Er kam, sah – und war tief beeindruckt: Bundespräsident Christian Wulff (51) besuchte am Dienstag zum Auftakt seiner Köln-Visite das neue „Restaurierungs- und Digitalisierungszentrum“ (RDZ) des Historischen Archivs in Porz.
Bei Möbel Porta in Porz-Lind gingen kein Sofa und keine Küche mehr raus – eineinhalb Stunden lang war alles gesperrt, herrschte höchste Sicherheitsstufe, als sich der Bundespräsident in einer ehemaligen Möbelhalle (10.000 Quadratmeter) die Arbeit des RDZ erläutern ließ.
Wulff ist Schirmherr der Stiftung Stadtgedächtnis. „Dadurch erhoffen wir uns einen Schub an Aufmerksamkeit für die Arbeit des Archivs“, sagte Oberbürgermeister Jürgen Roters (SPD).
„Ich bewundere, wieviel Engagement die Stadt hier zeigt“, sagte der Präsident im Gespräch mit Roters, Archivleiterin Dr. Bettina Schmidt-Czaia und Chefrestauratorin Nadine Thiel. „Ich bin begeistert, wieviel bereits fertig geworden ist.“
Pate fürs Erste Eidbuch
Auch mit den Fach- und Hilfskräften des RDZ sprach Wulff und ließ sich Labors und Werkstätten zeigen. Hier wird beschädigtes Archivgut gesichtet, restauriert, zu Einheiten zusammengefasst und digital gespeichert. Besonders interessierte Wulff das Erste Eidbuch des neuen Kölner Rates aus dem Jahr 1396, für dessen Restaurierung ihm Kulturdezernent Georg Quander eine Patenschaftsurkunde überreichte.
Nachdem sich die gepanzerte Bundespräsidenten-Kolonne (BMW 7er) von Porz den Weg in die Trinitatis-Kirche in der City geschlängelt hatte, hielt Margot Käßmann in Gedenken an NS-Widerstandskämpferin Freya von Moltke, die gestern 100 Jahre alt geworden wäre, eine Predigt über die Freiheit – und bekam lang anhaltenden Applaus.
Wulff fuhr mit KVB-Bus
Dann ein absolutes Novum: Der Bundespräsident, der noch am Vormitag in Berlin das Belgische Königspaar zu Gast hatte, stieg in die KVB – und fuhr mit einem speziell bereitgestellten Bus samt Anhang ins Historische Rathaus. „Er wollte ein gemäßigtes Tempo und auch einen Halt bei roten Ampeln“, erzählte ein Polizist. „Er wollte etwas von Köln sehen.“ Der Busfahrer heißt übrigens sinnigerweise so wie Wulffs Vorgänger: Köhler, allerdings Rudolf.
Beim feierlichen Empfang mit Mitgliedern von Rat, Verwaltung und Freunden und Förderern der Freya von Moltke-Stiftung dankte OB Jürgen Roters dem Bundespräsidenten, der sich in das Goldene Buch eintrug, für den Besuch und die damit verbundene Aufmerksamkeit für Köln.
Wulff antwortete mit einem verschmitzten Lächeln, dass er ja bereits mehrmals in Köln gewesen sei, aber für einen offiziellen Antrittsbesuch noch nicht in Düsseldorf. „Köln hat eben viel zu bieten“, so Wulff.
Freya-von-Moltke-Schule
Und dann sorgte der Bundespräsident für eine Anregung, die noch den Kölner Rat beschäftigen dürfte: Eine Kölner Schule solle nach Freya von Moltke benannt werden.Diese Schule könne stolz auf sie sein. Von Moltke sei „eine große Bürgerin Kölns“ gewesen.
Mit dem Bus ging es dann weiter zum Festakt in die IHK. Hier trug sich Wulff ins Gästebuch ein, IHK-Präsident Paul Bauwens-Adenauer dankte für die Ehre. Roters in seiner Festansprache, dass am Deichmann-Haus direkt vis-a-vis zum Hauptbahnhof nun zeitnah eine Erinnerungstafel angebracht werde: „Die Rückkehr Freya von Moltkes ist eine Ehre - für Köln!“ Später startete dann Wulff mit einer Bundeswehrmaschine in den dunklen Kölner Nachthimmel.
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