Was geht in Frauen vor, denen wegen einer Krebserkrankung die Gebärmutter entfernt wurde? Welche Probleme haben sie, und woher können sie Hilfe erwarten? Rat gibt Professor Dr. Martina Rauchfuß, Fachärztin für Frauenheilkunde, Psychosomatische Medizin und Psychotherapie.
Die Diagnose Krebs an der Gebärmutter trifft viele Frauen hart. Weshalb ist dieses Organ so wichtig für die weibliche Identität?
Prof. Rauchfuß: Da muss man zwischen zwei Krebserkrankungen unterscheiden. Während der Gebärmutterkörperkrebs überwiegend ältere Frauen trifft, erkranken Frauen an Gebärmutterhalskrebs eher zwischen 30 und 50 Jahren, also in einem Alter, in dem sie noch schwanger werden können. Die Gebärmutter steht für weibliche Potenz, für die Fähigkeit, Kinder zu bekommen. Wird das Organ verletzt oder entfernt, ist das gerade für jüngere Frauen eine Kränkung ihrer Weiblichkeit. funktioniert. Tritt die Blutung nicht mehr auf, bedeutet das für die Betroffenen, dass ihr Lebensrhythmus aus dem Takt gerät.
Worin können sich die psychischen Folgen einer Gebärmutterentfernung äußern?
In einer Erschütterung des Selbstwertgefühls und einer Verunsicherung in der Art, wie Frauen ihrem Partner gegenübertreten. Oft trauen sie sich nicht mehr, ihre Sexualität zu leben, weil sie sich verstümmelt fühlen. Durch das Wissen, dass zumindest ein Teil der Gebärmutterhalskrebserkrankungen mit einer HPV-Infektion zusammenhängt, entsteht in vielen Frauen unbewusst die Angst, den Partner anzustecken und ihm zu schaden. Außerdem spielt die Befürchtung eine Rolle, dass der Geschlechtsverkehr wehtun könnte.
Wie kann der Partner der Frau helfen?
Er sollte sie vor und nach der OP begleiten, auch mal mit zum Frauenarzt kommen. Mein Appell: Männer, geht auf eure Frauen zu, nehmt sie in den Arm und zeigt ihnen, dass ihr sie lieb habt, indem ihr sie streichelt, überall am Körper. Zärtlichkeit ist auch ohne Geschlechtsverkehr möglich. Schritt für Schritt kann man sich so wieder aneinander herantasten.
Gibt es auch außerhalb der Partnerschaft psychologische Hilfe für die erkrankte Frau?
Der Frauenarzt ist auf jeden Fall ein guter Ansprechpartner. Viele jüngere Fachärzte haben inzwischen Kenntnisse in der psychosomatischen Medizin, seit 2004 ist sie sogar verpflichtender Teil der Facharztausbildung.
Was tun, wenn diese Betreuung nicht ausreicht?
Dann hat die Frau die Möglichkeit, zum Psychotherapeuten zu gehen. Der stellt einen Antrag auf Kostenübernahme der Behandlung bei der Krankenkasse. Nach meiner Erfahrung wird dieser Antrag in jedem Fall genehmigt, weil ja inzwischen bekannt ist, dass Krebserkrankungen häufig Angststörungen und Depressionen zur Folge haben. Auch Selbsthilfegruppen und Patientenseminare können helfen, die doppelte Belastung – Besorgnis, dass der Krebs weiter wächst, und gleichzeitig Verlust der Gebärmutter – zu bewältigen.
Wie bewerten Sie die psychologische Versorgungssituation von Frauen mit Krebs?
Bei Brustkrebs ist die psychologische Betreuung der Patientinnen längst selbstverständlich. Bei Krebserkrankungen wie dem Gebärmutterhalskrebs wird die „Sprechende Medizin“ noch unterbewertet. Ich würde mir in den ersten zwei Jahren nach der Operation für jede Frau eine angemessen finanzierte psychosomatische Grundversorgung wünschen. Denn krebskranke Frauen brauchen jemanden, der neben ihrem Körper auch ihre Seele heilt.
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