Nach der Massenpanik auf der Duisburger Loveparade mit 19 Toten geraten die Veranstalter immer mehr in die Kritik. Sie sollen nicht genug getan haben, um das tödliche Drama zu verhindern:
Die Organisatoren sollen ein vorgelegtes Sicherheitskonzept abgelehnt und wiederholte Warnungen ignoriert haben. Deshalb haben erste Kritiker bereits Anzeige erstattet.
• Sicherheitskonzept abgeschmettert
Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) hat nach der Massenpanik auf der Duisburger Loveparade mit 19 Toten das Sicherheitskonzept der Veranstalter heftig kritisiert.
Es sei sehr gefährlich, bei Massenveranstaltungen das Gelände fast komplett einzuzäunen, sagte der stellvertretende Berliner GdP-Vorsitzende Michael Reinke. Bei der Loveparade in der Hauptstadt bis zum Jahr 2006 habe es dagegen weite Ausweichflächen im Berliner Tiergarten gegeben.
Die Polizei habe den Veranstaltern ein Sicherheitskonzept vorgelegt - doch dieses wurde abgelehnt!
Der „Spiegel“ berichtet, der Plan der Polizei habe vorgesehen, die Besucher „großflächiger“ anreisen zu lassen. Außerdem sei einer der Kernpunkte des Plans gewesen, die Nadelöhr-Situation hinter dem Tunnel zu vermeiden.
Doch der damit verbundene Personalaufwand schien die Veranstalter abzuschrecken. Sie schmetterten den Vorschlag ab.
Ein Tunnel als einziger Fluchtweg habe in Duisburg dann zur Katastrophe geführt: „Dort fühlt man sich eh schon eingeengt. Bei einer Panik verhalten sich die Massen wie eine Rinderherde“, sagte Reinke.
Überdies hätten sich Veranstalter und Sicherheitskräfte wohl auch erheblich bei der Zahl der anreisenden Raver verschätzt. „Ich will die Duisburger Polizeiführer nicht angreifen - aber der Massenandrang wurde wohl unterschätzt. Reinke kritisierte außerdem, dass für ein solches Event private Sicherheitskräfte statt Polizisten eingesetzt werden. Diese seien meist schlecht bezahlt und nicht ausreichend ausgebildet.
• Warnungen ignoriert
Auch von Seiten der offiziellen Helfer bei dem Event mehren sich kritische Worte. Nach Informationen des „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Montagausgabe) soll der Direktor der Duisburger Berufsfeuerwehr den Oberbürgermeister der Stadt im Oktober 2009 schriftlich davor gewarnt haben, die Veranstaltung auf dem Gelände des alten Güterbahnhofs stattfinden zu lassen.
Sinngemäß soll es in dem Schreiben heißen, dass die Platzfläche nicht ausreiche, um die zu erwartende Masse an Besuchern aufzunehmen.
Auch innerhalb der Polizei regt sich heftiger Unmut über die Organisation der weltweit bekannten Technoparade. Zwei Kölner Einsatzhundertschaften waren bei der Veranstaltung im Einsatz, eine sogar unmittelbar an dem Tunnel, in dem die Panik losbrach.
Einige der Beamten hatten das Gelände bereits vorige Woche erkundet und im Anschluss intern starke Bedenken geäußert. Eine Kollegin hätte ihm mitgeteilt, „heilfroh zu sein, wenn das hier zu Ende ist“, berichtete ein hochrangiger Polizist dem „Kölner Stadt-Anzeiger“.
Als „unglaublich“ hätten erfahrene Hundertschaftsführer es schon im Vorfeld empfunden, dass für den Ein- und Ausgang des Geländes nur diese einzige, etwa 300 Meter lange Unterführung vorgesehen war.
• Anzeigen erstattet
Im vergangenen Jahr hätte die Loveparade in Bochum stattfinden sollen - doch wegen Sicherheitsbedenken wurde sie abgesagt. Bochums damaliger Polizeipräsident Thomas Wenner (62) hat nun via Bild.de angekündigt, Duisburgs OB Adolf Sauerland anzeigen zu wollen: „Ich zeige den Oberbürgermeister der Stadt Duisburg, die leitenden Beamten der Stadt und die Veranstalter an.“
Eine Veranstaltung wie die Loveparade sei in einer Stadt wie Duisburg auf einem Gelände wie dem alten Güterbahnhof nie realisierbar. Städte wie Bochum und Duisburg mit ihren engen Bahnhöfen seien für solche Partys nicht geeignet.
Wenner weiter: „Schon im vergangenen Jahr gab es kein vernünftiges Konzept. Ich wollte die Sicherheit nicht opfern auf dem Altar der Spaßgesellschaft. Genau das ist nun geschehen.“
Nach einem Bericht der „Neue Ruhr/Neue Rhein Zeitung“ hat außerdem ein Feuerwehrmann Anzeige erstattet, weil er schon vorher auf die Missstände der Organisation hingewiesen habe, ohne Gehör zu finden.
Maren (20): „Damals hätten wir Trost gebraucht“
Die Mega-Party, die zur Katastrophe wurde: Am 24. Juli ist es ein Jahr her, dass 21 Menschen während der Loveparade in dem Massenandrang zerquetscht oder totgetrampelt wurden.
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Im Weihnachtsgrußwort an seine Bürger hat Duisburgs OB Adolf Sauerland um Entschuldigung für sein Verhalten nach der Loveparade gebeten. Er räumte Fehler ein.
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