Köln - Es braucht manchmal nicht viel, um 100 Polizisten auf die Beine zu kriegen. Am Dienstag reichten dazu zwei Zeugen und ein Arbeiter, „bewaffnet“ mit Kippchen und Wasserwaage - die Polizei-Posse von der Hofburg!
Am Dienstagmorgen, kurz vor Neun beobachteten zwei Passantinnen (42, 52) eine Person auf dem Dach des Hotels „Pullman“. In der Hand der Person: etwas Längliches, vermutlich ein Gewehr - so die Aussage.
Die 52-Jährige rief folgerichtig die Polizei. Und wegen der gleich zwei Augenzeugen schmiss man im dortigen Führungsstab einen Großeinsatz an: Scharfschützen-Alarm in der Innenstadt!
Vier Zivilkräfte rasten sofort zum Hotel an der Helenenstraße, sicherten im 11. Stock die Zugänge zum Dach ab. Oben war zwar zunächst niemand zu sehen. „Durch eine Vielzahl von aufgestellter Klimatechnik hätte sich die Person aber leicht verbergen können“, so Polizeisprecher Wolfgang Baldes.
Während ganz oben ein Polizeihubschrauber knatternd das Dach im Blick hielt, sammelten sich unten zig Einsatzkräfte. Die umliegenden Straßen wurden für Autos abgesperrt. Waffen- und technikbeladene Sondereinsatzkräfte (SEK) machten sich zum Sturm aufs Dach bereit. Denn: Wegen der Nähe zum Regierungspräsidium und dem Bankenviertel gilt die Ecke als sensibler Bereich.
Beamte gingen Zimmerlisten nach Verdächtigen durch, checkten jeden Gast, der heraus wollte. Inmitten des Hotels dürften währenddessen ein paar Arbeiter stirnrunzelnd über ihr letztes, außerplanmäßiges Päuschen nachgedacht haben.
Das SEK fand beim folgenden Sturm niemanden auf dem Dach vor. Stattdessen entdeckte man ein paar frische Zigarettenkippen, Trinkflaschen. Weiter fand man heraus, dass sich zuvor Arbeiter im oberen Bereich des Hotels aufgehalten hatten, die da eigentlich nix zu tun gehabt haben. „Wir gehen davon aus, dass die oben eine Pause gemacht haben“, so Sprecher Baldes. Das tat einer der Männer vermutlich mit einer Wasserwaage oder ähnlichem Werkzeug in der anderen Hand.
Weil sich sonst keine Anzeichen für eine Bedrohung fanden, wurde der Einsatz von annähernd 100 Beamten gegen 12.30 Uhr abgebrochen. Der „Wasserwaagen“-Schütze wider Willen konnte nicht ermittelt werden. „Von den befragten Arbeitern will es niemand gewesen sein“, so der Polizeisprecher.
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