Das bringt nur „Brings“: Vor zehn Jahren schaffte die Kölner Band den Umschwung von Rockmusik mit sozialkritischen Songs hin zur massen- und vor allem saaltauglichen Karnevalsmucke.
Raketen im Gürzenich statt Rock am Ring, hieß nun das Motto. Ein eingängiger Song war das Sesam-Öffne-Dich in die neue Welt der Sitzungen, Stippeföttche und Alaafs:
„Superjeilezick“ - ein Megahit, nicht nur im Fasteleer. Es folgten weitere Kracher wie „Popppe, Kaate, Danze“, „Man müsste nochmal 20 sein“ und „Halleluja“. Das Herz von Brings sind die Brüder und Gründer Peter und Stephan Brings (46 und 45).
Vor ihren über 200 Auftritten der endlos langen Session 2010/2011 spielen sie mit Christian Blüm, Harry Alfter und Bütten-Kracher Marc Metzger 13 Weihnachtsshows im E-Werk.
Stephan: Ja klar, dann können wir in Rente gehen.
Peter: Stimmt: Dann wäre ich 66.
Stephan: Kein Witz! Wir sind in der Künstlersozialkasse, und da sind wir erst mit 67 Jahren rentenberechtigt.
Peter: Ja. Das war vor zehn Jahren genau die Herausforderung, die wir gebraucht haben. Was wir da an Erfolg erreicht haben, das war gut für die Seelen. Wir haben tierisch geackert, aber die Stadt hat uns auch wahnsinnig viel zurückgegeben.
Stephan: Bestimmt nie! Aber gerade über den Karneval kommst du doch an viel mehr Menschen ran. Da hören auch Leute unsere Musik, die wir sonst nicht erreichen würden.
Peter: Ach was! Wenn du das wirklich willst, kannst du das bis ins hohe Alter durchziehen. Aber Stephan und ich waren auch früher schon bürgerlich. Das musste auch so sein.
Peter: Um als Musiker zu überleben. Das ist der Gegenpol zu unserem wilden und manchmal nicht kalkulierbarem Berufsleben.
Stephan: Ich mache es mal an meinen eigenen Kindern fest: Charlotte ist 17, Simon 14. Die leben ein völlig unterschiedliches Leben. Sie hat einen festen Freund. Wenn Charlotte samstags ausgeht, weiß ich nicht, wo die ist, muss ich auch nicht. Bei Simon muss ich extrem darauf achten, was der macht. Aber zur Frage: Bei Peter und mir machte damals selbst das eine Jahr viel aus.
Stephan: Als Peter 14 war, knutschte der schon mit einer Freundin rum, während ich noch mit Indianerpüppchen gespielt habe. Erst durch die Musik sind wir näher zusammengekommen.
Peter: Ich sehe die Gefahr durchaus. An meinen Computern kann ich einstellen, welche Seiten die Kinder öffnen dürfen und welche nicht. Meine Pänz sind zwar so schlau und knacken das. Aber Louis, der ist jetzt 11, der redet mit mir.
Stephan: Charlotte ist eine militante Vegetarierin. Die hat sich neulich im Internet ruckzuck zu einer Demo in Köln gegen Tierpelze mit anderen verabredet, da finde ich das Internet richtig sinnvoll.
Stephan: Wir machen das ja. Am schlimmsten finde ich den Merkel-Spruch: Wir müssen aufpassen, dass die niedrig Beschäftigten nicht weniger bekommen als Hartz-IV-Empfänger. Damit gibt sie öffentlich zu, dass es Menschen gibt, die für dieses jämmerliche Geld jeden Tag acht Stunden arbeiten.
Peter: Das Unheil ist die Einführung der Mini-Jobs. Da können die Unternehmer für kleines Geld Leute einstellen, ohne Sozialabgaben zu zahlen. Die deutschen Politiker haben großes Glück, dass die deutschen Arbeitnehmer sich das alles gefallen lassen, statt denen mal den Stinkefinger zu zeigen.
Stephan: Nein. Das sagen wir auch bei unseren Auftritten. Die Menschen hören zu. Es tut sich was. „Wem gehört die Stadt?“ heißt einer unserer Songs zu dem Thema. In Stuttgart kann man derzeit sehen, dass die Menschen sich das auch fragen.
Peter: Und wir sagen ebenfalls auf der Bühne: Geht wählen. Wer nicht wählt, ist für mich ein Arsch.
Peter: Ich will dich jetzt nicht schocken, aber in der Familie Brings war der Weihnachtsmann imperialistische Scheiße, von Coca-Cola erfunden .
Stephan: Komm, Peter, bis zur Schule haben wir schon an den Weihnachtsmann geglaubt.
Peter: Ich weiß noch, dass uns unser Opa Roboter geschenkt hat, denen konnte man die Brust aufklappen und MGs herausholen. Da ist mein Vater völlig ausgerastet. Also Weihnachten war immer ein sehr problematisches Fest bei uns.
Peter: Doch! Dass die uns so erzogen haben, war unser großes Glück, sonst wären wir heute nicht solche Menschen, die so frei leben können.
Peter: „Ich bin Kölle“ von Tommy Engel.
Stephan: Mensch, Peter, der heißt doch „Du bist Kölle“. Aber wenn der Tommy den singt, meint er wirklich: Ich bin Kölle.
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