungen typisch sind. Dazu zählen zum Beispiel: – Zwischenblutungen oder Blutungen nach den Wechseljahren – gelblich-bräunlicher Ausfluss – Schmierblutungen nach dem Sex – Kreuz- und Beckenschmerden zen, – Schmerzen beim Wasserlassen und beim Stuhlgang, – Anschwellen eines Beines. Nimmt die Frau regelmäßig die Vorsorgeuntersuchungen beim Frauenarzt wahr (ab 20. Lebensjahr zahlen die Krankenkassen jährlich eine Untersuchung), kann der Arzt Zellveränderungen schon im Frühstadium auf die Spur kommen. Dazu setzt er den PAP-Test ein (wurde nach seinem Erfinder, dem griechischen Arzt Papanicolaou benannt).
HP-Viren nachweisen
Er ist nach wie vor der einzige Krebs-Test, der Sicherheit gibt. Dazu wird mit einem Wattestäbchen oder einem Bürstchen ein Abstrich vom Gebärmutterhals genommen und im Labor untersucht. Der Abstrich zeigt veränderte Zellen. Bei dieser Gelegenheit kann der Gynäkologe außerdem den Muttermund begutachten. Dazu benutzt er ein Kolposkop, eine Kombination aus Mikroskop und Lampe. Die Untersuchung heißt deshalb Kolposkopie. Auch die Ursache der Zellveränderungen, die HP-Viren, kann man mit einer Abstrichuntersuchung nachweisen. Diese wird aber nicht von den Kassen bezahlt. Die Untersuchung sagt Ihnen, ob und welche Viren sich bei Ihnen im Bereich des Gebärmutterhalses eingenistet haben. Sie ist kein Ersatz für den PAP-Test, denn sie zeigt keine Zellveränderungen. Prof. Kreienbergs Einschätzung: „Diese Untersuchung macht insbesondere bei jungen Frauen, die ja fast alle vorübergehend eine Infektion mit HP-Viren durchmachen, keinen Sinn.“
Gibt der PAP-Test Anhaltspunkte, dass etwas nicht in Ordnung ist, untersucht der Arzt zunächst eingehend den Gebärmutterhals und Muttermund (Kolposkopie). Bei Auffälligkeiten nimmt er eine Gewebeprobe, die anschließend im Labor analysiert wird. Die gute Nachricht: Zellveränderungen im Frühstadium bilden sich in 60 bis 70 Prozent der Fälle von allein zurück. Sind die Zellveränderungen schon fortgeschritten, raten Ärzte zu einer Operation. Dabei wird der betroffene Teilbereich des Gebärmutterhalses mit einem speziellen Messer, mit dem Laser oder einer Elektroschlinge herausgenommen. Die Patientin bekommt eine örtliche Betäubung oder Vollnarkose. Gelingt es, das veränderte Gewebe vollständig zu entfernen, ist damit die Behandlung abgeschlossen. Keine nachfolgende Bestrahlung, keine Chemotherapie sind notwendig notwendig. Prof. Kreienberg: „Diese wenig belastende Therapie ist natürlich nur möglich, wenn die Frau regelmäßig zur Vorsorge geht.
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