Er steht alleine am Grab. Jedes Mal an einem anderen. Hubert Baus ist immer da, wenn die Menschen einsam gestorben sind. Er begleitet sie auf ihrem letzten Weg.
Im schwarzen Anzug, den Hut respektvoll abgenommen, steht er an den Gräbern auf dem Südfriedhof. Hohe Betonsäulen mit Dutzenden von Namen. Hier liegen Menschen, die einsam starben. Nur er gibt ihnen das letzte Geleit: Hubert Baus spricht leise das Vaterunser .
„Als ich vor zwei Jahren Rentner wurde, suchte ich nach einer neuen Aufgabe im Leben“, erzählt der 65-Jährige. „Meine Tochter, die bei einem Bestatter arbeitet, fragte mich, ob ich nicht Lust hätte, mich ehrenamtlich um die Beerdigungen von mittellosen Menschen zu kümmern.“
Die Stadt muss mittlerweile bei jeder siebten Beerdigung einspringen, berichtet Elke Löbel vom Sozialamt. 2009 musste das Ordnungsamt für 563 Kölner die Beerdigung zahlen. Hinzu kamen 970 Fälle, die vom Sozialamt bezahlt wurden, weil die Verwandten sich die rund 2000 Euro teure Bestattung nicht leisten konnten. Insgesamt stieg damit die Zahl der Bestattungen, die von der Stadt getragen werden, um 10 Prozent im Vergleich zu 2008.
Hubert Baus holt die Urnen bei der Bestattungshilfe Köln ab und bringt sie zum Friedhof. „Immer wieder gibt es Schicksale, die mir nahegehen“, erzählt er. „So musste ich vor einiger Zeit ein vier Tage altes Kind bestatten. Es war niemand außer mir da. Und ich habe mich die ganze Zeit gefragt, wo die Mutter war.“
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