Köln - Dieser Fall wird die Kölner Staatsanwaltschaft noch lange beschäftigen:
Ein Kölner Handwerker (43) hat versucht, eine Patientenverfügung für seine Schwiegermutter durchzusetzen. Er zog am Krankenbett der 82-Jährigen die Stecker aus den Überwachungsgeräten. Die Frau starb kurz darauf.
Es geschah in den Abendstunden des 29. Juni. Am 26. Juni war Schwiegermutter Marga (alle Namen geändert) mit Schmerzen in das St. Franziskus-Krankenhaus in Ehrenfeld eingeliefert worden. Diagnose: Lungenentzündung, Schwäche.
Die Ärzte verlegten die Frau auf die Intensivstation. Am Montag ging Frank B. nach der Arbeit auf einer Baustelle mit seinem Sohn ins Krankenhaus, um die Schwiegermutter zu besuchen. Es ginge ihr schlecht, meinte die diensthabende Ärztin auf der Station. Ohne Beatmungsgeräte sei der Tod nahe.
Frank wies nach EXPRESS-Informationen die Ärztin darauf hin, dass es eine Patientenverfügung seiner Schwiegermutter gibt. Auf einem dafür vorgesehen Formular. Sie wolle nicht unnötig leiden, wenn sie von der Gerätemedizin abhängig würde. Er rief zu Hause bei seiner Frau an, der Tochter der todkranken Seniorin. Die faxte die Verfügung in die Klinik.
Nach längerer Beratung soll nach Informationen aus Jus tizkreisen die Krankenhausleitung entschieden haben, dass die lebenserhaltenden Maßnahmen andauern sollen. Als Frank das hörte, schickte er um kurz nach 20 Uhr seinen Sohn auf den Flur. Er stürmte an das Krankenbett, schaltete alle Geräte in seiner Reichweite aus. Dann wurde er vom Pflegepersonal überwältigt. Das Krankenhaus rief die Polizei, die den 43-Jährigen vorläufig festnahm.
Die Pfleger schalteten daraufhin alle Überwachungsgeräte wieder ein. Die 82-Jährige starb drei Stunden später. „Ob das Ausschalten der Geräte ursächlich für den Tod ist oder nicht, wird geprüft“, so ein Polizeisprecher gestern.Staatsanwalt Bastian Blaut muss jetzt ermitteln, ob eine Straftat vorliegt. Und wenn ja, welche. Es komme der Tatbestand der Tötung auf Verlagen in Frage, hieß es am Mittwoch in Jus tizkreisen.
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