Empfehlen | Drucken | Kontakt28.08.2010 - 17:07 Uhr

Loveparade-Katastrophe: Schaller: Ohne Polizei-Kette würden die Menschen noch leben

Rainer Schaller geht jetzt in die Offensive und geht mit den Überwachungsvideos an die Öffentlichkeit.
Rainer Schaller geht jetzt in die Offensive und geht mit den Überwachungsvideos an die Öffentlichkeit.
Foto: AP
Duisburg –  

Die gegenseitigen Schuldzuweisungen zwischen Loveparade-Veranstalter Rainer Schaller und der Polizei werden immer heftiger. Jetzt lässt Schaller das gesamte Überwachungsmaterial seiner Videokameras ins Internet stellen.

Der Grund für diesen Schritt: „Damit sollen die taktischen Fehlleistungen der Polizei dokumentiert werden“, sagte der geschäftsführende Gesellschafter der Firma Lopavent in einem Interview mit dem „Spiegel“.

„Jeder soll sich selbst ein Bild von den Abläufen machen können“, sagte Schaller dem „Spiegel“. Er hatte den Einsatz der Polizei am Unglückstag bereits zuvor scharf kritisiert. Bei dem Videomaterial handele es sich um Aufnahmen von sieben Kameras mit einer Laufzeit von mehr als 22 Stunden.

Wann die Aufnahmen veröffentlicht werden, ging aus dem Bericht des Nachrichtenmagazins nicht hervor.

Die Polizei habe, als sich vor den Zugängen im westlichen und im östlichen Bereich des Veranstaltungsgeländes ab 15.50 Uhr die Massen stauten, aus unerklärlichen Gründen drei Sperrketten gebildet, sagte Schaller, zwei in den Tunneln und eine auf dem unteren Teil der Zugangsrampe.

Diese Ketten seien vermutlich die Ursache der Katastrophe gewesen. „Für uns stellt sich die Frage, warum die Polizei dies tat.“ Ohne die Polizeikette auf der Rampe würden die Menschen noch leben, behauptet Schaller.

Der Inspekteur der NRW-Polizei, Wehe, wies Schallers Vorwürfe zurück: „Seine Aussagen werden nicht besser, nur weil er sie wiederholt. Der Veranstalter hat die Polizei um Hilfe gebeten, weil sein Sicherheitskonzept zusammen gebrochen war. Er hatte zugesagt, die Eingangsschleusen zu schließen. Das ist nicht geschehen.“

Die Polizei werde den nordrhein-westfälischen Landtag und die Öffentlichkeit am 2. September (Donnerstag) im Innenausschuss weiter über die ihr vorliegenden Erkenntnisse zum Handeln der Polizei bei der Loveparade informieren, sagte Wehe.

„Dabei werden wir die Fakten darlegen. Entscheidend werde das Zusammenwirken von Veranstalter Lopavent, der Stadt Duisburg als Genehmigungs- und Gefahrenabwehrbehörde und der Polizei sein. Gerichte, Angehörige der Opfer und die Öffentlichkeit können danach ihre Bewertung vornehmen“, erklärte der Inspekteur.

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