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Party in der Linie 16: Wolfgang Niedeckens bewegende Liebes-Erklärung an Köln

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Wolfgang Niedecken liebt sein Köln.

Foto:

imago/Future Image

Köln -

Als ich vom EXPRESS gefragt worden bin, ob ich eine Kolumne über Köln schreiben möchte, habe ich erst mal gezögert. Köln und Niedecken – über diese Beziehung ist schon unfassbar viel geschrieben worden.

Außerdem: Ein ganzes Album heißt „Niedecken Köln“,  in dem sich alles um meine Heimatstadt dreht.

Manches habe ich in mittlerweile 40 Jahren BAP an ihr auszusetzen  gehabt – denn sie macht es einem ja nicht immer leicht.

Zugleich aber ist es die Stadt, die auch ich  heiß und fettig liebe. Und ich bin froh, dass ich diesen vertrauten Heimathafen habe.

Beispielhaft ist folgende Geschichte, die ich in der KVB erlebt habe: Ich will mit der Linie 16 in die Innenstadt, wo unser Büro ist, entwerte mein Ticket, setze mich in Fahrtrichtung in eine Vierer-Sitzgruppe und fange an, Zeitung zu lesen.

Die Straßenbahn ist rappelvoll. Plötzlich drängelt sich eine Frau zu mir durch: „Hören’se mal, Herr Niedecken, sie haben mir damals doch dieses Autogramm geschrieben...“  – „Ja, kann sein“, antworte ich zögernd.

„Jetzt ist es aber so, dat meine Mann dat Autogramm nach der Scheidung mitjenommen hat!“ – „Ja, soll ich Ihnen denn  ein Neues schreiben, oder was kann ich für Sie tun?“

„Ja, Herr Niedecken, dat wäre schön!“ Ich krame in meiner Tasche, hole einen Filzstift und eine Autogrammkarte raus und frage „auf welchen Namen denn?“ – „Für Sonja bitte.“  Ich schreibe und gebe ihr die Karte:  „Bitteschön, Sonja.“

Schräg gegenüber von mir sitzt eine junge Frau, so um die 18. Ich merke, wie sie verwundert zu mir rüberschaut, sich dann zu mir vorbeugt und sagt: „Entschuldigung, aber... sind Sie irgendwie prominent?“

Jeder hat mir seine persönliche BAP-Geschichte erzählt. Konzerterlebnisse, Jugenderinnungen – die ganze Bahn war in Plauderlaune geraten.

In diesem Moment wurde die Linie 16 zum Schauplatz  einer Karnevalssitzung: Riesengelächter und Gejohle! Nur der Tusch fehlte.  Die Leute haben sich gebogen vor Lachen.

Und dann haben wir uns alle miteinander unterhalten. Jeder hat mir seine persönliche BAP-Geschichte erzählt.  Konzerterlebnisse, Jugenderinnungen – die ganze Bahn war in Plauderlaune geraten.

Und ich habe dabei völlig die Zeit vergessen. Ich glaube, am Ubierring ging das los – und ich habe  dann ganz vergessen, am Neumarkt auszusteigen. Ich bin dann notgedrungen bis zum Appellhofplatz gefahren und  die eine Station zurück zu Fuß gegangen.

Diese Geschichte ist nur ein Beispiel, warum ich die Mentalität dieser Stadt so sehr mag. Fast alle Leute wussten, wer ich bin. Aber: Sie haben mich in Ruhe gelassen.

Sie haben mich als einen von ihnen behandelt, und das ist das größte Kompliment. Es ist ja auch völlig normal, in Köln KVB zu fahren und mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen.