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Köln: Einsatzbericht beweist: Herkunft von Verdächtigen wurde vertuscht

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Präsident Albers verschwieg, dass seinen Beamten sehr klar war, wer da nachts auf dem Bahnhofsvorplatz mit Böllern um sich warf und Frauen sexuell belästigte.

Foto:

Matthias Heinekamp

Immer mehr dramatische Details der Silvesternacht kommen ans Licht. EXPRESS liegt jetzt der Bericht der Einsatzhundertschaft vor.

Während Polizeipräsident Wolfgang Albers (60, SPD) der Öffentlichkeit verschwieg, dass ein Teil der überprüften Verdächtigen Asylbewerber sind, hielt das der Einsatzleiter der Einsatzhundertschaft am 2. Januar in seinem Lagebericht fest: „Gegen 22.48 Uhr konnten im Bereich Roncalliplatz/Domplatte/Bahnhofsvorplatz mehrere tausend Personen (genaue Verifizierung nicht möglich) mit Migrationshintergrund (vermutlich mit Flüchtlingsbezug) festgestellt werden.“

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Ein Auszug aus dem Einsatzprotokoll der Polizei vom 2. Januar.

„Ausweispapiere lagen nicht vor“

Der Einsatzleiter weiter: „Der überwiegende Teil der überprüften Personen hatte sich lediglich mit dem Registrierungsbeleg als Asylsuchender des BAMF ausgewiesen. Ausweispapiere lagen nicht vor.“

In dem Bericht werden auch konkrete Zahlen aus der Nacht genannt: 71 Personalienfeststellungen, zehn Platzverweise, elf Ingewahrsamnahmen, vier Festnahmen und 32 Strafanzeigen. Albers behielt diese Zahlen bislang für sich. Warum nur?

Auch Oberbürgermeisterin Henriette Reker ließ Albers offensichtlich im Unklaren. Denn Reker betonte bei einer Pressekonferenz im Beisein von Albers: „Es ist unzulässig, über eine Herkunft zu sprechen. Es gibt keinen Hinweis, dass es sich um Menschen handelt, die bei uns als Flüchtlinge untergekommen sind.“ Albers schwieg dazu.

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„Dienstgruppenleiter verschweigt Herkunft der Männer“

Unfassbar: Ein Dienstgruppenleiter (DGL) der Kölner Polizei setzte seine WE-Meldung (Wichtiges Ereignis) am Neujahrsmorgen für die Polizeiführung ab, nahm jedoch laut „Kölner Stadt-Anzeiger“ bewusst die Herkunft der überprüften Männer heraus, obwohl der Einsatzleiter aus der Nacht darauf bestand, dass die Information im Bericht bleibt. Die Begründung des Beamten sei sinngemäß gewesen, dass dies „politisch heikel“ sei.

In dem Einsatzbericht der Hundertschaft steht weiter: „Es gab erhebliche Verzögerungen bei der Anforderung des Gefangenentransports (bis zu 90 Minuten).“ Das bedeutet: Die Beamten konnten zwar Personen festnehmen, sie aber nicht abtransportieren.

 War eine Festnahme durchgeführt, konnte die Person nur mit langen Wartezeiten überprüft werden. Die Führungsgruppe war nur mit zwei Mann besetzt. Zusätzliche Anfragen wie Einwohnermeldeabfragen waren nur mit erheblichem Zeitverzug möglich. Albers sprach jedoch davon, der Einsatz sei aus polizeilicher Sicht gut verlaufen, und es habe ausreichend Einsatzkräfte gegeben. Dem entgegen steht der Vermerk: „Ohne Unterstützung der Bundespolizei wäre eine sachgerechte Räumung des Vorplatzes nicht möglich gewesen.“

 Auch der Bericht der Bundespolizei liegt EXPRESS vor. Darin wird offensichtlich, dass es Zuständigkeits-Gerangel gibt. Es heißt: „Die gravierenden politisch relevanten Delikte (wie sexuelle Nötigung, Vergewaltigung und Raub) liegen im Zuständigkeitsbereich der Landespolizei.“

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