Empfehlen | Drucken | Kontakt27.07.2010 - 21:03 Uhr

Die Verantwortlichen: Alle haben Ausreden

Wer trägt die Schuld am Loveparade-Drama?
Wer trägt die Schuld am Loveparade-Drama?
Foto: Getty Images
Duisburg –  

20 Opfer. Totgequetscht von den Massen. Die Verantwortlichen, die die Veranstaltung der Loveparade zuließen, verstecken sich hinter einer Mauer des Schweigens, des Vertuschens.

Keiner will es gewesen sein, keiner hat die Courage, Fehler einzugestehen.

Und sie schieben sich gegenseitig die Schuld in die Schuhe. EXPRESS zeigt auf, wer sich wie rausredet.

Die Verantwortlichen reden sich raus
„Wusste nichts von Warnungen“
Foto: ddp

Adolf Sauerland, Duisburgs Oberbürgermeister (CDU): Er ist seit 2004 oberster Dienstherr im Rathaus. Es war kein Geheimnis, dass er die Loveparade unter allen Umständen in Duisburg haben wollte. Sauerland behauptet, von Sicherheitsbedenken nie gehört zu haben: „Mir sind keine Warnungen bekannt.“ Dabei soll eine Leiterin des Duisburger Bauamtes, die ihre Genehmigung der Loveparade verweigert hat, daraufhin versetzt worden sein - selbst davon hat der Oberbürgermeister nichts mitbekommen? Adolf Sauerland kam erst am Nachmittag der Loveparade-Katastrophe aus dem Österreich-Urlaub zurück. Die Genehmigung der Baubehörde vom Mittwoch, 21. Juli, hat er nicht unterschrieben.

„Polizei schuld am Verhängnis“
Foto: dpa

Rainer Schaller, Chef der Lopavent-GmbH, die die Loveparade veranstaltete: Der Mann, der mit der McFit-Kette Millionen macht, schiebt die Schuld auf die Polizei. „Deren Einsatzleitung gab die Anweisung, alle Schleusen vor dem westlichen Tunneleingang zu öffnen.“ Zuvor habe der Veranstalter angewiesen, 10 der 16 Schleusen geschlossen zu halten, weil bereits die Überfüllung des Tunnels drohte. Außerdem seien zuvor alle Einzelheiten von den Behörden „abgenickt oder vorgegeben“ worden. Der Tunnel sei „extrem intensiv geprüft“ worden.

„Ich sah das Gelände der Loveparade nur auf der Karte“
Foto: dpa

Professor Michael Schreckenberg, Stau- und Panikforscher der Universität Duisburg: Er wurde als Fachmann in die Vorbereitungen zur Loveparade einbezogen. Jetzt sagt er, er habe den Tunnelbereich auf dem Gelände nie gesehen. Lediglich auf einer Karte habe er sich das Areal angesehen und mitgeteilt, dass aus seiner Sicht 250.000 Menschen Platz hätten. Vorm Tunnel habe er gewarnt. „Man wollte aber nicht mit mir kooperieren“, so Schreckenberg.

Sein Vorgänger hatte gewarnt
Foto: APN

Detlef von Schmeling, Duisburgs kommissarischer Polizeichef: Er wirkt überfordert. Erst im Mai ging Polizeichef Rolf Cebin in den Ruhestand. Im Februar noch warnte Cebin vor Gefahren der Loveparade in Duisburg. Daraufhin empfahl der Bundestagsabgeordnete Thomas Mahlberg (CDU), „Duisburg von einer schweren Bürde zu befreien und einen personellen Neuanfang im Polizeipräsidium zu wagen“.

Was sagt die Duisburger Polizei zu den neuen Schuldzuweisungen? Sprecher Ramon van der Maat: „Die Verantwortung für die Erteilung der Loveparade-Genehmigung liegt bei der Stadt, fürs Gelände beim Veranstalter.“ Der NRW-Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP) findet deutlichere Worte: „Es ist eine Frechheit, von der eigenen Verantwortung ablenken zu wollen und der Polizei den Schwarzen Peter zuzuschieben.“

Er legte kein Veto gegen Loveparade ein

Uwe Zimmermann, Chef der Duisburger Feuerwehr: In einem internen Vermerk der Feuerwehr soll es schon 2009 Sicherheitsbedenken gegeben haben. Ein Insider der Duisburger Behörden: „Die Beurteilung der Sicherheit von Flucht- und Rettungswegen ist auch Sache der Feuerwehr.“ Doch Uwe Zimmermann legte sein Veto offenbar nicht ein. Sein Chef ist Oberbürgermeister Adolf Sauerland.

„Veranstalter, Feuerwehr und Polizei zuständig“

Jürgen Dressler, Planungsdezernent Duisburgs: Er erteilte für das ihm unterstehende Bauordnungsamt die Schlussgenehmigung der Loveparade. Doch die Schuld schiebt er auf andere. Seine Erlaubnis habe sich nur auf den engeren Bereich des stillgelegten Güterbahnhofs bezogen, sagte er der „RP“. Der Bereich des Tunnels und der Treppe, in dem die Loveparade-Besucher umkamen, habe nicht zu dem von ihm genehmigten Bereich gehört. Dafür seien Feuerwehr, Polizei und Veranstalter zuständig gewesen. Für eine Stellungnahme war Jürgen Dressler gestern nicht zu erreichen.

„Alles war mit allen abgestimmt“
Foto: APN

Wolfgang Rabe, Ordnungsdezernent der Stadt Duisburg: „Der gesamte Weg ist genehmigt und mit allen Beteiligten abgestimmt gewesen“, sagte er auf der Pressekonferenz am Sonntag. Kein Wort von Bedenken, die Polizei und Feuerwehr hatten. Seitdem hüllt er sich in Schweigen. Stadtsprecherin Anja Huntgeburth: „Das Ordnungsamt hat die Veranstaltung der Loveparade in Sachen Lärm, Gelände und Zuwege geprüft und genehmigt.“ Das Ordnungsamt untersteht Wolfgang Rabe.

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