Die Bundespolizei hat nach Informationen von „Spiegel Online“ sämtliche Unterlagen zur Loveparade in Duisburg von ihren Computern gelöscht.
Es gehe es um Einsatzbefehle, Lagemeldungen und Karten, hieß es. Die Daten seien nicht nur von den Computern der Beamten, sondern auch von deren E-Mail-Accounts gelöscht worden.
„Da kam sehr schnell der ganz große Staubsauger“, zitierte das Online-Medium einen Beamten, der eine „Vertuschungsaktion“ vermutete.
Der Loveparade-Albtraum - womöglich hat alles mit einer phänomenalen Fehleinschätzung der Teilnehmerzahl begonnen.
Der Veranstalter habe 500.000 Menschen angemeldet, sagte Erich Rettinghaus, NRW-Landesvorsitzender der Polizeigewerkschaft, am Sonntagabend im ZDF. Die Stadt habe seiner Kenntnis nach aber nur 250.000 Teilnehmer für das Gelände genehmigt.
Gekommen sind ja vermutlich über eine Million Menschen - wie bei jeder Loveparade. Aber wie konnte denn bitte diese Differenz bei den Planungen durchgehen? Man sei davon ausgegangen, dass sich die restlichen Partygänger an anderen Orten der Stadt verteilten, erläuterte Rettinghaus.
Und dann der Katastrophenfehler Nummer 2:
Bei der Lenkung der Menschenmassen auf das abgeschlossene Gelände des alten Güterbahnhofes hätten die Veranstalter nicht auf das sonst übliche „Entzerren des Ströme“ gesetzt, sagte der Polizist. In Duisburg habe man die Teilnehmer stattdessen durch „lückenlose Information durch Beschallung“ lenken wollen.
Das sollte unter anderem durch Lautsprecherdurchsagen geschehen. Sie wurden aber laut Rettinghaus in dem lauten Umfeld und von den teils angetrunkenen Menschen nicht gehört und nicht beachtet.
Mit Lautsprecherdurchsagen bei einer Techno-Veranstaltung für Ordnung sorgen - wer kann nur so etwas planen? Das Ergebnis ist bekannt: 19 junge Menschen verloren ihr Leben, Hunderte wurden verletzt und traumatisiert.
Die 250.000-Besucher-Beschränkung wird inzwischen auch von anderer Seite bestätigt. Sie soll auch in einem Verwaltungsdokument stehen, aus dem "Spiegel Online" zitiert.
Das Schriftstück vom 21. Juli 2010 mit dem Aktenzeichen 62-34-WL-2010-0026 trage den Titel „Genehmigung einer vorübergehenden Nutzungsänderung“ und richte sich an die Berliner Lopavent GmbH, die Veranstalter der Love Parade. Der Sachbearbeiter der Unteren Bauaufsicht im Duisburger Amt für Baurecht und Bauberatung befreit darin „Spiegel Online“ zufolge die Organisatoren von der Vorschrift, die vorgeschriebenen Breiten der Fluchtwege einhalten zu müssen. Gleichzeitig verzichten die Beamten auf Feuerwehrpläne. Dafür hätten sie den Ausrichtern der Party vorgegeben: „Die maximale Personenzahl, die sich gleichzeitig auf dem Veranstaltungsgelände aufhalten darf, wird (...) auf 250.000 Personen begrenzt.“ Die Veranstalter des Festes hatten noch wenige Stunden vor dem Unglück von etwa 1,4 Millionen erwarteten Teilnehmern gesprochen.
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