Empfehlen | Drucken | Kontakt24.08.2009 - 00:00 Uhr

Haltestelle „Riehler Heimstätten“: Warten auf den Bus, der niemals kommt

Von INGE WOZELKA
Nicht demenzkranke Bewohner der „Riehler Heimstätten“ testen die neue, von KVB und der Firma JC Decaux gestifteten Haltestelle.
Nicht demenzkranke Bewohner der „Riehler Heimstätten“ testen die neue, von KVB und der Firma JC Decaux gestifteten Haltestelle.
Foto: Fouad

Köln – Sie sieht aus wie jede andere KVB-Bus-Haltestelle auch: Wartehäuschen, Fahrplan, Papierkorb. Und doch hält hier nie ein Bus.

Die Haltestelle „Riehler Heimstätten“, die am Montag feierlich „eröffnet“ wurde, ist nur eine Attrappe. Sie soll Demenz-Kranke beruhigen.

Menschen mit Demenz kennzeichnet die Ruhelosigkeit. „Sie verspüren einen regelrechten Drang nach draußen“, sagt Gabriele Patzke, Heimleiterin des städtischen Seniorenzentrums.

Typisch ist da auch die Idee, „nach Hause“ fahren zu wollen - selbst wenn sie seit Jahren im Seniorenzentrum leben. Wie Else Hilcher (73, Namen geändert). Sie fragt regelmäßig: „Wie komme ich nach Ehrenfeld?“

„Dort hat sie ihr Leben verbracht. Der Drang nach Hause, in die »guten Jahre« zurückzukehren, ist sehr groß,“ weiß Gabriele Patzke.

„Wenn Frau Hilcher sich jetzt wieder nach Ehrenfeld sehnt, können wir ihr ruhigen Gewissens sagen: »Kommen Sie, wir gehen zur Bushaltestelle«“, freut sich Otto B. Ludorff, Chef der Sozial-Betriebe-Köln. „Wir wissen, dass ihr dort nichts passiert.“

„Die Bushalten sind für Menschen mit Demenz etwas, was sie aus der Zeit ihres gesunden Lebens wiedererkennen. Es kann sein, dass Frau Hilscher da sitzt, den Grund aber längst wieder vergessen hat,“ ergänzt Pflegedienstleiterin Maria-Anna Pauli.

Wie Hilde Bauer (82, Name geändert). Ihr Mann ist seit Jahren tot, trotzdem will sie ihn besuchen. Jetzt sitzt sie an der neuen Bushalte. Als ein Pfleger kommt, um sie in ihr Zimmer zu bringen, fragt sie freundlich: „Müssen wir wieder gehen?“

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