Köln - Nach den jüngsten Skandal-Enthüllungen zur U-Bahn-Katastrophe wird die Kritik an den Kölner Verkehrs-Betrieben immer heftiger. Für viele Kölner steht das Kürzel KVB inzwischen für Kölner Vertuschungs-Bande - der Ruf nach Konsequenzen wird immer lauter.
Fakt ist: Die KVB-Chefs, Jürgen Fenske (SPD) und Walter Reinarz (CDU), haben spätestens am 12. März gewusst, dass es in der Baugrube am Waidmarkt bereits sechs Monate vor dem Unglück erhebliche Grundwasser-Probleme gegeben hatte.
Sie haben geschwiegen. Inkompetenz oder bewusste Vertuschung? "Das muss sich noch zeigen", so OB Fritz Schramma.
SPD und die Linkspartei forderten am Wochenende den Rücktritt von Reinarz. Für ihn ein Déjà-vu-Erlebnis. Vor fast genau einem Jahr geriet der Technik-Vorstand schon einmal unter Druck. SPD und Grüne wollten ihn bei der KVB absägen, weil sie dies mit dem Posten als CDU-Chef für unvereinbar hielten.
Als politische Gegner aus der eigenen Partei dann Reinarz' großzügige KVB-Ruhestands-Regelungen an die Öffentlichkeit brachten, trat er ab - als ehrenamtlicher Parteichef. SPD und Grüne bestätigten ihn dafür als KVB-Manager. An den Ruhegeldern - Reinarz bekäme bei Ausscheiden aus der KVB rund 220.000 Euro im Jahr - änderten sie nix. Ein Problem, was bald wieder akut werden könnte.
Naturgemäß fordert nun die CDU, die Rolle von Werner Böllinger zu untersuchen. Der Sozialdemokrat war bis zum Jahreswechsel KVB-Chef und trage daher auch Verantwortung. Der Pensionär Böllinger will im Herbst in den Kölner Stadtrat.
Sein Nachfolger an der KVB-Spitze wurde ebenso traditionsgemäß ein Genosse: Jürgen Fenske. Der frühere Büro-Leiter von Peer Steinbrück studierte Geschichte und Germanistik und muss sich nun für höchst komplexe Technik-Pannen rechtfertigen.
All das zeigt: Die KVB sind ein zutiefst politisch durchwirktes Unternehmen. Auch in den Aufsichtsrat senden die Ratsparteien ihre Leute. In dem Kontrollorgan sitzt Baudezernent Bernd Streitberger (CDU), der die Bau-Probleme aus dem September seinem Dienstherren Schramma ebenfalls verschwiegen hat. Ob dies disziplinarrechtliche Konsequenzen hat, wird derzeit geprüft.
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