Der Druck auf Duisburgs OB Adolf Sauerland wächst. Nicht nur die Bürger fordern Konsequenzen, wie sie bei einer Demonstration gegen Sauerland lautstark deutlich machten. Inzwischen fordern sogar seine Parteigenossen den Rücktritt des Oberbürgermeisters.
Sauerland trage die politische Verantwortung für das Loveparade-Desaster, bei dem 21 Menschen starben und mehr als 500 verletzt wurden, sagte der Vorsitzende des Bundestags-Innenausschusses, Wolfgang Bosbach (CDU). Der CSU-Innenexperte Hans-Peter Uhl urteilte, die Loveparade "hätte nie und nimmer genehmigt werden dürfen". Bosbach sagte, zwar könne er verstehen, dass Sauerland nicht mit einem Rücktritt den Eindruck eines womöglich sogar strafrechtlich relevanten Schuldeingeständnisses erwecken wolle. Ein solches Amt sei aber "nicht nur mit Würde, sondern gelegentlich auch mit einer Bürde verbunden". Er würde sich wünschen, dass der Oberbürgermeister "selber zu der richtigen Entscheidung kommt und nicht nur auf Druck von außen reagiert", so Bosbach.
Bei der Duisburger Linke-Ratsfraktion wird ein Antrag zur Abwahl Sauerlands vorbereitet. Die FDP sagte ihre Unterstützung zu. Zuvor hatten bereits SPD-Politiker Sauerland den Rücktritt nahe gelegt.
Doch einen Rücktritt lehnt Sauerland kategorisch ab. Wohl auch aus finanziellen Gründen. Nach Angaben des nordrhein-westfälischen Steuerzahlerbundes käme Sauerland ein Rücktritt offenbar finanziell teuer zu stehen. Der Politiker verlöre dadurch sämtliche Ansprüche auf Dienstbezüge und Versorgung, sagte Justiziar Heinz Wirz. Der Experte verwies darauf, dass das Landesbeamtengesetz einen Rücktritt aus politischen Gründen nicht vorsehe. Sauerland müsste einen Antrag auf Entlassung stellen. Damit gingen auch die Pensionsansprüche verloren, die sich Sauerland vor der Wahl 2004 in langen Jahren als Oberstudienrat im benachbarten Krefeld erworben habe. Sollte Sauerland aber seine Amtszeit beenden oder abgewählt werden, blieben die Ansprüche erhalten. Bei einem derzeitigen Grundgehalt von rund 10.500 Euro keine kleine Summe.
Der Chef des Kulturhauptstadt-Projekts "Ruhr.2010", Fritz Pleitgen, wendet sich gegen eine vorschnelle Abstrafung der Verantwortlichen für die Katastrophe. Er habe das Gefühl, "dass da jetzt so eine Jagd auf die Schuldigen ausbricht", sagte Pleitgen. Der frühere WDR-Intendant richtete zugleich Vorwürfe an diejenigen, die im Vorfeld der Techno-Party vor den Gefahren intern gewarnt haben wollen: "Wenn alle das damals wussten, hätten sie das auch öffentlich äußern müssen." Nach Ansicht des Ruhr-2010-Chefs war möglicherweise die Vorbereitungszeit für die Loveparade zu kurz.
Nach Recherchen der Zeitungen der Essener WAZ-Mediengruppe (Freitagausgaben) sind alle bislang veröffentlichten Zahlen der Loveparade-Teilnehmer im Ruhrgebiet von Beginn an gefälscht worden. So hieß es, in Essen seien vor drei Jahren 1,2 Millionen Menschen auf dem Techno-Event gewesen. Nach Dortmund sollen vor zwei Jahren 1,6 Millionen gekommen sein, in Duisburg war von 1,4 Millionen Menschen die Rede.
Keine dieser Zahlen sei korrekt, alle seien maßlos übertrieben, gehe aus einem „streng vertraulichen“ Dokument des Loveparade-Veranstalters Lopavent hervor. Die tatsächliche Zahl der Loveparade-Besucher wurde damit den Angaben zufolge von allen Stellen bewusst verschwiegen und die Öffentlichkeit mit falschen Zahlen versorgt.
Maren (20): „Damals hätten wir Trost gebraucht“
Die Mega-Party, die zur Katastrophe wurde: Am 24. Juli ist es ein Jahr her, dass 21 Menschen während der Loveparade in dem Massenandrang zerquetscht oder totgetrampelt wurden.
Adolf Sauerland: Ich habe Fehler gemacht
Im Weihnachtsgrußwort an seine Bürger hat Duisburgs OB Adolf Sauerland um Entschuldigung für sein Verhalten nach der Loveparade gebeten. Er räumte Fehler ein.
Der Bundespräsident ehrte die Helden der Loveparade
Unter ihnen 30 Düsseldorfer Feuerwehrleute. Zwei von ihnen hat Bundespräsident Christian Wulff jetzt für ihren Einsatz ausgezeichnet.

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