Empfehlen | Drucken | Kontakt10.08.2010 - 16:54 Uhr

Loveparade-Tragödie: Was passiert mit den Trauergaben am Tunnel?

Foto: ddp
Duisburg/Köln –  

Der Boden ist übersät mit Kerzen, Bildern und Engelsfiguren: Doch was wird aus den Trauergaben für die 21 Loveparade-Opfer, wenn der Unglücksort und der Tunnel in Duisburg wieder für den Verkehr geöffnet werden?

Die Stadt plant, die Andenken nicht einfach wegzuräumen, sondern woanders auszustellen.

Der zuständige „Bürgerkreis Gedenken“ beschloss am Montagabend, dass die Trauergaben im Unglückstunnel am 4. September in einen containergroßen Glaskubus gelegt werden sollen. Der Kubus mit transparenten Acrylwänden soll etwa 6,50 Meter lang und jeweils 2,50 Meter breit und hoch sein. Dieser Behälter soll dann im Innenhafen neben dem Kultur- und Stadthistorischen Museum aufgestellt werden.

Nach dem Füllen des Glaswürfels und einer Gedenkfeier wird der Tunnel am 4. September wieder für den Verkehr freigegeben. Bei der Gedenkfeier wird im Tunnel außerdem eine Gedenktafel angebracht. Die Inschrift soll lauten: „Duisburg gedenkt der Opfer der Loveparade“.

Währenddessen laufen die Polizei-Ermittlungen zur Aufklärung der Tragödie auf Hochtouren: 900 Stunden Videomaterial, über 1000 Hinweise und eine gigantische Menge Computerdaten harren der Auswertung.

Gehörten der Ermittlungsgruppe „Loveparade“ der Kölner Polizei bislang 63 Beamte an, sind es nun 83, wie die Behörde am Dienstag gemeinsam mit der federführenden Staatsanwaltschaft Duisburg mitteilte. Dort sind vier Staatsanwälte und ein Oberstaatsanwalt mit dem Verfahren betraut.

Die schwierigen und umfangreichen Ermittlungen bräuchten Zeit, hieß es. „Sorgfalt und Genauigkeit gehen hier vor Schnelligkeit.“ Wann die Ermittlungen zum Ende kämen, sei „absolut nicht absehbar“, sagte Oberstaatsanwalt Rolf Haferkamp.

Die Staatsanwaltschaft Duisburg ermittelt wegen fahrlässiger Tötung „gegen unbekannt“. Daneben sind bislang weitere 220 Strafanzeigen eingegangen. Sie richteten sich vor allem gegen Verantwortliche des Veranstalters, der Stadt Duisburg und der Polizei.

Bei den Ermittlungen stellten Spezialisten eine riesige Datenmenge - mehr als 50 Terabyte - beim Veranstalter, der Stadt Duisburg, der Feuerwehr Duisburg und der Polizei sicher. „Das sind Millionen von Dokumenten, die ausgedruckt tausende Aktenordner füllen würden“, hieß es. Die über 900 Stunden Videomaterial stammten unter anderem aus Überwachungskameras des Veranstalters, von der Polizei, von Handys von Zeugen, von Medien und aus Internetveröffentlichungen.

Die mehr als 1000 Hinweise aus dem In- und Ausland würden alle auf ihre Bedeutung für die Ermittlungen überprüft. „Allen nach dieser Prüfung relevant erscheinenden Hinweisen wird nachgegangen“, hieß es. Darüber hinaus seien mehrere hundert Zeugen zu vernehmen. Schon jetzt zeichne sich ab, dass viele von ihnen ein und denselben Sachverhalt völlig unterschiedlich wahrgenommen hätten.

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