Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Welt sowie Neues vom Sport und der Welt der Promis.

Sexuelle Übergriffe: „In was für einer Stadt leben wir eigentlich?“

Demo Domplatte 1

Zahlreiche Frauenrechtsorganisationen hatten zu der Demo aufgerufen.

Köln -

Unter dem Motto „wir haben die Schnauze voll“ haben sich am Dienstagabend auf der Domplatte ca. 200 Frauen zu einer Kundgebung gegen Gewalt an Frauen versammelt.

Die Gruppe „Kölsche Mädchen gegen Seximus“ hatte auf Facebook zu der Veranstaltung aufgerufen.

Viele Frauen fühlten sich aufgrund der Vorkommnisse in der Silvesternacht am Kölner Hauptbahnhof in ihrer Sicherheit eingeschränkt. Entsprechend aufgeheizt war die Stimmung.

Protest gegen sexuelle Gewalt
Köln, 06.01.16: Am Dienstagabend haben sich rund 200 Menschen vor dem Dom versammelt, um gegen Gewalt gegen Frauen zu protestieren. Die Demo war spontan von verschiedenen Bündnissen ins Leben gerufen worden. Die Botschaft war klar: Übergriffe, wie sie in der Silvesternacht passiert sind, will man sich nicht gefallen lassen.

„Gewalt gegenüber Frauen ist absolut inakzeptabel“

Margrit Schnetgöke (54), Beraterin bei „Lila“, einem Bündnis autonomer Frauenprojekte gegen Gewalt an Frauen und Mädchen, forderte von der Polizei, strikt gegen die organisierten Banden vorzugehen, die systematisch Gewalt gegen Frauen ausüben.

„Die Polizei muss aufklären, wer diese Täter sind und sie dann strafrechtlich verfolgen. Egal, wo diese Männer herkommen, Gewalt und sexuelle Übergriffe gegenüber Frauen sind absolut inakzeptabel“, sagte Schnetgöke.

Demo Domplatte 2

Die Anliegen der Frauen: Die Täter sollen gefunden werden. Die Politik muss die Stadt sicherer machen. Männer sollen mithelfen, Gewalt gegen Frauen zu bekämpfen.

Warum kam den Frauen keiner zur Hilfe?

Die Rednerin Behshid Najafi von der Organisation AGISRA, Beratungsstelle für Migrantinnen und Flüchtlingsfrauen, zeigte sich besonders entsetzt darüber, dass den Opfern niemand zur Hilfe kam.

„In was für einer Stadt leben wir eigentlich?“, schrie sie ins Mikrofon, „wie kann es sein, dass so viele Frauen an einem so großen Platz offen belästigt werden und niemand zur Hilfe kommt?“

Sie warnte aber auch vor rechten Ressentiments: „Die Täter müssen gefunden werden, aber es darf keinen Rassismus unter dem Deckmantel von Frauenrechten geben.“

Demo Domplatte 3

Elfie Scho-Antwerpes bei der Demo am Dom.

Keine Hetze gegen Ausländer

Auch Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes sprach bei der Demo. „Mich hat auch einmal ein Antänzer nahe der Philharmonie angegangen. Ich konnte mich noch wehren, aber gerne gehe ich da nicht mehr entlang. Ähnlich muss es auch den Frauen gehen, die an Silvester am Hauptbahnhof angegangen wurden“, sagte sie.

Und weiter: „Wir müssen darauf achten, dass Rechte diese Geschehnisse nicht für Hetze ausnutzen und Gewalt schüren. Leider überwiegen die negativen Reaktionen zu den Vorkommnissen die positiven. Ich hoffe, dass das nicht lange anhält. Wir müssen miteinander reden und Präventionsarbeit leisten.“

Ähnlich sah es auch eine Frau aus dem Publikum. Sie möchte auch die Männer mit ins Boot holen.

„Ich bin betroffen und entsetzt. Aber ich glaube, wenn wir zusammen dagegen vorgehen, können wir es schaffen. Die Lösung ist, dass die Männer uns helfen, mitmachen beim Kampf gegen Sexismus und Gewalt gegen Frauen.“

(flx)