Empfehlen | Drucken | Kontakt22.04.2011 - 22:32 Uhr

Wieder Experimentierfreudig: Ich freue mich auf Sex und doch bin doch jedes Mal enttäuscht

Trotzdem habe ich am nächsten Tag schon wieder Phantasien vom nächsten Mal
Trotzdem habe ich am nächsten Tag schon wieder Phantasien vom nächsten Mal
Foto: mateoutah | flickr.com

Hallo liebe Beatrice,

hab grad dein "Stöhnst du noch..." fertig gelesen - klasse! Durch das Lesen verschiedener Ratgeber hoffte ich, wieder einen besseren Draht zu meiner Sexualität herstellen zu können, denn ich war jetzt etwa fünf Jahre komplett abstinent (nicht mal ein Kuss!!). Was aber durchaus freiwillig so passiert ist. Nach zwei Beziehungen, die jeweils etwa ein Jahr dauerten und durch mich beendet wurden (hauptsächlich wegen Schmerzen beim Verkehr - vielleicht war ich noch nicht bereit), hatte ich die Nase einfach voll von Kontakt zu anderen.

Mit der Zeit kam dann leider der Teufelskreis, dass ich zu lange "raus" war und Angst bekam, mich als lächerliche Jungfer zu blamieren. Aber das Problem hat sich zum Glück erledigt, denn dieses Jahr wurde ich endlich wieder experimentierfreudig!

Ich fing eine kleine Affäre an, die noch andauert: kein Ärger einer Beziehung, einfach unverbindliche Küsse am Anfang und Sex mit der Zeit - mein "Spielpartner" weiß um meine Abstinenz und dass ich unsicher bin/ war, und wir gehen das ganze als eine Art "Rollenspiel" an. Ich gewöhne mich wieder an Küsse, Berührungen, Nähe und zusammen mit meinem "Mentor" probieren wir sogar nach und nach neue Dinge/ Stellungen etc aus.

Alles prima - aber ich verstehe zum Teufel mein Problem nicht!!

Ich habe gerne Höhepunkte - wenn auch nur durch Selbstbefriedigung, die ich schon ziemlich früh, so ab dem 11./ 12. Lebensjahr betreibe - schaue gern erotische Bilder oder lese Geschichten, freue mich auf den Sex mit ihm... und dann: nix.

Den Höhepunkt bekomme ich weder beim Geschlechtsverkehr noch beim oralen Verwöhnen hin noch fühle ich mich nach dem Sex befriedigt oder besser - trotzdem habe ich am nächsten Tag schon wieder Phantasien vom nächsten Mal (was dann doch wieder nicht so toll ist)!

Was läuft bloß bei mir falsch, liebe Beatrice? Hast du vielleicht eine Idee?

Antje (26)

 

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Liebe Antje,

so auf die Schnelle würde ich sagen, dass da mehrere Dinge zusammenspielen, u.a. 

- eine dauer-angespannte Beckenbodenmuskulatur (unwillkürlich bzw. psychosomatisch, wegen der früheren Schmerzen beim Verkehr, oder vielleicht kamen die Schmerzen auch grade daher und es hat sich durch einen Teufelskreis noch mehr verstärkt), 

- kein so guter Draht zu deinem Unterleib (oder zu deiner Sexualität), 

- Probleme mit Sich-beim-Sex-fallen-lassen

- durch die vielen Jahre, die du ohne einen ganz reellen Partner und „normalen“ Sex, aber mit vorgefertigen erotischen Geschichten und Szenen verbracht hast, hat sich in deinem Kopf eine gewisse unrealistische Idealvorstellung festgesetzt, wie Sex zu sein habe.

Um das tatsächlich zu analysieren und zu lösen, müsste man bei dir sehr in die Tiefe gehen, sprich, ich kann dir keinen schnellen Pauschal-Tipp geben, sondern ich müsste ausführlich mit dir kommunizieren. Aber das geht im Rahmen meiner kleinen Beratung nicht. (Vorschlag: Mach mal wenigstens eine Stunde Gespräch bei einer Sexualtherapeutin, z.B. bei mir.)

Ich denke, was du mal versuchen kannst, ist:

Diese Idealvorstellung von Sex (z.B. heiß, wild, leidenschaftlich, ekstatisch) gedanklich in den Müll werfen (dazu gehört auch die Erwartung, einen Höhepunkt zu haben) und genau das mit freudigem Herzen begrüßen, was du mit deinem „Mentor“ teilst. Entspann dich mental! Lehne dich innerlich zurück und gib dir selbst (und euch beiden) viel mehr Zeit, euch aufeinander einzustellen und unbeschwerte Liebesspiele zu genießen!

Wenn du dich allein selbstbefriedigst, dann zieh dir dazu nicht vorgefertigte Sachen rein, sondern hol dir dazu die Bilder vors innere Auge von den Akten, die du mit deinem Lover erlebt hast. Stell dir bestimmte Szenen und Details ganz genau vor. Schmück sie nicht blumig aus, nimm das, was reell da war, und nimm dazu eine andere Haltung ein. Schau nicht auf das, was (vermeintlich) fehlt, sondern betrachte das, was sich da bisher entwickelt hat, als ein Geschenk.

Wenn du dann „live“ mit ihm zugange bist, verfalle nicht wieder in deine Idealvorstellungen (erinnere dich, dass du sie weggeworfen hast), sondern lass die Augen so viel wie möglich offen und sei bei ihm, statt in einer anderen Welt!

In meinem Buch „Sex für Faule und Gestresste“ gibt es dazu u.a. ein vertiefendes Kapitel, „Entschleunigung“; darin erfährst du, wie du „echten Kontakt“ beim Sex herstellst, und einiges mehr.

Liebe Grüße!

Beatrice Poschenrieder

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