Empfehlen | Drucken | Kontakt13.12.2010 - 11:00 Uhr

Zwei Menschen überleben in Brühl: Robertas Spürnase fand Tobias (12)

Von OLIVER MEYER, PHLIPP J. MECKERT, HENDRIK PUSCH
Spürnase Roberta fand den zwölfjährigen Tobias
Köln/Brühl –  

Es ist ein trauriges Wunder inmitten des Dramas: Tobias F., der zwölfjährige Sohn der Familie, kann leicht verletzt aus den Trümmern seines Elternhauses geborgen werden. Das verdankt er Roberta: Die neunjährige Labrador-Hündin gehört zur DRK-Rettungshundestaffel Köln, die beim Unglück im Einsatz ist.

Tobias hatte sich im hinteren linken Bereich des Erdgeschosses aufgehalten. Dort spürt ihn Roberta wenige Stunden nach dem Unglück auf. Auch ihre Kollegin, Hündin Lilla (7), zeigt durch Bellen an, dass ein Mensch verschüttet ist. Die Spürnasen behalten recht. Feuerwehrmänner graben mit bloßen Händen nach dem Verschütteten. Dann nach mehr als einer Stunde Wühlen in den Trümmern: Tobias wird geborgen.

Das Drama von Brühl - die Chronik
Foto: dapd

Samstag, 18.31 Uhr:

Ein ohrenbetäubender Knall, dann fliegen Trümmer durch die Luft. Die Doppelhaushälfte in der Pingsdorfer Straße 131 explodiert. Rettungsteams rasen zum Unglücksort, die Brühler Innenstadt wird gesperrt.

Samstag, 19.33 Uhr:

Der 16-jährige Marc F. kommt nichts ahnend zurück nach Hause. Er erfährt, dass der Rest seiner Patchwork-Familie unter den Trümmern begraben ist.

Foto: dapd

Samstag, 19.35 Uhr:

Die Suche nach den Verschütteten beginnt: Zunächst werden erste Steine dort abgehoben, wo das Wohnzimmer vermutet wird.

Rettungssanitäter legen Tobias vorsichtig in einen Krankenwagen.
Foto: dpa

Samstag, 21.20 Uhr:

Die Hunde schlagen an, es sind Klopfzeichen zu hören. Der 12-jährige Tobias wird mit schweren Verletzungen aus den Trümmern gezogen. Er kommt sofort ins Krankenhaus.

Foto: dapd

Sonntag, 10 Uhr:

Die erste schreckliche Nachricht: Angelika (47) hat die Explosion nicht überlebt. Rettungskräfte entdecken ihre Leiche, sie wird gegen 11.30 Uhr geborgen.

Foto: dapd

Sonntag, 12.38 Uhr:

Noch eine Hiobsbotschaft: Auch Angelikas Lebensgefährte Heinz F. starb. Seine Leiche wird am Mittag entdeckt.

Foto: dapd

Sonntag, 14.25 Uhr:

Es besteht akute Einsturzgefahr: Die Retter müssen die Reste des Hauses  abreißen. Es besteht kaum noch Hoffnung, dass Tochter Darline lebend gefunden wird.

Sonntag, 16.50 Uhr:

Alle Hoffnungen werden enttäuscht: Auch die 10-jährige Darline ist tot. Die Mädchenleiche wird in den hinteren Kellerräumen des Hauses entdeckt.

Sein 16-jähriger Bruder Marc überlebt das Unglück ebenfalls – aus purem Zufall. Im Augenblick der Katastrophe ist er in einem benachbarten Supermarkt einkaufen, er hört die Detonation. Vor Ort wird er sofort von Seelsorgern betreut. Mit Verwandten bleibt er die Nacht über am Unglücksort.

Thomas Schmutzer (42) vom Roten Kreuz, Herrchen von Roberta: „Es ist das erste Mal, dass sie einen lebenden Menschen bei einem Einsatz gefunden hat. Ein schöner Erfolg, denn in drei Monaten geht sie in den Ruhestand.“

Die Suche nach den Verschütteten
Bildergalerie ( 8 Bilder )

Der Hund war unter anderem auch beim Einsturz des Stadtarchives im Einsatz: „Sie hatte damals schon an der Stelle Laut gegeben, an der Tage später die beiden Leichen gefunden worden sind“, erzählt Schmutzer.

„So ein Einsatz ist eine extreme Belastung für die Hunde“, so Staffelleiter Gerd Buch. „Sie können maximal zehn Minuten lang suchen, danach müssen sie sich eine Stunde ausruhen.“ Sie sind ausgebildet, lebende Menschen zu finden. „Aber es kann auch schon mal passieren, dass sie bei einer Leiche anschlagen. “

Am Sonntagnachmittag suchte noch ein Bordercollie in den Trümmern, nachdem ein Leichenspürhund eingesetzt worden war, der aber nicht angeschlagen hatte.

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