Empfehlen | Drucken | Kontakt13.02.2012 - 11:56 Uhr

Zwischenbericht zum Archiveinsturz: Staatsanwaltschaft entlastet die KVB...

Von ROBERT BAUMANNS
Die Severinstraße am Tag nach dem Einsturz des Archivs – zwei Menschen starben dabei.
Die Severinstraße am Tag nach dem Einsturz des Archivs – zwei Menschen starben dabei.
Foto: dpa
Köln –  

Am 3. März jährt sich zum dritten Mal das verheerende Unglück vom Waidmarkt, bei dem das Historische Archiv der Stadt Köln einstürzte und zwei junge Männer ihr Leben verloren. Nach EXPRESS-Informationen verdichten sich einem Zwischenbericht der Staatsanwaltschaft zufolge die Hinweise auf massive Verstöße der beteiligten Baufirmen mit Bilfinger Berger an der Spitze. Die KVB werden entlastet.

Wie EXPRESS erfuhr, haben KVB-Bauüberwacher die Baufirmen bereits am 6. Mai 2005 – als gerade die ersten Lamellen der Schlitzwand am Waidmarkt gebaut worden waren – in einer Mängelanzeige auf Fehler und mangelnde Sorgfalt beim Bau der Schlitzwand hingewiesen und Mängelbeseitigung gefordert. Dies geschah in den darauffolgenden Jahren häufiger – zuletzt am 27. Februar 2009, als es um Wassereintritt an der Lamelle 11 ging.

Nach EXPRESS-Informationen soll der Bericht der Ermittler keine Feststellungen zu Lasten des KVB-Vorstandes enthalten. Das dürfte vor allem den geschassten Walter Reinarz freuen. Er war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Die Baufirmen indessen haben dem Vernehmen nach mehrfach aufgetretene Mängel und Schäden verschwiegen, sie sogar durch vorsätzliche Manipulationen vertuscht und dadurch die Bauüberwachung der KVB bewusst hintergangen. So wurden häufig diverse Messprotokolle gefälscht, um scheinbar ordnungsgemäße Arbeiten zu dokumentieren.

Die U-Bahn-Baugrube am Waidmarkt: Deutlich kann man die Schlitzwand erkennen.
Die U-Bahn-Baugrube am Waidmarkt: Deutlich kann man die Schlitzwand erkennen.
Foto: Udo Gottschalk

Belegt ist auch, dass nach dem Hindernis mit einem 60 Zentimeter schmaleren Greifer gebaggert wurde und dieser von der Firma Bilfinger Berger selbst stammte. Zudem hegen die Ermittler den Verdacht, dass der Bewehrungskorb (Metallkonstruktion zur Stabilisierung) dieses Schlitzwandelements abgeschnitten wurde, um ihn passend zu machen. Auch wird bezweifelt, ob tatsächlich die Menge Beton verfüllt wurde, die im Protokoll steht. Weiter sei fraglich, ob überhaupt bis zur erforderlichen Tiefe ausgebaggert wurde.

Ob und wie sehr vertuschte Baumängel zur Katastrophe geführt haben, wird derzeit ermittelt. Ab Juli wird 14 Monate lang ein „Beweissicherungsbauwerk“ gebaut, über das Gutachter die Lamelle 11 bis in 30 Meter Tiefe, wenn nötig auch tiefer, inspizieren können.

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