Empfehlen | Drucken | Kontakt22.03.2011 - 11:58 Uhr

Zehn Tipps: So nehmen Sie Ihr Leben wieder selbst in die Hand

Volker Kitz und Manuel Tusch erklären, wie Sie Ihr Leben wieder selber in die Hand nehmen.
Volker Kitz und Manuel Tusch erklären, wie Sie Ihr Leben wieder selber in die Hand nehmen.
Foto: Campus-Verlag
Köln –  

Unser Leben gleicht einem ständigen Kampf mit Tempo 250 auf der Autobahn. Wir verwirklichen uns selbst, müssen immer besser sein, immer schneller und dabei auch noch immer cooler.

Nehmen Sie mal den Fuß vom Gas und Ihr Leben selber in die Hand! Leben Sie Ihr eigenes Leben und lassen sich nicht von anderen erzählen, wie Sie sein müssen, was Sie leisten und schaffen müssen.

Ich will so werden, wie ich bin.
"Ich will so werden, wie ich bin."
Foto: Campus-Verlag

Wie das geht? Die Autoren Volker Kitz und Manuel Tusch haben gerade ein Buch zu diesem Thema geschrieben: "Ich will so werden, wie ich bin" (Campus, 19,90 Euro). Für uns haben sie zehn Tipps zusammengetragen, die Ihnen dabei helfen, Ihr Leben wieder selber zu steuern und sich von äußeren Zwängen zu befreien. Klicken Sie sich hier durch:

So nehmen Sie Ihr Leben wieder selbst in die Hand
1.     Erkennen Sie die Absurdität unserer modernen Gesellschaft

Immer weiter, immer schneller dreht sich unser grausames Hamsterrad. Heute reicht es längst nicht mehr aus, einfach „nur“ gute Arbeit zu leisten. Wer weniger als 150 % gibt, fliegt raus. Zu diesem Leistungszwang gesellt sich der Stresszwang hinzu, denn ohne unfassbar geschäftig und am Limit zu wirken, wird heute niemand mehr so richtig ernst genommen. Dabei gilt es zu allem Überfluss, bloß keine Fehler zu machen, alles muss immer zwanghaft perfekt sein. Diese Zwänge – im Arbeitsleben gehätschelt und gepflegt – sind heimtückisch auch ins Private übergeschwappt. Dort gilt es inzwischen ebenfalls, 150 % zu bringen, zum Beispiel beim Erlebnissushi. Wir müssen stets gestresst zwischen ausgefallenen Freizeitevents hin- und hertingeln und immer schön den perfekten Mitmenschen mimen.

2.     Vergessen Sie die Work-Life-Balance

Leistung, Stress, Perfektion – diese Zwänge beherrschen unser Leben. Doch damit nicht genug: Es soll auch noch alles in Balance sein, bekommen wir überall eingeredet. Also zwei Stunden mehr Arbeit einfach durch zwei Stunden mehr Freizeit ausgleichen? Wie soll das gehen, wenn der Tag begrenzt ist? Die „Work-Life-Balance“ ist eine der absurdesten Erfindungen. Tausende Strategien gibt es dazu in tausenden Büchern – ein sicheres Zeichen dafür, dass keine einzige davon funktioniert. Befreien Sie sich von dem Gedanken, zu allem sonstigen Stress auch noch eine „Balance“ halten zu müssen!

3.     Merken Sie sich: 450 % sind 350 % zu viel

Zählen Sie 150 % bei der Arbeit plus 150 % im Privaten plus 150 % für die Balance zusammen. Unterm Strich kommen Sie auf 450 %. Wer, bitte, soll die bewältigen? An einem 24 Stunden-Tag? Notieren Sie sich als Stichwort „450 %“ auf einem Merkzettel, den Sie immer mit sich herumtragen. Er ist Ihre rote Karte, die sie warnt, wenn Sie mal wieder von den Zwängen überrannt werden. Lösen Sie sich von den Zwängen, indem Sie kritisch hinterfragen: „Wessen Erwartungen genüge ich eigentlich gerade?“ In den meisten Fällen werden Sie feststellen: Ich lebe nicht – ich werde gelebt. Brennen Sie sich daher ein: Mehr als 100 % geht allein schon rein rechnerisch nicht.

4.     Nehmen Sie sich eine Tüte Popcorn und lachen Sie über den ganzen Zirkus

Die meisten unserer Zwänge haben wir so sehr verinnerlicht, dass sie uns völlig normal erscheinen. Nehmen Sie sich abends mal eine Tüte Popcorn, setzen Sie sich aufs Sofa – und lassen Sie den Fernseher aus. Betrachten Sie stattdessen Ihren eigenen Tag als Film aus der Distanz. Wie absurd haben sich da manche Leute aufgeführt? Wie lächerlich ist es, dass Sie sich davon beeindrucken ließen? Sie werden herzlich lachen können. Je öfter Sie das tun, desto öfter werden Sie auch am Tag einfach nur noch lachen müssen – wenn alle um Sie herum im Hamsterrad strampeln.

5.     Schicken Sie Ihre Umwelt auf Kreuzfahrt

Stellen Sie sich vor: Alle Menschen, die Sie kennen - Familie, Freunde, Kollegen, Nachbarn - machen eine Kreuzfahrt ans Ende der Welt. Dummerweise verpassen Sie selbst das Schiff. Plötzlich gibt es für einige Wochen niemanden mehr um Sie herum, der Erwartungen an Sie hat, dem Sie genügen müssen ... Was tun Sie? Was lassen Sie? Wie sieht Ihr Leben aus? Wonach schlägt Ihr Herz? (Analysieren Sie nun im nächsten Punkt 6.)

6.     Prüfen Sie: „Welche ,Leichen’ habe ich im Keller?“

Nachdem Sie sich Ihren Masterplan für die Abwesenheit Ihrer Umwelt gebastelt haben: Prüfen Sie, welche grundlegenden Bedürfnisse sich hinter Ihren ganz konkreten Wünschen verbergen. Wollen Sie zum Beispiel mal eine ganze Nacht ungestört in einem Süßigkeitenladen verbringen, steckt dahinter vielleicht ein Bedürfnis nach Spaß. Wenn Sie sich auf drei Wochen Bett am Stück freuen, möglicherweise ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Entspannung. Möchten Sie schnell neue Freunde finden, haben Sie eventuell ein ausgeprägtes Bedürfnis nach Kontakt. Hinterfragen Sie Ihre konkreten Vorstellungen und Wünsche – dahinter stecken immer allgemeine und vielfältige Bedürfnisse. Sie sind verkümmert. Unsere Leichen im Keller, weil wir uns viel zu selten die Mühe machen, herauszufinden „Was steckt eigentlich dahinter?“ und „Wonach sehne ich mich wirklich?“

7.     Verbannen Sie Ihre Wünsche – befriedigen Sie Ihre Bedürfnisse

Wir glauben immer, wir bräuchten eine ganz konkrete Form der Bedürfnisbefriedigung. So setzen wir uns alle möglichen Wünsche in den Kopf und werden unglücklich, wenn es nicht genau so kommt. Wichtig ist zu erkennen: Bedürfnisse sind allgemeiner Natur und können höchst vielfältig befriedigt werden. Wer Spaß haben will, muss nicht zwingend die Nacht im Süßigkeitenladen verbringen. Wer entspannen möchte, muss nicht notwendigerweise drei Wochen durchschlafen. Jedes Bedürfnis kann auf 1001 Weise befriedigt werden. Überlegen Sie sich z. B.: „Wie kann ich mir mehr Spaß in meinem bisherigen Alltag verschaffen?“ Gönnen Sie sich etwas, Shopping, gehen Sie ins Kino, lesen Sie Zeitung, erfreuen Sie Ihre Mitmenschen, genießen Sie die Natur ...

8.     Vom Straßenfeger lernen – Besenstrich für Besenstrich

Nachdem Sie mit den Zwängen aufgeräumt haben und in Kontakt zu Ihrem inneren Selbst, Ihren Bedürfnissen sind: Setzen Sie Schritt für Schritt Ihre Lösungsideen um. Geben Sie sich und Ihrer Umwelt Zeit. Wir alle sind jeweils kleine Rädchen in einem großen System. Drehen Sie sich, drehen sich die anderen automatisch mit. Viele Menschen haben Angst vor Veränderung. Das Alte ist zwar nicht immer schön, gibt uns aber eine gewisse Sicherheit im Leben. Wir wissen zumindest immer, woran wir sind. Wenn wir uns verändern, stellt sich manchmal unser Unterbewusstsein quer. Aus Angst, eine liebgewonnene Struktur zu verlieren. Wo der Widerstand ist, ist der Weg. Gehen Sie ganz sachte immer ein Stück weit über Ihre eigenen Grenzen hinaus.

9.     Nein! Stopp! Setzen Sie Grenzen!

Wer sich verändert, möchte manchmal auch „Nein“ sagen – das ist nicht immer ganz leicht! Machen Sie den Preisvergleich: Was wiegt schwerer? „Nein“ sagen und nicht unbedingt auf Begeisterung stoßen? Oder andere unsere Grenzen überschreiten zu lassen – um selbst auf der Strecke zu bleiben? Meistens geht die Gleichung zugunsten der Abgrenzung aus. Verdeutlichen Sie sich jeden Tag diese simple und hilfreiche Rechnung. Das gibt Ihnen die notwendige Kraft, für sich selbst einzustehen. Denn wenn es Ihnen nicht gut geht, hat am Ende keiner was davon!

10.     Träumen Sie sich Ihr Leben schön

„Stricken“ Sie sich im Geiste eine Vision Ihres schönen Lebens zurecht. Malen Sie sich bei jedem Einschlafen Ihr pralles Leben in den schillerndsten Farben und blumigsten Düften aus. Stellen Sie sich vor, dass alles schon genau so ist, wie es Ihren Bedürfnissen perfekt gerecht wird. Im unterbewussten Langzeitgedächtnis sind bereits viele Lösungsmöglichkeiten abgespeichert, die wir noch gar nicht kennen. Durch Ihre Fantasiereisen werden diese unterbewussten Strategien freigesetzt und dringen nach und nach ins Bewusstsein. Plötzlich sind Sie im Alltag viel sensibler für Hinweisreize und Angebote, die Sie Ihrem neuen Leben näher bringen. In der Wissenschaft sprechen wir von „Priming“, der Aktivierung von Bewusstseinsinhalten. Sie werden innerhalb von einer Woche Ergebnisse bekommen!

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