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Philipp aus Köln: Mit Super-Prothesen zu zwei WM-Titeln

Er strotzt vor Selbstbewusstsein: Philipp Waßenberg beim Training in Leverkusen. Er meistert sein Leben trotz Handicap, arbeitet schon an neuen Zielen.

Er strotzt vor Selbstbewusstsein: Philipp Waßenberg beim Training in Leverkusen. Er meistert sein Leben trotz Handicap, arbeitet schon an neuen Zielen.

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Klaus Michels EXPRESS Koeln

Köln/Leverkusen -

Tief durchatmen, dann nimmt Philipp Anlauf. Blitzschnell schießt der 15-jährige über die Laufbahn, springt ab – und fliegt durch die Luft. Ein ganz normaler junger Leichtathlet! Könnte man denken.

Aber Philipp ist anders – seit seinem neunten Lebensjahr meistert er sein Leben mit nur einem Bein.

„Na und?“ Sagte er sich damals nach der niederschmetternden Diagnose. Jetzt ist er zweifacher Junioren-Weltmeister – und spielt eine Hauptrolle im neuen Video der „Domstürmer“. Titel: „Minge Wääch“.

Hier gibt's das Video der Domstürmer

Vor knapp acht Jahren humpelte Philipp plötzlich über den Fußball-Platz. „Er hatte unerklärlich starke Schmerzen“, erinnert sich Vater Hans Waßenberg (56). „Dann kam für uns alle die Schock-Diagnose.“

Die Ärzte stellten einen „Osteosarkom“, einen bösartigen Knochentumor, fest. Nach mehreren Operationen stand fest: Philipps rechtes Bein ist nicht mehr zu retten!

„Es klingt zwar blöd: Aber irgendwie war ich froh, dass ich Gewissheit hatte“, erinnert sich Philipp. „Es war nicht einfach, aber ich musste das akzeptieren.“

„Ich gehe meinen Weg!“

Nur wenige Wochen später stand für ihn fest: „Ich gehe meinen Weg!“ Er wollte weiter Sport treiben. Doch nur wie? „In Köln gibt es keine Möglichkeiten für Behindertensportler“, sagt sein Vater. „Da haben wir von einem Schnupperkurs für Menschen mit Handicap bei Bayer 04 erfahren.“

Philipp erhielt neben seiner Prothese für den Alltag auch eine Sportprothese, kam in eine integrative Trainingsgruppe und war von Anfang an Feuer und Flamme.

Viermal pro Woche fahren Papa Hans, Mama Sandra (44) und Opa Ernst (72) ihn zum zweistündigen Training. Mit Erfolg: Im letzten Jahr schaffte Philipp in Puerto Rico die Überraschung, wurde im Weitsprung (4,79 Meter) WM-Dritter, im 100-Meter-Sprint (14,63 Sekunden) und über 200 Meter (30,81 Sekunden) Junioren-Doppel-Weltmeister.

„Das hat mich umgehauen“, freut sich der Fan des 1.FC Köln. „Ich wurde in der Schule geehrt – ein echt komisches Gefühl.“

Durch die Ehrung wurden auch die Domstürmer, die Mittwochabend im Sport-und Olympiamuseum ihr neues Video „Minge Wääch“ präsentierten, auf Philipp aufmerksam. „Ich finde es bedenklich, wenn Behinderte immer noch als etwas Besonderes angesehen werden. Sie müssten normal integriert sein, nach dem Motto: Na und!“, begründete Sänger Micky Nauber (43) die Aktion.

Philipp Waßenberg hat das Motto zur Lebensphilosophie gemacht. „Ich will weiter hart trainieren und irgendwann mal bei den Paralympics sein. Vielleicht schon 2016 in Rio“, hat er seinen Weg schon geplant.