Die Nerven liegen blank, es ist zum Ins-Lenkrad-Beißen. Jeden Morgen das gleiche Drama – Stau! In Nordrhein-Westfalen rollt’s seit Wochen nicht mehr rund. Tausende Pendler sind vom Autobahn-Chaos betroffen.
Auch in den Städten sieht es nicht besser aus. Wir sprachen mit Verkehrsexpertin Jacqueline Grünwald vom ADAC und erklärt die 15 größten Stau-Gründe.
Immer mehr Brummis auf unseren Straßen. „Lkw-Unfälle sind der Hauptgrund für große Staus auf der Autobahn. So ein 40-Tonner walzt einfach viel kaputt“, erklärt Jacqueline Grünwald vom ADAC. Die Bergung von Lkw und deren Ladung ist sehr zeitintensiv. Zudem sind enorm viele Personen und spezielle Geräte nötig.
Allein im Kölner Raum gibt es derzeit mehr als 40 Autobahn-Baustellen, im Raum Düsseldorf 30. In den Städten sieht es noch schlimmer aus. Auf der Internetseite des Bundesverkehrsministeriums gingen bis gestern über 1.160 Beschwerden über „Bummel-Baustellen“ ein. Die meisten davon aus NRW. Doch die Straßen-Behörden behaupten, dort werde nicht getrödelt.
„Es kann nicht sein, dass am einen Tag ein Unternehmen die Straße aufreißen lässt, wieder zumacht und eine Woche später kommt die nächste Firma und reißt alles wieder auf“, kritisiert Grünwald. Der ADAC fordert daher einen Baustellen-Manager.
„Im November und Dezember sind besonders viele Leute auf der Straße, kaum jemand hat jetzt Urlaub“, so die Verkehrs-Expertin. So viele Leute wie sonst nie im Jahr pendeln täglich zur Arbeit.
Der Vordermann bremst, der Hintermann nicht – es knallt. Oft entstehen nur kleine Blechschäden. Doch anstatt die Autos, sofern möglich, an die Seite zu fahren, wird auf die Polizei gewartet. Die Fahrbahn wird blockiert, alle folgenden Pkw müssen die Spur wechseln.
Kleiner Unfall große Wirkung. „Auf der Gegenfahrbahn kann sich schnell ein Stau entwickeln, weil die Menschen sich nicht auf ihre Fahrbahn konzentrieren, vom Gas gehen und gucken“, erklärt die Expertin vom ADAC.
Fahrer, die ständig die Spur wechseln stören den Verkehrsfluss. „Ziel ist die Verstetigung des Verkehrs. Die Geschwindigkeit soll möglichst gleichmäßig sein, wer ständig die Spur wechselt, bringt alles in Ungleichgewicht“, so Grünwald.
Auch wenn die rechte Spur viel Platz bietet, tuckert er mit 80 bis 100 Sachen auf der linken, oder mittleren Spur. Andere Verkehrsteilnehmer werden zum Abbremsen gezwungen, der Verkehr verlangsamt sich.
In weiter Ferne begrenzt ein Schild die Geschwindigkeit und schon geht der „Abbremser“ voll in die Eisen. Alle hinter ihm müssen ebenfalls stark abbremsen.
„Schon in der Fahrschule lerne ich, dass die Kreuzung auch bei grüner Ampel frei bleiben muss, wenn sich die Autos vor mir stauen“, erklärt Jacqueline Grünwald. Ansonsten erliegt der Verkehr im gesamten Bereich der Kreuzung.
Die große Masse der Autos wälzt sich gerade im Berufsverkehr über die gleichen Straßen. Gerade die Abbiegespuren sind oft zu kurz und daher überlastet. Folge: Auch die Pkw, die geradeaus wollen, kommen nicht voran.
Sie bringen Steuergelder, aber auch viel Verkehr mit in die Innenstädte: Große Unternehmen, haben viele Mitarbeiter, folglich entsteht viel Verkehr vor ihren Toren. „Ziel muss es sein, diese an den Stadtrand zu verlagern“, so Grünwald.
Gerade in Großstädten sieht man ihn immer wieder – den Ortsunkundigen. Sein Blick ist auf sein Navi gerichtet. Der Verkehr ist zweitrangig. Hektische Überhol-, Wende- und Bremsmanöver sind die Folge.
Tannenbaum auf der Fahrbahn, Holzlatten auf dem Asphalt– verlorene Ladung sorgt immer wieder für gefährliche Verkehrsbehinderungen. Der ADAC rät auch Pkw-Fahrern: Große Ladung immer sorgfältig mit Gurten sichern.
Winterzeit ist Nebelzeit, und viele wissen nicht, wie sie sich zu verhalten haben, bremsen stark ab und blenden die anderen Verkehrsteilnehmer mit dem fälschlicherweise eingeschalteten Fernlicht.
Die Zeit rennt davon, und Sie kommen keinen Meter vorwärts. Für viele ist Stau purer Stress. Und das ist nicht gesund. Lesen Sie hier, wie Sie stressfrei ankommen.
Langsam und tief einatmen, Luft anhalten, langsam durch den Mund ausatmen.
„Nehmen Sie ausreichend zu Trinken mit und etwas zu essen“, rät Jacqueline Grünwald vom ADAC.
Oft kommt die Wut aus einem selbst, das Umfeld ist meist nur ein Auslöser.
Rufen Sie rechtzeitig bei ihrem Arbeitgeber an und geben Sie Bescheid, dass sie wahrscheinlich etwas später kommen. So nehmen Sie sich den Druck.
Schreien Sie Ihre Windschutzscheibe an, hauen Sie mit der Faust auf den Lenker. Aber nur kurz – und dann lachen Sie darüber.
Musik vermittelt starke Emotionen. Mit beschwingten oder sphärischen Klängen, ruhigem Jazz oder Lounge-Musik können Sie Stress vertreiben.
Sie können die eigene Leistungsfähigkeit steigern, reduzieren Aggressionen und bauen Stress ab.
In NRW staute es sich 2010 auf insgesamt 135.000 Kilometern.
Dem ADAC wurden 57.000 Staus für das Bundesland gemeldet, bundesweit waren es sogar 400.000. Viele Rheinländer ärgern sich über die täglichen Staus auf dem Kölner Ring oder zwischen Leverkusen und Düsseldorf.
Es geht noch schlimmer: Laut Guinness Buch gab es 1980 einen Stau zwischen Paris und Lyon: 176 Kilometer. Am 11. Juni 2009 zog sich ein Stau von 293 Kilometern durch das Straßennetz im Großraum São Paolo. In Moskau wurden 2009 aufgrund von Schnee rund 900 Kilometer Stau gemeldet.
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