Empfehlen | Drucken | Kontakt26.07.2010 - 12:37 Uhr

Die Festival-Verantwortlichen mauern: Polizeichef leugnet die Massenpanik

Der Leiter des Krisenstabes, Wolfgang Rabe (v.l.), Detlef von Schmeling vom Duisburger Polizeipräsidium, der Geschäftsführer der Love Parade Rainer Schaller und Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland.
Der Leiter des Krisenstabes, Wolfgang Rabe (v.l.), Detlef von Schmeling vom Duisburger Polizeipräsidium, der Geschäftsführer der Love Parade Rainer Schaller und Oberbürgermeister von Duisburg, Adolf Sauerland.
Foto: ddp
Duisburg –  

Der Tag eins nach der schrecklichen Tragödie. Angehörige und Love-Parade-Besucher trauern. Die Verantwortlichen auf der Pressekonferenz mauern.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt wegen fahrlässiger Tötung. Alle Planungsunterlagen für das Riesen-Event sind bereits beschlagnahmt. Und Bochums Ex-Polizeipräsident Thomas Wenner, der die Love-Parade 2009 in seiner Stadt verhinderte, weil er die Sicherheit nicht gewährleisten konnte, will die Verantwortlichen in Duisburg anzeigen.

Wen trifft die Hauptschuld am Todesdrama im alten Güterbahnhof? Love-Parade-Gründer Dr. Motte klagt die Organisatoren an. „Sie haben aus reiner Profitgier mit Euro-Zeichen in den Augen aus einer friedlichen Demonstration eine Geldmaschine gemacht.“

Schwer im Kreuzfeuer der Kritik: die Stadt Duisburg, die das umstrittene Gelände für festivaltauglich erklärte, Warnungen in den Wind schlug. Die Verantwortlichen in der Pressekonferenz schwiegen sich aus.

War es der Ehrgeiz der Stadt, sich mit einer Party der Superlative in die erste Reihe im Projekt „Ruhr 2010“ zu schieben - sogar auf Kosten der Sicherheit?

Die Duisburger Feuerwehr hatte den OB gewarnt, das Gelände reiche für eine Millionenparty wie diese nicht aus. Ortskundige hatten sich im Internet zu Wort gemeldet: „Ich sehe Tote“ schrieb Internet-Nutzer „klotsche“. Das Gelände? Reicht höchstens für 300.000 Besucher.

Die Love Parade hatte 2008 in Dortmund bereits 1,6 Millionen Fans angelockt. In Duisburg waren es laut Veranstalter 1,4 Millionen. Der kommissarische Polizeipräsident von Schmeling aber rechnete die Besucherzahl auf die einzig messbare Größe runter: 105.000 Bahnreisende. Wer will das glauben?

Zentrum der Kritik: Das Festival konnte nur über das Nadelöhr Tunnel und Rampe erreicht werden, das Gelände war komplett eingezäunt. Das gab's aus gutem Grund nie zuvor bei der Loveparade. Die Polizeigewerkschaft kritisiert: Alles viel zu gefährlich. Von Schmeling wiegelte ab: „Eine Massenpanik hat es nicht gegeben.“

Festivalteilnehmer machten auch den Ordnungskräften massive Vorwürfe: Sie hätten durch ihr Verhalten erst Panik erzeugt. Eine Raverin sagte, die Polizei habe mit Schusswaffengebrauch gedroht. Der Polizeichef blieb stur: Seine Kräfte hätten sich „an der Gefahrenvermeidung beteiligt“.

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