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Köln: Reker greift Eltern des Abi-Mobs an: Mangelnde „Zuwendung“, „Verwahrlosung“?

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Die randalierenden Abiturienten hinterließen ihre Spuren auf dem Kartäuserwall vor dem Humboldt-Gymnasium.

Foto:

Jasmin

Sie ist mächtig. Und sie ist sauer. Mächtig sauer!

Oberbürgermeisterin Henriette Reker (59, parteilos) hat sich nach der Ratssitzung noch Dienstagnacht auf Anfrage des EXPRESS zu den Abi-Krawallen geäußert.

„Was da geschieht, ist einfach unfassbar“, sagte die OB sichtlich erschüttert.

„Früher sprach man von einem »Reifezeugnis«, hier aber ist die Unreife offenkundig. Es handelt sich hier um Wohlstandsverwahrlosung.“

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Henriette Reker ist entsetzt über die Abi-Krawalle.

Foto:

Michael Wand

Starker Tobak der OB. Sie sieht auch die Eltern in der Pflicht: „Ich kann mir diese Randale nur so erklären, dass die betreffenden Schüler zu Hause nicht oder nicht immer die nötige Zuwendung erfahren“, erklärt Reker.

Die OB weiter: „Und Zuwendung, das möchte ich betonen, besteht auch im Aufstellen von Regeln seitens der Eltern. Meiner Meinung nach liegt auch da ein Problem.“

Doch wie soll man jetzt mit dem Problem umgehen, wie kann oder soll man die Krawall-Abiturienten bestrafen?

Soziales Jahr wäre angebracht

Ehrenfelds Bürgermeister Jupp Wirges (SPD) hatte eine „Ehrenrunde“ für die Randalierer gefordert, damit sie ihre sittliche Reife doch noch erlangen könnten.

Das sieht Reker anders: „Ein Jahr Nachsitzen halte ich für verfehlt, denn der bisherige Schulbesuch hat ja offensichtlich nicht zur sittlichen Reife dieser Schüler beigetragen. Ich hielte es für besser, wenn diese randalierenden Schüler mal das wahre Leben kennenlernen – ein soziales Jahr wäre da wohl angebracht!“

Mit diesen Aussagen wird sich Reker nicht nur Freunde machen. Aber sie betont: „Ich bin unabhängig – und ich sage, was ich meine!“

Lesen Sie auf der nächsten Seite: Gibt es bei den Abi-Chaoten Kontakte zur Hooligan-Szene?

Bengalos, Polen-Böller, martialische Videos – das ist die Handschrift der Fußball-Hooligans, die auch beim FC immer wieder für Ärger gesorgt haben.

Daher der Verdacht, dass Abiturienten der Gymnasien, vorzugsweise aus dem Kölner Westen, gute Kontakte zu diesen Kreisen haben – und einige der Hools sogar bei den gewalttätigen Auseinandersetzungen mitmischten.

„Das Problem ist“, beschreibt ein Polizist, „dass wir nicht feststellen können, von welcher Schule ein Schüler stammt, wenn wir ihn festgenommen haben oder überprüfen. Denn die Stadt Köln hat keine Liste aller Abiturienten der Schulen vorliegen.“

So eine Verbindung zwischen Schülern und Hools zu finden, ist deshalb sehr schwer.

Daher habe die Polizei kaum Möglichkeiten, pädagogische Ansätze zu verfolgen, um Schüler von weiteren Straftaten Mithilfe einer gezielten Ansprache durch Polizei und Schule abzubringen.

Die Bezirksregierung sei am Zug, als Schulverwaltungsbehörde das schnell zu ändern.

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