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Kölns Herkules-Aufgabe : Die Riesen-Razzia und das große Flüchtlings-Problem

Während einzelne Beamte das großflächige Gelände umstellen, warten Hunderte Polizisten in der Nähe des Eingangstores auf den Einmarschbefehl.

Während einzelne Beamte das großflächige Gelände umstellen, warten Hunderte Polizisten in der Nähe des Eingangstores auf den Einmarschbefehl.

Foto:

Heinekamp

Köln -

Rund 700 Polizisten, 670 Personenfeststellungen in 129 Zimmern – und ein sichergestelltes Handy, ein Tütchen Marihuana, eine Person, die sich illegal hier aufhält und eine Festnahme: Das ist die Bilanz der Razzia im Flüchtlingsheim in der Herkulesstraße, die am Donnerstag ab 6.30 Uhr stattgefunden hat.

„Wir haben Erkenntnisse über etwa 150 Straftäter, die sich in der Unterkunft in der Herkulesstraße aufhalten sollen und denen allein 420 Straftaten im Bereich der Eigentumskriminalität zur Last gelegt werden“, sagte Kriminaloberrat Thomas Schulte, der den Einsatz geleitet hat. „Wir hätten uns auch mehr Sicherstellungen und Festnahmen gewünscht.“ Der Verdacht steht im Raum, dass die betroffenen Straftäter vorher Wind von der Razzia bekommen und „aufgeräumt“ haben. „Das kann ich nicht ausschließen“, sagt dazu der Kriminaloberrat.

Selbst Peter Krücker, Sprecher des Runden Tisches für Flüchtlingsfragen, sagt: „Ich bin überrascht, dass nichts gefunden wurde.“

Mehr als 80 Prozent der Bewohner der Flüchtlingsunterkunft Herkulessstraße kommen aus Ex-Jugoslawien. 50 als notorische Taschendiebe polizeibekannte Personen wurden bei der Razzia in der Herkulesstraße aufgegriffen – die aber nicht dort, sondern in anderen Städten gemeldet sind. „Das sind berufsmäßige Diebe, die hier Unterschlupf finden und anderswo Taten begehen – oder umgekehrt“, so Schulte. Derzeit liegt nichts gegen sie vor.

In Ehrenfeld klagen Bewohner über einen Anstieg der Kriminalität im Umfeld der Herkulesstraße. Mit Plakaten in den Geschäften werden die Kunden gewarnt, der Rewe-Markt an der Lukasstraße stellte zusätzliches Sicherheitspersonal ein.

„Aber das betrifft eben nur einen kleinen Teil der Heimbewohner“, so Schulte. „Die meisten, die dort leben, sind unbescholten und werden sogar von den Intensivtätern eingeschüchtert.“

Razzia: 700 Polizisten durchsuchen Flüchtlingsheim
Köln, 06.11.14: Die Beamten haben in der Herkulesstraße in Neuehrenfeld nach Taschen- und Ladendieben gesucht. Vier Personen wurden festgenommen.

Peter Krücker sieht die Verantwortung auch bei der Stadt: „Diese Unterkunft mit mehr als 600 Menschen ist einfach viel zu groß, da muss man mit Straftätern rechnen.“

Doch die Stadt platzt aus allen Nähten und steht vor einer Herkulesaufgabe. 308 Flüchtlinge oder Asylbewerber hat die Bezirksregierung Arnsberg der Stadt im Oktober zugewiesen – soviele wie noch nie. Und allein in den ersten drei Novembertagen kamen überdies 98 Personen direkt nach Köln (ohne Zuweisung). OB Jürgen Roters (65, SPD) hat vom NRW-Innenminister einen Zuweisungsstopp für Köln gefordert.