Empfehlen | Drucken | Kontakt19.11.2008 - 00:00 Uhr

U-Bahn-Haltestelle Ebertplatz: Bau-Skandal um niedrige Bahnsteige

Von R. BAUMANNS und C. MERTING
Kazimierz Kielar kommt  nach dem Umbau der Haltestelle Ebertplatz nicht in die Bahn. Der Bahnsteig liegt zu tief.
Kazimierz Kielar kommt nach dem Umbau der Haltestelle Ebertplatz nicht in die Bahn. Der Bahnsteig liegt zu tief.
Foto: Schwaiger

Köln – Monatelang war die U-Bahn-Haltestelle Ebertplatz eine Baustelle. Das Ziel: ein behindertengerechter, barrierefreier Zugang zu den U-Bahnen. Doch das ging in die Hose.

Die Stadt hat 14 Millionen Euro für den Umbau ausgegeben. So wurden Bahnsteige aufgestockt, um einen ebenerdigen Zugang für Rollstuhlfahrer, Gehbehinderte, Mütter mit Kinderwagen oder Senioren mit Rollator zu den Hochflurbahnen zu ermöglichen.

EXPRESS hat nachgemessen - es fehlen zehn Zentimeter.
EXPRESS hat nachgemessen - es fehlen zehn Zentimeter.
Foto: Schwaiger

Dieses Ziel wurde um bis zu 10 Zentimeter verfehlt. Die neuen Bahnsteige sind zu niedrig geraten! Jetzt liegen die Stadt als Auftraggeber und das ausführende Bauunternehmen Hochtief im Clinch.

„Wir gehen davon aus, dass unsere Baupläne richtig sind und es sich um einen Einbaufehler handelt“, sagt Gerd Neweling, Chef des Amtes für Brücken- und Stadtbahnbau.

„Wir verhandeln mit der Firma und haben sie aufgefordert, ein Überarbeitungskonzept vorzulegen.“ Hochtief wollte sich nicht äußern.

Der Kaufmanns-Azubi Kazimierz Kielar (22) ist einfach nur entsetzt: „Der Ebertplatz ist einer der wichtigsten Umsteigepunkte der Stadt“, sagt der Rollstuhlfahrer. „Es hat alle Menschen mit Behinderung gefreut, dass die Station endlich barrierefrei werden soll. Dieser Murks ist echt peinlich.“

Ein bisschen tiefer als die Bahn muss die Bahnsteigkante immer liegen, damit bei vollbesetzter (also schwerer) Bahn die Ausstiegsebene nicht unterhalb der Bahnsteigkante liegt. „Erlaubt sind bei Niederflurwagen maximal fünf Zentimeter, wir haben aber zehn gemessen“, so Neweling.

Ende Februar 2009 soll der gesamte Umbau fertig sein. „Und damit auch die Überarbeitung der fehlerhaften Höhenunterschiede“, verspricht Neweling. „Entweder werden die Bahnsteige angehoben oder die Gleise tiefergelegt.“ Die Kosten liegen wohl im sechsstelligen Bereich. Unklar ist noch, wer das zahlt.

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