Duisburgs OB Adolf Sauerland. Er streitet ab, von Sicherheitsmängeln gewusst zu haben. Doch jetzt enthüllt ein geheimes Sitzungsprotokoll das Gegenteil...
Das Schriftstück dokumentiert eine Sitzung vom 18. Juni mit dem Veranstalter Lopavent, der Feuerwehr, dem Ordnungsamt und dem Ordnungsdezernenten Wolfgang Rabe. In der Sitzung gab's offenbar Zoff wegen der Fluchtwege - das Bauordnungsamt hatte Einwände gegen das vorgelegte Sicherheitskonzept.
Der Skandal: Oberbürgermeister Adolf Sauerland soll von all dem gewusst haben - sein Kürzel (OB) taucht im Verteiler auf. Das bedeutet, dass ihm das Schreiben, das der „WAZ“ vorliegt, geschickt wurde.
Schlimm: Der Veranstalter wehrte sich dagegen, bei 220.000 Besuchern 440 Meter Fluchtwege nachweisen zu müssen. „Die rechtlichen Voraussetzungen hätten sie noch nie machen müssen“, sagte ein Lopavent-Vertreter. Er bestand auf nur 155 Meter Fluchtweg, weil es „ausreichend sei, wenn ein Drittel der Personen entfluchtet werden könne“. Unfassbar!
Ordnungsdezernent Wolfgang Rabe soll in der Sitzung massiven Druck ausgeübt haben, „schließlich will der OB die Veranstaltung“. Er forderte ein Fluchtwegkonzept, das Prof. Schreckenberg vorgelegt werden sollte. „Wenn er dieses absegnet, soll dies für eine Genehmigungsfähigkeit ausreichen. Hier geht es dann aber nicht um ein Drüberschauen, sondern um ein Testat als Sachverständiger“, heißt es.
Die Genehmigung der Bauaufsichtsbehörde wurde erst am 21. Juli, drei Tage vor dem Event, erteilt. „Es hat in der Verwaltung lange Widerstand gegen die Veranstaltung gegeben“, sagte ein Vertrauter der Organisation.
Haben die Planer absichtlich Leben riskiert? „Antworten müssen die liefern, die die Verantwortung tragen“, sagte Ministerpräsidentin Hannelore Kraft. Der Veranstalter und die Stadt Duisburg seien verantwortlich. Die Kölner Polizei hat jetzt eine 60-köpfige Ermittlungskommission gegründet.
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