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Darmbeschwerden: Das Rätsel Reizdarm


Wenn’s im Bauch rumort, kann das ganz unterschiedliche Ursachen haben. Fast jeder vierte Bundesbürger leidet unter mehr oder weniger starken Darmbeschwerden. Was auf Reizdarm hinweist und welche Untersuchungen sinnvoll sind.

„Ich hab’ Bauch“, so würde Horst Schlämmer alias Hape Kerkeling seine Verdauungsbeschwerden beklagen. Was aber meint er? Völlegefühl, Schmerzen im Unterbauch, Blähungen, Verstopfung oder Durchfall? Das sind mehr oder weniger starke Beschwerden, unter denen laut Statistik bis zu 25 Prozent der Menschen in Industrienationen leiden. Ärzte sprechen vom Reizdarmsyndromoder nur vom Reizdarm, abgekürzt RDS.

Uns allen zwickt mal der Bauch – besonders nach dem Genuss von Sauerkraut oder Bohnen. Das ist völlig normal. Reizdarmpatienten leiden aber besonders stark unter diesen Beschwerden. Meist gehen sie erst zum Arzt, wenn das Leiden zu groß wird. Der findet häufig keine organische Ursache, also nichts „Richtiges“. „Genau das ist das Problem“, sagt Dr. Volker Schmiedel, Chefarzt der Inneren Abteilung der Habichtswald-Klinik Kassel. „Beim Reizdarm handelt es sich um eine sogenannte funktionelle Störung des Darms. Die Ursache ist bis heute unklar.“ Einige Zusammenhänge sind allerdings aufgedeckt, z. B. Störungen des vegetativen Nervensystems sowie hormonelle Störungen oder funktionelle Herzbeschwerden. Die Suche nach den Gründen ist mühsam. Deshalb sollte ein Reizdarm nach dem Ausschlussprinzip ermittelt werden. Das heißt, man müsste alle anderen infrage kommenden Krankheiten ausschließen. Der Experte hat jedoch einige Tipps, wie Betroffene ihre Krankheit trotzdem erkennen können. Natürlich sind Schmerzen, häufiger Stuhldrang und Blähungen die auffälligsten Anzeichen eines Reizdarmsyndroms. Genauso können diese Symptome aber auch bei einer Schwäche der Bauchspeicheldrüse, einer Milchzuckerunverträglichkeit oder einer Nahrungsmittelallergie auftreten. Trotzdem kann man es so einordnen: Bei einer Bauchspeicheldrüsenschwäche kommt es fast immer nach fettem Essen zu Durchfall. Ebenso bei einer Milchzuckerunverträglichkeit nach dem Genuss von Milch.

Symptome für Reizdarm

Typisch, aber wie gesagt kein eindeutiges Indiz für den Reizdarm, sind folgende Beschwerden:

- Schmerzen im Bauch. Meistens treten sie in der linken Seite des Bauchraumes auf. Betroffene berichten über abwechselnde, dumpfe Schmerzen oder Krämpfe, die meist nach dem Stuhlgang verschwinden.

- Durchfall. Beim Reizdarm-Syndrom sind die Nerven und Muskeln im Dickdarm überempfindlich und können sich deshalb plötzlich zusammenziehen. Solche Krämpfe sorgen dafür, dass der Darminhalt zu schnell weitertransportiert wird. Das Wasser aus dem Nahrungsbrei wird nicht genügend herausgefiltert – es kommt zu Durchfall.

- Verstopfung Wenn sich umgekehrt die Darmmuskulatur nicht genügend zusammenzieht, wird der Darminhalt nicht mehr weiterbefördert. In diesem Fall wird zu viel Wasser entzogen und es entsteht eine Verstopfung.

- Aufgeblähter Bauch. Gase im Bauch sind häufig für schmerzhaften Druck oder auch Krämpfe verantwortlich, Betroffene fühlen sich oft „wie ein Ballon“.

- Beschwerden bei Stress Ausgangslage: Beim Reizdarmist das vegetativeNervensystem gestört und Patienten reagieren sensibler auf Stress und Konflikte. Das vegetative Nervensystem steuert unbewusst Funktionen wie Schwitzen, die Frequenz des Herzschlages und auch die Tätigkeit von Darm und Blase. Jeder, der schon mal Angst verspürt hat, weiß, dass der Körper darauf mit verstärktem Harndrang oder Durchfall reagieren kann.


- Keine Nacht-Beschwerden. Der Reizdarm lässt die Betroffenen nachts meist in Ruhe. Im Gegensatz zu Patienten mit Fettverdauungsstörung: Sie werden durch fettes Essen am Abend oft bestraft. Die Gasproduktion lässt sie kaum schlafen. Auch andere funktionelle Störungen können auf einen betroffenen Darm hinweisen. Häufig treten gleichzeitig mit einem Reizdarmauf: Schlafstörungen, Erschöpfungsgefühle, Kopfschmerzen Rückenschmerzen, Angststörungen, Depressionen, Blasenschwäche, Reizmagen, Menstruationsbeschwerden, Herzbeschwerden.

- Wichtig: Untersuchung nach Verdauungsrückständen. Dr. Schmiedel meint: „Für mich gehört eine umfassende Stuhl- und Blutdiagnostik zu den wichtigsten Methoden, dem Übeltäter auf die Spur zu kommen. Bei der Stuhluntersuchung sollte nicht nur nach verstecktem Blut, Bakterien wie Salmonellen oder Parasiten gefahndet werden, sondern vor allem nach Verdauungsrückständen. Daran lässt sich gut erkennen, ob Fette, Fettsäuren oder Stärke nicht vollständig verdaut werden und dann in den Dickdarm gelangen, wo sie starke Blähungen verursachen. Lassen sich keine Verdauungsrückstände nachweisen, ist eine verminderte Aufnahme von Nährstoffen so gut wie ausgeschlossen. Die Diagnose Reizdarm wird wahrscheinlicher.“

- Wichtig: Untersuchung nach Fetten. Die Suche nicht nur nach Fetten, sondern auch nach Fettsäuren liefert wichtige Hinweise für eine Diagnose. Sind nur die Fette im Stuhl erhöht, die Fettsäuren aber nicht, dann muss die Ursache der Störung im oberen Teil des Dünndarms liegen. Ursache ist dann fast immer eine Störung der Galle oder der Bauchspeicheldrüse.

- Wichtig: Die richtige Blutuntersuchung. „Die Fahndung im Blut nach Anzeichen wie Entzündungswerten, Leber- und Nierenwerten, Fetten und Cholesterin macht bei Bauchbeschwerden wenig Sinn“, so Dr. Schmiedel. Der Experte empfiehlt folgende Blutuntersuchungen:
- Verdacht auf Nahrungsmittelallergie. Vor allem, wenn nach dem Verzehr von bestimmten Lebensmitteln immer wieder Durchfälle oder Blähungen auftreten.

- Verdacht auf Histamin-Unverträglichkeit. Bei einer Histamin-Unverträglichkeit kann ein bestimmtes EnzymdenAbbau des Stoffs nicht bewältigen – der Körper reagiert mit Hautausschlägen, Kreislaufschwäche, aber auch mit Magen-Darm-Problemen. Was besonders viel Histamin hat: reifer Käse, Fischkonserven, Rotwein, Sekt, geräuchertes Fleisch, Zitronen, Erdbeeren, Ananas, Bananen, Soja, Hülsenfrüchte, Schokolade, Nüsse, Tomaten, Spinat.

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