Die Kölner CDU beginnt mit der Weichenstellung für den Bundestagswahlkampf 2013 – am heutigen Aschermittwoch ist auch für den farb- und glücklosen Parteichef Jürgen Hollstein (49) alles vorbei. Auf einer eilig einberufenen Pressekonferenz verkündete er, dass er bei der Neuwahl des Parteivorstands Ende März nicht wieder antreten wird. Die innerparteiliche Kritik an ihm hatte in den letzten Monaten zugenommen: „Kein Profil“, „keine politische Position“, „keine Diskussion“ lauten die Vorwürfe.
Hollstein hatte im März 2008 den Parteivorsitz von Walter Reinarz (54) übernommen, der nicht wieder angetreten war. Seinerzeit tobten Machtkämpfe zwischen dem Lager des früheren Parteichefs Richard Blömer (67) und dem Lager um Walter Reinarz und Ulla Heinen (46), die als Reformer angetreten waren. Doch nach Kampf und Stress folgte mit Hollstein Ruhe. Zuviel Ruhe. „Er hat die Partei totberuhigt“, schimpfen einige. „Niemand weiß, wofür die Kölner CDU eigentlich steht.“
Und sie soll es jetzt richten: Andrea Verpoorten. Die 38-jährige Juristin ist gebürtige Kölnerin und arbeitet in einer weltweit tätigen Rechtsanwaltsgesellschaft in Köln. Seit 2010 ist sie Landtagsabgeordnete in NRW, sie wurde im Wahlkreis Rodenkirchen-Südstadt direkt gewählt – als lachende Dritte hatte sie Ingrid Hack (SPD) das Mandat abgejagt, nachdem diese viele Stimmen an Barbara Moritz (Grüne) verloren hatte. Verpoorten ist medienpolitische Sprecherin und Beauftragte für Internet und Digitale Medien der CDU-Landtagsfraktion. Sie sitzt im Haupt- und Medienausschuss, im Ausschuss für Wirtschaft, Mittelstand und Energie und im Petitionsausschuss des Landtages.
Für Köln fordert Verpoorten, dass Schulklassen verkleinert werden, sodass weniger Schüler auf einen Lehrer kommen und so eine bessere Förderung Einzelner möglich wird. Sie fordert weiter die Untertunnelung der Rheinuferstraße, damit es bei der Querung der Nord-Süd-Stadtbahn keine Staus gibt. Außerdem den Anschluss der Eifelautobahn an den Kölner Ring, die Fortführung des Inneren Grüngürtels bis zur Rheinuferstraße und Flüsterasphalt für die A 555.
Verpoorten soll auf Vorschlag Hollsteins bei der Generalmitgliederversammlung Ende März gewählt werden. Mit diesem Schachzug soll Bernd Petelkau als Parteichef verhindert werden. Ihm wird nachgesagt, dass er es unbedingt werden möchte. Er ist Vorsitzender des CDU-Stadtbezirks Lindenthal – und wird schon deshalb als Richard Blömer nahestehend bewertet. Vor Verpoorten sollen der Bundestagsabgeordnete Michael Paul und der Landtagsabgeordnete Christian Möbius eine Kandidatur bereits abgelehnt haben.
Doch wer auch immer es wird: Nach Hollstein wird ein Parteichef mit Profil gesucht, einer, der Positionen formulieren, Forderungen stellen und Diskussionen in der Stadt entfachen kann. Dass Verpoorten das kann, wird bereits von vielen in der Partei bezweifelt.
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