Es ist eine Oper, die alles sprengt, was in Köln jemals aufgeführt wurde. "Sonntag aus Licht" von Karlheinz Stockhausen feiert Samstag und Sonntag Weltpremiere im Staatenhaus der Messe. Sie ist seit Monaten ausverkauft. EXPRESS besuchte die Proben.
Die Sänger(innen) stehen im Wasser, ein Spielzeug-Boot braust vorbei, plötzlich geht ein riesiges futuristisches Zeichen in Flammen auf. Düster anmutende elektronische und Orchester-Klänge der "musikFabrik" mischen sich mit den Chorstimmen. Auf riesigen Leinwänden sieht man Instrumente, Zeichen, Licht- und Farbprojektionen.
Das alles und noch viel mehr bietet die Oper "Sonntag" in der Inszenierung des Spaniers Carlus Padrissa. Sie ist technisch extrem aufwendig und muss in zwei Teilen an zwei Tagen gezeigt werden. Zwischen zwei Sälen kann das Publikum bei der Oper hin- und herwandern.
Los geht es mit der Szene "Lichter-Wasser": Das Publikum liegt in Liegestühlen und sieht zur Musik 3-D-Bilder. Es folgen die "Engel-Prozessionen", bei denen der Chor durchs Publikum wandelt und a cappella singt. Bei "Licht-Bilder" wird mit Gebetsgesten und Projektionen gearbeitet.
Tag zwei des Stockhausen-Wahnsinns eröffnet mit "Düfte-Zeichen", bei denen die Sänger(innen) mit Räucherkerzen aus aller Welt auftreten. Und schließlich "Hoch-Zeiten", bei dem fünf Chöre (aus Kostengründen vom Band) in fünf Sprachen singen und gleichzeitig fünf Orchester spielen.
Stockhausen (79) hat seinen Opernzyklus "Licht" Gott gewidmet. Die sieben Teile - 30 Stunden - sind nach den Tagen der Woche benannt, komponiert von 1977 bis 2005. Hauptfiguren sind Luzifer, der Engel Michael und Urmutter Eva. "Sonntag" ist der Tag der mystischen Vereinigung Michaels und Evas.
Der weltberühmte Kölner Komponist, der die Beatles, Kraftwerk und Can beeinflusste, starb am 5. Dezember 2007 in Kürten.
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