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Verdrängt & gemobbt: Bodybuilder: Unsere Muckis will keiner mehr sehen!

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25 Jahre hartes Training und dosiertes Kraftfutter formten diesen Körper.
25 Jahre hartes Training und dosiertes Kraftfutter formten diesen Körper.
 Foto: Udo Gottschalk
Köln –  

Die Evolution macht vor niemandem halt. Auch nicht vor den Stärksten. In Kölner Fitness-Studios werden ernsthafte Bodybuilder verdrängt und gemobbt – obwohl sie den Fitness-Boom damals in Gang setzten.

Einer von ihnen ist Tony Schmitter. Er sagt: „In den heutigen Studios wird nicht mehr richtig trainiert, sondern viel gequatscht oder auf Handys getippt. Wahre Athleten wie wir sterben langsam aus.“

Muskel-Tony ist nicht irgendwer – mehr als 30 Meisterschafts-Pokale und Statuen füllen seine Vitrinen. Kölner Meister, NRW-Meister, Deutscher Meister war er. Eisenhart hatte er als Vertreter Kölns täglich dafür trainiert.

Doch statt Respekt und Anerkennung schlugen ihm oft dumme Sprüche entgegen: „Die einen beschwerten sich, weil ich so laut atme. Andere beschwerten sich, weil ich beim Training schwitze. Einige blockierten die Geräte, indem sie schnell ein Handtuch drauflegten und dann Stress machten.“

Tony war 1996 Kölner und 2006 Deutscher Meister.
Tony war 1996 Kölner und 2006 Deutscher Meister.
 Foto: Udo Gottschalk

In anderen Studios wurde es nicht besser. Im Gegenteil: Dort, so Schmitter, wurde oft schon am Empfang signalisiert, dass man an »Muskelprotzen« kein Interesse habe. Das würde die Kundschaft sicherlich stören. Auch hätten inzwischen Hightech-Maschinen die alten, freischwingenden Hanteln und Eisengewichte ersetzt.

Kurz gesagt: Das Biotop für Bodybuilder wie Schmitter ist immer kleiner geworden. Die Wellness-Zone für Leute, die Spaß und Unterhaltung beim Training suchen, dagegen immer größer: Rund 100.000 Kölner, so ein Branchenexperte, sind in den etwa 120 Kölner Studios angemeldet. Der Anteil an Bodybuildern dürfte im Promille-Bereich verschwinden.

„So ein Athlet würde bei uns natürlich nicht abgewiesen werden“, so Stephan Ehritt, Sprecher des ASV Köln. „Aber klar ist: Er würde sich hier ziemlich einsam fühlen.“ Zuflucht fand der Inhaber des „Body-Store“, eines Fachhandels für Sporternährung, am Bonner Wall.

„FIBO” trennt Muckis und Fitness

Nach 23 Jahren kehrt die „FIBO“, die Internationale Leitmesse für Fitness, Wellness und Gesundheit, von Essen nach Köln zurück. Am 11. April geht’s los. Aber: Die Veranstalter haben die Bodybuilder vom normalen Fitness-Publikum getrennt und dafür die „FIBO Power“ ins Leben gerufen.

Slogan: „Europas größter Treffpunkt der Bodybuilding-, Kraftsport- und Kampfsportszene.“ Wie EXPRESS erfuhr, soll es in der Vergangenheit schwer gewesen sein, die gesundheitsorientierten Fitness-Experten mit den „schweren Jungs“ zusammenzubringen. „Das war weder dem einen, noch dem anderen angenehm“, so FIBO-Sprecher Dr. Mike Seidensticker.

Indessen wächst die Fitnessbranche enorm: „Wir haben bundesweit in rund 6.000 Studios etwa 7,2 Millionen Mitglieder. Das sind mehr Aktive als in allen Fußballvereinen.“

Im „Kraftpunkt“-Keller ist die gute, alte Mucki-Bude noch am Leben. Rauer Charme, reihenweise unkaputtbare Geräte, bis zu 63 Kilo (!) schwere Einzel-Hanteln. Hier stemmt Tony jeden Morgen stundenlang Gewichte, unter denen sich die Stangen biegen und anderen Pumpern der Atem stockt.

Auch im Alltag gehen die Belastungen für ihn weiter: „Viele fühlen sich von meinem Körper provoziert. Fragen mich frech, ob das Natur oder Anabolika ist. Wildfremde grapschen mich an, wollen mal den Bizeps drücken. Oder werden aggressiv. Neulich ging einer mit dem Messer auf mich los...“ Bodybuilder in Köln, scheinbar eine ungeliebte Spezies.

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