Aktuelle Nachrichten aus Köln, der Welt sowie Neues vom Sport und der Welt der Promis.

Justiz-Panne!: Kölner Koma-Schläger trotz Hafturteil wieder auf freiem Fuß

Komaschläger

Dieser Beschuldigte kam durch die Justiz-Panne wieder auf freien Fuß.

Foto:

Alexander Schwaiger

Köln -

Karl S. (63, alle Namen geändert) und Ehefrau Eva verstehen die Welt nicht mehr. Im Oktober 2013 wurde der 63-Jährige von vier Männern in Neuehrenfeld mit Eisenstangen ins Koma geprügelt. Dabei galt der Angriff gar nicht ihm.

Haupttäter Azem D. (49) und seine Komplizen hatten ihn verwechselt (EXPRESS berichtete). Die Schläger wurden gefasst und zu langen Haftstrafen verurteilt. Doch wegen einer Panne sind jetzt alle wieder  frei.

Der Anruf bei Familie S. war verstörend: Die Polizei informierte das Paar, dass die vier Schläger nach 28 Monaten aus der U-Haft entlassen worden seien.

Justizinterne Verwaltungsprobleme und die Haftbeschwerde der Verteidiger hätten zu der sofortigen Freilassung geführt.

Opfer ist entsetzt

„Das war für meinen Mann und mich wie ein Schlag ins Gesicht. Zumal die Täter doch im Dezember 2014 wegen versuchten Totschlags vor dem Landgericht  verurteilt wurden“, so die Ehefrau.

MDS-EXP-2014-12-06-71-77650018

Die Narbe zeigt: Karl S. (63) wurde der Schädel eingeschlagen.

Foto:

Alexander Schwaiger

Haupttäter Azem D. erhielt elf Jahre, ein  Komplize acht Jahre und drei Monate, ein weiter sieben Jahre und neun Monate, der vierte Täter zwei Jahre und neun Monate.
Alles Makulatur.

Justiz blieb untätig

Da die Verteidiger Revision einlegten, wurde  das Urteil nicht rechtskräftig.  Es kam zu einer folgenschweren Justizpanne. Denn das Landgericht brauchte etwa fünf Wochen dafür, das 470 Seiten starke Verhandlungsprotokoll mit der Urteilsbegründung und die 240 Seiten starken Revisionsanträge an die Staatsanwaltschaft weiterzuleiten.

„Unsere 11. Strafkammer hatte zeitgleich vier große Strafsachen verhandelt. Wir bedauern es sehr, dass unsere Bearbeitungsdauer nicht den Maßstäben des Oberlandesgerichts entsprach“, sagt dazu Landgerichtssprecher Dr. Achim Hengstenberg.

Auch die Kölner Staatsanwaltschaft brauchte zu lang, um eine Revisionsgegenerklärung zu verfassen. Über sechs Monate vergingen, bis die Unterlagen dem Revisionsgericht vorlagen. Zu lang, entschied das Kölner Oberlandesgericht.

Der Strafsenat sah es wegen der vermeidbaren Verfahrensverzögerungen nicht als verhältnismäßig an, die Tatverdächtigen länger einzusperren, wenn es noch kein rechtskräftiges Urteil gebe.

Nächste Seite: Staatsanwaltschaft zeigt sich bestürzt

nächste Seite Seite 1 von 2