Empfehlen | Drucken | Kontakt14.08.2010 - 13:42 Uhr

OB im TV-„Kreuzverhör“: Sauerland: „So etwas wollten wir nicht“

 Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
Der Duisburger Oberbürgermeister Adolf Sauerland.
Foto: dpa
Duisburg –  

Mehr als drei Wochen nach der Loveparade-Katastrophe bricht Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sein Schweigen.

In der 20-minütigen WDR-Sendung "Kreuzverhör" (Ausstrahlung: Sonntag, 19.40 Uhr) stellte er sich drängenden Fragen über seine persönliche Verantwortung und die Gründe für das Unglück mit 21 Toten.

Dabei räumte der CDU-Politiker aber keine persönliche Schuld ein: „Es muss geklärt werden, wer der Verursacher dieses tragischen Ereignisses war. So weit sind wir noch nicht“, äußerte sich Sauerland.

Einen sofortigen Rücktritt lehnte Sauerland weiterhin ab, schloss aber persönliche Konsequenzen nach der Aufklärungsarbeit nicht aus. „Natürlich stelle ich mir die Frage, ob man das Amt nach so einem tragischen Ereignis weiter ausüben kann. Aber diese Antwort werde ich erst dann geben, wenn ich die Antworten auf die uns alle bedrückenden Fragen habe.“

Der CDU-Politiker wehrte sich gegen den Vorwurf, er habe im Vorfeld der Loveparade persönlich darauf hingewirkt, die Veranstaltung unter allen Umständen durchzuführen. Auch habe man bei der Sicherheit keine Kompromisse gemacht. „Wir haben als Verwaltung unsere Vorstellungen durchgesetzt und sind nicht zurückgewichen.“

Der Veranstalter habe deswegen im Vorfeld seine Konzepte nachbessern müssen.

Der Duisburger Oberbürgermeister machte deutlich, dass ihn die Katastrophe des 24. Juli emotional nach wie vor sehr berühre. „So etwas wollten wir nicht. Jeden Morgen, wenn ich wach werde, wünsche ich mir, dass alles das, was wir erlebt haben, nur ein böser Traum ist, aber es ist Realität.“

Inzwischen gibt es aber neue, belastende Vorwürfe gegen Sauerland: Verwaltungsunterlagen belegen dem Nachrichtenmagazin „Focus“ zufolge, dass das Duisburger Bauaufsichtsamt noch zehn Tage vor der Techno-Party dem Veranstalter Rainer Schaller und seiner Firma Lopavent mit der gebührenpflichtigen Absage gedroht hatte.

Grund seien falsche Prüfberichte zu „mobilen Zaunelementen“ gewesen.

In dem Schreiben an Lopavent hieß es, die Zäune könnten „zu Stolperfallen“ werden. Ferner monierten die Bauaufseher das Fehlen eines Sachverständigenreports über die Sicherheit der gesamten Veranstaltungsfläche.

Das Papier ging „Focus“ zufolge als Kopie an das Büro des Oberbürgermeisters. Sauerland habe nach der Katastrophe behauptet, nichts von diesen Problemen gewusst zu haben.

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