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Kölner Brauer im Interview: Darum geht der Kölsch-Umsatz in den Kneipen zurück

Brauerei-Gipfel

Links: Der Vorstand des Verbandes, Heinrich Becker und Melanie Schwartz. Rechts: Alexander Rolff und Christian Kerner komplettieren die Chef-Etage des Brauerei-Verbands.

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Matthias Heinekamp

Sie sind Kölns Bier-Barone, bilden den Vorstand des mächtigen Kölner Brauerei-Verbands, der 19 Kölsch-Marken und zehn Brauereien vertritt.

Bevor an den tollen Tagen das Kölsch in der Stadt umso mehr fließt, beantworten Melanie Schwartz (34, Malzmühle), Alexander Rolff (52, Früh), Heinrich Becker (39, Gaffel) und Geschäftsführer Christian Kerner (49) beim großen EXPRESS-Besuch alle Fragen rund um des Kölners liebstes Getränk.

Lesen Sie, wie es dem Kölsch geht. Was die Macher besorgt und warum es wichtig ist, dass Köln ein „gallisches Dorf“ auf dem nationalen Biermarkt bleibt.

Wie geht es dem Kölsch?

Alexander Rolff: Dem Kölsch-Markt geht es insgesamt gut. Er entwickelt sich sogar noch besser als der Bier-Markt insgesamt. Im letzten Jahr sind die Kölsch-Absätze, im Gegensatz zum Gesamtmarkt, stabil geblieben.

Woran liegt das?

Alexander Rolff: Wie in vielen Lebensmittelbereichen gibt es auch beim Bier einen Trend zur Regionalität. Kölsch ist in unserer Region natürlich sehr eng verankert. Das konnten die Kölsch-Brauereien für sich nutzen.

Heinrich Becker: Bier braucht  Heimat – das ist das Stichwort. Da ist Kölsch ganz weit vorne. Aber die erfreuliche Entwicklung liegt auch am Tourismus: Immer mehr Menschen kommen nach Köln, lernen das Kölsch kennen und tragen diese Botschaft natürlich in alle Welt.

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Der Vorstand erklärt im EXPRESS-Gespräch seine Sicht auf den Kölsch-Markt.

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Matthias Heinekamp

Aber das Konsumverhalten hat sich doch weitestgehend geändert, oder?

Heinrich Becker: Klar, und da müssen wir drauf reagieren. Denn früher wurde beispielsweise auf Baustellen schon mittags die ein oder andere Flasche Kölsch geöffnet.

Das ist heute nicht mehr so  - da müssen wir sehen, dass wir Produkte anbieten, die dem Zeitgeist entsprechen. Alkoholfreie Getränke sind da natürlich Thema – so wie Fassbrause oder Früh Sport.

Ist der Umsatz in den Kneipen zurückgegangen und hat sich das auf die Straßen verlagert?
Alexander Rolff: Generell geht der Bierkonsum, unabhängig vom Kölsch, in den Gaststätten zurück. Das liegt am Rauchverbot, an der 0,5 Promille-Grenze und weiteren Faktoren.

Das ist aber kein Köln-Phänomen. Aber klar hat in Köln, wie am Brüsseler Platz, der Kölsch-Konsum auf der Straße eher zugenommen.

Lesen Sie auf der nächsten Seite weiter: Übernehmen überregionale Brauereien den Kölsch-Markt und wie können sich die Kölsch-Brauereien untereinander eigentlich leiden?

Köln ist nach wie vor ein Bollwerk in Sachen Konkurrenzkampf unter den Brauereien. Befürchten Sie nicht, dass irgendwann große überregionale Brauereien den Markt erobern wollen?

Alexander Rolff: Da steht ganz klar die Kölsch-Konvention gegen. Kölsch muss im Stadtgebiet gebraut werden, das ist ein Riesenvorteil. Das ist jetzt 30 Jahre her, und es war rückblickend eine geniale Entscheidung.  

Heinrich Becker: Wir bezeichnen Köln immer als ein gallisches Dorf. Vor den Stadttoren stehen die Pils-Brauereien  und warten nur darauf, sich hier zu tummeln. Die Kölsch-Konvention ist die Mauer, die uns einen Vorteil verschafft.

Melanie Schwartz: Das wurde jetzt durch die „GGA“, also die „Geschützte Geografische Angabe“, noch einmal gestärkt, was uns natürlich freut.

Wie ist eigentlich das Verhältnis unter den Kölsch-Brauereien? Ist man sich da immer grün?

Heinrich Becker: Wir sind uns, insbesondere  als Verband, einig darüber, dass wir die Sorte pflegen und schützen müssen. Dass das Erfolg hat, sieht man beispielsweise am Alt-Bier.

Vor 15 Jahren wurde davon doppelt so viel produziert wie Kölsch. Heute ist es nur noch die Hälfte. Das ist auf die Arbeit des Verbands und die Kölsch-Konvention zurückzuführen.

Es ist aber auch klar, dass wir in Konkurrenz stehen. Aber im Großen und Ganzen haben wir ein gutes gemeinsames Verständnis.

Christian Kerner: Man muss auch dazu sagen, dass der Verband insgesamt stärker  in den Fokus rückt. Im letzten Jahr haben sich die Anfragen zum Thema Kölsch bei uns enorm verstärkt.

Da kommen Fragen aus aller Welt: Wie ist es mit dem Kölsch? Wo kann man Brauerei-Führungen machen? Im letzten Jahr mussten wir uns auch häufiger wehren,  dass die Marke Kölsch geschützt bleibt.

Gibt es Beispiele?

Christian Kerner:  Irgendwelche Brauereien in Italien oder Belgien nutzen dann einfach den Namen Kölsch für ihr Bier. Das geht so nicht, da müssen wir einschreiten. Daran merkt man aber auch: Das Kölsch ist in, gefragt und wird auch im Ausland so wahrgenommen.

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