Dies ist die Geschichte von Kölns ältestem oder soll man sagen: härtestem Friseur. „Solange ich noch eine Schere in der Hand halten kann, mache ich weiter!“, sagt Mustafa Okutan (77) - und hält dem Kunden die Rasierklinge gekonnt nah an die Gurgel. Gut, dass die Hände gar nicht zittern: Er ist ja schließlich nicht mehr der Jüngste!
Venloer Straße, nicht allzu weit vom Moscheebau: Willkommen beim Barbier von Ehrenfeld, der aufgrund seiner Originalität auch schon von Top-Comedians wie Kaya Yanar oder Oliver Pocher Besuch bekam.
Doch zum Lachen ist Mustafa Okutan nicht zumute, spricht man ihn auf den Grund seines nicht enden wollenden Einsatzes an. Es waren Anlagebetrüger, die vor Jahren mit dem sogenannten „Islamic Bancing“ Tausenden in Deutschland lebenden Türken das Geld aus der Tasche zogen, so auch ihm, dem Friseur. „Die Ersparnisse aus 50 Jahren sind weg“, sagt Herr Okutan. Wenn er das Geld wettmachen wollte, müsste er wohl Haare schneiden, bis er 100 ist.
Okutan kam 1969 nach Deutschland, zunächst nach Wuppertal. Die Kunst des Männerfriseurhandwerks hatte er als junger Mann in Istanbul mit höchst interessanten Methoden gelernt: „Der Meister schmierte den Rasierschaum auf einen Luftballon. Dann musste ich diesen Schaum vorsichtig mit dem Rasiermesser abkratzen. Drückte ich zu stark, platzte der Ballon.“
Auch seine Söhne und Schwiegertöchter sind Friseure: „Unsere Arbeit ist mittlerweile sehr einfach geworden“, meint der 77jährige. „Früher brauchte ich vielleicht 40 Minuten für eine Männerfrisur. Jetzt nehme ich eine Maschine und es geht ruck, zuck.“
Am günstigsten ist beim Meister übrigens das Nasenhaarezupfen - macht einen Euro. Türkischen Tee gibts natürlich umsonst.
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